Krebsmittel sollen schneller erstattet werden

27. März 2012, 13:54
  • Die Europäische Gesellschaft für Medizinische Onkologie (ESMO) unterstützt Pläne von EU-Industriekommissar Tajani.
    foto: apa/boris roessler

    Die Europäische Gesellschaft für Medizinische Onkologie (ESMO) unterstützt Pläne von EU-Industriekommissar Tajani.

Preisbildung beziehungsweise Regelung für Bezahlung durch Krankenkassen binnen einem und vier Monaten

Wien/Brüssel/Lugano - Die europäischen Krebsspezialisten wollen, dass neue Medikamente schneller durch die Gesundheitssysteme der einzelnen Staaten bezahlt und so den Patienten mit bösartigen Erkrankungen auch schneller zur Verfügung stehen. "Die Europäische Gesellschaft für Medizinische Onkologie (ESMO) begrüßt die jüngsten Vorschläge der EU-Kommission für effizientere und verkürzte Zeitspannen bis zur Etablierung von Preisen und Erstattungsregelungen für Arzneimittel", hieß es jetzt in einer Aussendung der ESMO. Die Gesellschaft wird Ende September/Anfang Oktober 2012 ihren Jahreskongress in Wien abhalten.

Der Hintergrund: Derzeit befinden sich Hunderte neue Krebsmedikamente weltweit in klinischen Untersuchungen. Das dürfte in der nächsten Zukunft im Rahmen der "zielgerichteten" beziehungsweise "personalisierten" Therapie zu einer immer schnelleren Zulassung neuer Arzneimittel gegen bösartige Erkrankungen kommen. Innovative Krebsmedikamente, zum Beispiel aus der Biotechnologie, werden in Europa über die zentrale Zulassung der EMA (European Medical Agency) in London registriert. Doch nach der Zulassung und Marktfreigabe durch die EU vergeht oft lange Zeit, bis Preisfestsetzung und Bezahlung in den einzelnen EU-Mitgliedsstaaten erfolgen. Der Nutzen für die Patienten bleibt zunächst aus.

Neue Pläne mit Strafandrohung

Industriekommissar Antonio Tajani hat Anfang März dazu neue Pläne vorgelegt: Demnach sollen die EU-Mitgliedsländer bei Strafandrohung verpflichtet werden, bei innovativen Medikamenten nationale Preise und Erstattungsregelungen binnen 120 Tagen nach Zulassung zu bestimmen, bei Nachahmepräparaten (Generika) binnen 30 Tagen.

Christoph Zielinski, Leiter des Comprehensive Cancer Center der MedUni Wien und des AKH, als Sprecher der ESMO in dieser Angelegenheit: "Es wäre zu hoffen, dass die alten Tagen mit Wartezeiten auf die Erstattung bei innovativen Krebsmedikamenten von bis zu 700 Tagen und bei Generika von bis zu 250 Tagen bald vorüber sind. Der Vorschlag der EU ist die logische Konsequenz des dynamischen Wissenswachstums bei Krebs, der in die Entwicklung von neuen Medikamenten umgesetzt wird."

Zahl der Neuerkrankungen steigt

Die Pläne der EU sind für Millionen Menschen wichtig: In diesem Jahr werden in der EU fast 1,3 Millionen Menschen an Krebs sterben. Während die Zahl der Neuerkrankungen ständig steigt, sinkt offenbar die Mortalität. Seit dem Jahr 2007 betrug diese Reduktion bei den Männern zehn Prozent, bei den Frauen sieben Prozent. Das war zu einem beträchtlichen Teil auf in den vergangenen Jahren deutlich verbesserte medikamentöse Behandlungsmöglichkeiten zurückzuführen.

Die Angelegenheit rund um die Prozesse, die zur Erstattung innovativer Medikamente führen, ist keine theoretische Diskussion. Ein Beispiel aus Österreich: Im Juli 2011 hat die EU die Marktzulassung für das innovative und im Vergleich zu herkömmlichen Therapien in klinischen Studien wirksamere Medikament gegen Krebs-Knochenmetastasen, Denosumab, für alle EU-Mitgliedsländer zugelassen. Frei aus der "Grünen Box" in Österreich verschreibbar wird es laut dem US-Biotech-Konzern Amgen jetzt mit erstem April. Denosumab ist ein monoklonaler Antikörper, der gegen krankhaften Knochenabbau wirkt. Die Basis für die Entwicklung legte der österreichische Biotechnologieforscher Josef Penninger ehemals mit in Kanada durchgeführten Forschungsarbeiten.

Die Themen von Qualitätsstandards und von möglichst gleichem Zugang der Krebspatienten zu medizinischen Leistungen in der EU werden auch im Mittelpunkt der Diskussionen des Jahreskongresses der ESMO vom 28. September bis 2. Oktober im Austria Center Vienna stehen. Es werden bis zu 18.000 Experten erwartet. (APA, 27.3.2012)

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passend dazu, auszüge:Roche-CEO stellt Genehmigungsverfahren für klinische Studien in Europa infrage, eine hitzige Debatte zwischen Severin Schwan und John Dalli

Schwan:Er beschrieb die Frustration nicht nur der Pharmaindustrie, sondern auch von Patientenvertretungen in ganz Europa. Zahlreiche bürokratische Hürden sorgten dafür, dass sich der Beginn der Studien ebenso verzögere wie ihr Abschluss, dass Marktzulassungen länger dauern und die Patienten wertvolle Zeit verlieren

In die falsche Richtung
John Dalli stellte klar: «Ich will keine weitere zentralistische Bürokratie im Zusammenhang mit klinischen Studien.» Schwan konterte prompt und verlangte gerade mehr Zentralisierung, um Zulassungsverfahren zu beschleunigen

Wir brauchen in Europa einfach weniger Ethikkommissionen – wozu brauchen wir tausend?» Schwan meinte, die Politik «geht in die falsche Richtung».

usw usw

*lol* - ja, in dem Video wird wirklich klar, was Medikamentmissbrauch alles anrichten kann...

"Luft aus Bomben", nur weil in TNT auch Stickstoff drin ist...

"Luft als Bombe" sollte das heißen - blöde Tippfehler :)

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