Zwischen Weltgeist und Naivität: Die Medien über die Piraten

Medien spekulieren über die Gründe des erfolgreichen Wahlausgangs für die Piraten im Saarland

"Politik mal anders": Das war nicht nur einer der Wahlsprüche der deutschen Piratenpartei, sondern spiegelt sich auch in der Berichterstattung über deren Wahlerfolg im Saarland wieder. Nicht nur positiv, wenn man das Stimmungsbild der deutschen Medien analysiert. Neben dem eher ungewöhnlichen äußeren Erscheinungsbild der Jungpolitiker rückt dabei vor allem die Darstellung der Rat- und Ideenlosigkeit des politischen Programms und dessen Präsentation bei öffentlichen Auftritten ins Zentrum.

Wird die Partei laut welt.de als "neue Stimme von Jugend und Weltgeist gefeiert", warnt man hier vor der aggressiven Naivität und der pubertären Haltung, die die Piratenpartei mit ihrem Handeln und ihrem Programm transportiere. Dass die "ambitionsarmen Inhalte" nur aufgrund der Frustration der Wähler Anklang in der Bevölkerung finden, steht für den Autor außer Frage. Damit gehen auch weitere Medien d'accord.

Schlankes Wahlprogamm

Laut faz.net versinnbildlicht das orangefarbene Wahlkampfmobil "Piratggio" die zu erwartende Politik der Piraten: "originell, unprofessionell und ein bisschen albern". Das spiegele sich auch in der Wahlkampfbroschüre, dem "Kaperbrief", wider. Neben einer umfassenden Kritik an den anderen Parteien habe sich lediglich eine Seite über das Wahlprogramm gefunden, das sich auf die Themen Mindestlohn, Bildungsreform und Transparenz konzentrierte.

Weniger schwarz werden die Piraten von süddeutsche.de gesehen. Vor allem das lösungsorientierte Denken präge die Partei. Der Einsatz zahlreicher Online-Tools (wie Piratenpad, Piratenwiki und Ähnlichem) lasse die Partei zwar effektiv, aber nicht immer effizient arbeiten. Sie ist laut spiegel.de mit ihrer "nerdigen Ingenieursdenkweise, der offensiven Naivität, Netzoffenheit und Jugendlichkeit" ein Vorbote für die digitale Demokratie und den offenen Diskurs mit den Wählern.

Motive der Wähler

Die Wähler der internet-affinen Piratenpartei erhalten in der medialen Aufbereitung einen einfältigen Anstrich. So fehle ihnen eine "tiefere Kenntnis der politischen Programmatik der Piratenpartei" und die Fähigkeit zu widersprechen. Richard Hilmer, Geschäftsführer des Umfrageinstituts Infratest Dimap, spricht davon, dass die Piraten-Wähler von einem "Lebensgefühl jenseits von links und rechts" und weniger von der Kompetenz oder Symphathie der Partei geleitet würden.

Die Tatsache, dass die Zusammensetzung der zukünftigen saarländischen Landesregierung bereits vor der Wahl feststand, wird auch als Faktor für den guten Wahlausgang für die Piraten gesehen. Die politische Enttäuschung und die Neugierde würden der Piratenpartei "als Sinnbild feuilletonistischer Schwarmintelligenz" auch weiterhin zugute kommen, prognostiziert die FAZ. Man darf gespannt sein. (Caroline Wirth, derStandard.at, 27.3.2012)

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