Herunterbrechen

Christoph Winder
27. März 2012, 17:16
  • Leistungsträger und Meister im "Herunterbrechen": Walter Meischberger.
    foto: reuters/lisi niesner

    Leistungsträger und Meister im "Herunterbrechen": Walter Meischberger.

Ehre, wem Ehre gebührt: Eine großartige Leistung von Walter Meischberger

Walter Meischberger, der Lieblingsleistungsträger der Nation, ist in der vergangenen Woche vor dem U-Ausschuss gestanden oder, korrekter, gesessen. Wenn Meischberger einmal auspackt, dann tut er dies gemeinhin nicht auf Deutsch, sondern in einem diffusen Management-Slang, den man auch von den anderen Buberln gut kennt. Mit ihrem auskennerischen Vokabular wollen die durch den FPÖ-Polit-Kanal nach oben gespülten Herrschaften offenbar signalisieren, dass man auch ohne große wirtschaftliche Ausbildung oder sauer erworbene ökonomische Kenntnisse ein Superchecker und Eins-A-Durchblicker gewesen ist und auch weiterhin sein wird. Hier Meischberger im O-Ton: "Ich habe für Hochegger viel geleistet, habe Analysen der Ist-Wahrnehmung gemacht, Best Practice auf der ganzen Welt beobachtet und für Österreich heruntergebrochen, habe als guter Kenner der politischen Landschaft politische Argumente ausgearbeitet, strategische Ableitungen gemacht." Na, und das soll keine Leistung sein?

Als eines von vielen dubiosen Wortexemplaren möchte ich aus diesem sinnarmen Kuddelmuddel das Verbum "herunterbrechen" herausgreifen. Die Vorstellung, Meischberger beim Herunterbrechen beobachten zu müssen, hat per se etwas Apokalyptisches. Was ist das Resultat eines solchen Herunterbrechens? Ein paar Kotzbrocken auf dem Boden? Nein, so dürfte es nicht gemeint sein. Eher möchte Meischberger wohl mitteilen, dass er uns Österreicher für zu blöde hält, die Ergebnisse seiner globalen Best-Practice-Beobachtung in unbearbeiteter Form zu verstehen, weswegen er sie den lokalen Gegebenheiten anpassen, eben "herunterbrechen" muss. Ich für meinen Teil fände es interessant, wenn Meischberger auch einmal Best-Practice-Studien in Stein oder im Wiener Landl machen würde und dann für die Allgemeinheit herunterbräche, welche Ist-Wahrnehmungen ihm dort untergekommen sind.

Im Geschäftsleben ist die Vokabel "Herunterbrechen", im Sinne von "etwas allgemein Gefasstes auf einen konkreten Fall anwenden, übertragen" (Duden Online) seit etwa Mitte der 1990er Jahre schwer im Schwange. Hier einige Beispiele aus dem Internetz: "So können wir globale Trends auf die lokale Ebene herunterbrechen"; "Wir können unsere Anwendungen nicht auf Features herunterbrechen"; "Dieses Herunterbrechen der Top-BSC wird auch als Roll-out bezeichnet. Die konkrete Ausgestaltung eines solchen Herunterbrechens ist mit der Beschaffenheit des Unternehmens verbunden"; "Dieses hierarchische Herunterbrechen von Zielen findet seinen Niederschlag häufig in einer strategischen und operativen Planung, die der strategiekonformen Steuerung der Ressourcen dient." Sehr professionelle Anmutung! Ich hoffe, dass diese Prachtsätze die p.t. Leserschaft zum ergiebigen Nachdenken über das Herunterbrechen im Allgemeinen und das Meinschbergerische Herunterbrechen im Besonderen anregen werden.

Von Christoph Winder
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Zweckdienliche Hinweise auf bemerkens- und erörternswerte Wörter sind erbeten an christoph.winder@derStandard.at.

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Dumm

ist nur, dass man zuerst selber verstehen muss. Zuerst einmal das, was jener der vorgibt zu verstehen sagt. Und dann, dass derjenige das was er sagt zu nutzen versteht. Also nicht dumm ist. Es geht am Problem vorbei, diese Leute "dumm" hinzustellen. Das Problem liegt woanders.

und den rest der bevölkerung

einen steress machen oder wie???

Ich kann mit Freude berichten, hab mir gerade den Zeigefinger gebrochen, was auf Postings herabgebrochen eine längere Tippphase bedeutet und es werden sicher ein paar eine Freud daran haben.

li oder re?

Na dann

wird's jetztn wohl eine Zeitlang eine linke Nasenbohrung sein im Hause SvM.

Hier schick ich Ihnen jedenfalls einen Finger zur Aufmunterung: http://www.thetuscanmagazine.com/articles/... aptist.jpg

genau der :-)

Man könnte dem Meischi ja auch die Finger brechen um ein umfassendes Geständnis zu erzwingen, Sie wissen ja dass ich ein Fan von intensiver Strafvollziehungen bin, und ein bisserl heruntergebrochene Menschenwürde täte der raschen Aufklärung gut.

Freilich weiss ich das.

Sie ueben ja die Nextenliebe immer brav in der Kirche, gelt.

und gebenedeit werde sein NAme.... was heißt das überhaupt...gebenedeit.... kann man das auf ein verständliches Wort herunterbrechen, schreibt man das überhaupt so, muss ich gleich gooooooglen.

jessassmarandana! ...und die frucht deines leibes...

SvM, Sie alter rosenkranzler.

heruntergebrochen auf einen rosenkranz bräuchte ich noch ein paar Kinder mit schrecklichen Namen.

ps. das ist der vodda unsa

Wo ist der Witz

oder die Moral der Geschichte?

noch einmal

lesen, dann klappt es vielleicht mit dem Verstehen?

Tja,

soweit ich das sehe wird hier ohne Grundlage vorverurteilt. Das ist nicht witzig. Zumindest nicht fuer mich.

Sg Mitposter/in

Mir reicht es einfach, mich an die Gesetze zu halten, weil ich so was auch immer bin im Vergleich zu den dreisten Buberln, die ohne Genierer das Recht auf ihrer Seite sehen. Wenn Sie hier von Vorverurteilung reden, dann freut mich das im Hinblick auf die hoffentlich bald erfolgende tatsächliche Verurteilung.
Ja, ich glaube denen (Graser, Strasser, Hochegger, Meischberger, Mensdorf-Pouilly et al.) kein Wort. Und witzig finde ich das Alles schon lange nicht mehr.

Aber gehoert

solch ein Posting und die dazugehoerige Kolumne nicht eher in die Kronen Zeitung? Ich, mit Verlaub, denke schon.

Diese Kolumne ist ein Teil der Krone, wenn manes auf's Wesentliche herunterbricht.

Aber die

(die Krone) hat wenigstens eine attraktive Seite 5. Wo ist der Bonus des Standard?!

die haben ein Steak vom Milchlamm als Gutzi!

Sag ich ja. ;-)

Ich stimme Ihnen vollkommen zu.

Bloss ist mir das in diesem Forum nicht erlaubt ;-)

Nona werden S' mir nicht zustimmen... ;-)

Verdauungsvorgang eines Phrasenwiederkäuers:

Erst heraufwürgen, dann herunterbrechen...!

.

vomit

down...!

.

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