Herunterbrechen

  • Leistungsträger und Meister im "Herunterbrechen": Walter Meischberger.
    foto: reuters/lisi niesner

    Leistungsträger und Meister im "Herunterbrechen": Walter Meischberger.

Ehre, wem Ehre gebührt: Eine großartige Leistung von Walter Meischberger

Walter Meischberger, der Lieblingsleistungsträger der Nation, ist in der vergangenen Woche vor dem U-Ausschuss gestanden oder, korrekter, gesessen. Wenn Meischberger einmal auspackt, dann tut er dies gemeinhin nicht auf Deutsch, sondern in einem diffusen Management-Slang, den man auch von den anderen Buberln gut kennt. Mit ihrem auskennerischen Vokabular wollen die durch den FPÖ-Polit-Kanal nach oben gespülten Herrschaften offenbar signalisieren, dass man auch ohne große wirtschaftliche Ausbildung oder sauer erworbene ökonomische Kenntnisse ein Superchecker und Eins-A-Durchblicker gewesen ist und auch weiterhin sein wird. Hier Meischberger im O-Ton: "Ich habe für Hochegger viel geleistet, habe Analysen der Ist-Wahrnehmung gemacht, Best Practice auf der ganzen Welt beobachtet und für Österreich heruntergebrochen, habe als guter Kenner der politischen Landschaft politische Argumente ausgearbeitet, strategische Ableitungen gemacht." Na, und das soll keine Leistung sein?

Als eines von vielen dubiosen Wortexemplaren möchte ich aus diesem sinnarmen Kuddelmuddel das Verbum "herunterbrechen" herausgreifen. Die Vorstellung, Meischberger beim Herunterbrechen beobachten zu müssen, hat per se etwas Apokalyptisches. Was ist das Resultat eines solchen Herunterbrechens? Ein paar Kotzbrocken auf dem Boden? Nein, so dürfte es nicht gemeint sein. Eher möchte Meischberger wohl mitteilen, dass er uns Österreicher für zu blöde hält, die Ergebnisse seiner globalen Best-Practice-Beobachtung in unbearbeiteter Form zu verstehen, weswegen er sie den lokalen Gegebenheiten anpassen, eben "herunterbrechen" muss. Ich für meinen Teil fände es interessant, wenn Meischberger auch einmal Best-Practice-Studien in Stein oder im Wiener Landl machen würde und dann für die Allgemeinheit herunterbräche, welche Ist-Wahrnehmungen ihm dort untergekommen sind.

Im Geschäftsleben ist die Vokabel "Herunterbrechen", im Sinne von "etwas allgemein Gefasstes auf einen konkreten Fall anwenden, übertragen" (Duden Online) seit etwa Mitte der 1990er Jahre schwer im Schwange. Hier einige Beispiele aus dem Internetz: "So können wir globale Trends auf die lokale Ebene herunterbrechen"; "Wir können unsere Anwendungen nicht auf Features herunterbrechen"; "Dieses Herunterbrechen der Top-BSC wird auch als Roll-out bezeichnet. Die konkrete Ausgestaltung eines solchen Herunterbrechens ist mit der Beschaffenheit des Unternehmens verbunden"; "Dieses hierarchische Herunterbrechen von Zielen findet seinen Niederschlag häufig in einer strategischen und operativen Planung, die der strategiekonformen Steuerung der Ressourcen dient." Sehr professionelle Anmutung! Ich hoffe, dass diese Prachtsätze die p.t. Leserschaft zum ergiebigen Nachdenken über das Herunterbrechen im Allgemeinen und das Meinschbergerische Herunterbrechen im Besonderen anregen werden.

Von Christoph Winder
Winders Wörterbuch zur Gegenwart ist ein Work in Progress.
Zweckdienliche Hinweise auf bemerkens- und erörternswerte Wörter sind erbeten an christoph.winder@derStandard.at.

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