Wie man aus Politikern ehrliche Menschen macht

Kommentar der anderen
26. März 2012, 19:09
  • "Wer wäre schließlich besser geeignet, ein Volk von Geigern und Tänzern Mores zu lehren als ein Tanzlehrer?" - Thomas Schäfer-Elmayer, künftiger Vorsitzender eines Moralsenats?
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    "Wer wäre schließlich besser geeignet, ein Volk von Geigern und Tänzern Mores zu lehren als ein Tanzlehrer?" - Thomas Schäfer-Elmayer, künftiger Vorsitzender eines Moralsenats?

Die Frage nach der Sinnhaftigkeit eines Ehrenkodex für die ÖVP im Spiegel der jüngsten "Im Zentrum"-Debatte über Benimmregeln

Auf dem Weg ins Altersheim freut man sich immer wieder über gute Ratschläge von "Junggebliebenen, die dort schon angekommen sind. Eines dieser Rezepte, die ewige Jugend versprechen und vor allem von alternden Fernsehstars nicht nur angewendet sondern auch bereitwillig weiter gegeben werden, lautet: "Immer neugierig bleiben!"

Das ist natürlich leichter gesagt als getan. Wie soll man seine Neugier entfachen, wenn man den nach den letzten Ereignissen in unserem Land auf nichts mehr neugierig ist?

Eine der Möglichkeiten, die zwar große Disziplin erfordert, ist die konsequente Ansicht von Fernsehdiskussionen. Besonders die Diskussion " Im Zentrum" eröffnet immer wieder neue Perspektiven. Am 25.3. diskutierte man hier über die Sinnhaftigkeit eines Verzweiflungsprojekts des ÖVP- Vorsitzenden und Vizekanzlers Spindelegger, einen "Verhaltenskodex" für Politiker im Allgemeinen und für ÖVP Politiker im Besonderen einzuführen.

Weil aber alle Nicht-ÖVP-Politiker überzeugt davon sind , dass sie nicht verhaltensgestört sind, wird sich so ein Verhaltenskodex nur für ÖVP-Politiker segensreich auswirken.

Die Diskutanten waren sorgfältig ausgewählt und kompetent. Wer sollte besser Auskunft geben können über die Wichtigkeit von Transparenz und Korruptionsbekämpfung als ein internationaler Baulöwe, der vor allem mit russischen Oligarchen dafür sorgt, dass im Baugeschäft alles mit rechten Dingen zugeht. Ein "Werbe-Tycoon" im Nadelstreif sprach sich für den "Kodex" und gegen radikale Gesetze aus. Wahrscheinlich fürchtet er um die vielen Schwarzgeldmillionen, die bei der Wahlwerbung fließen und nicht versteuert werden müssen.

VP-Minister Berlakovits meinte, dass seine Parteifreunde so einen Kodex auf jeden Fall nötig hätten, verweigerte aber ansonsten jede Auskunft über seinen Parteifreund Amon. Aufhorchen ließ indes ein ehemaliger Bundesgeschäftsführer der SPÖ, der in dieser Funktion zu der Meinung kam, Politiker müssen "bessere" Menschen sein.

Endlich spricht einer aus, was wir schon immer geahnt haben. Aber was ist ein besserer Mensch? Diese Frage ist leichter zu beantworten als man glaubt: Ein besserer Mensch ist der, der am öftesten im Fernsehen ist. Das ist doch logisch. Es ist daher verständlich, ,dass jeder Politiker ein besserer Mensch werden will.

Wichtiger als jeder Verhaltenskodex ist daher der Einfluss der Politik auf das Fernsehen. Darüber, glaube ich, sind wir uns alle einig. Denn wer will schon verhindern, dass Politiker bessere Menschen werden wollen. Und obwohl eine Meinungsforscherin ihr Forschungsergebnis mitteilte, wonach die Leute auf den Unsinn, der hier verzapft wurde, nicht sehr neugierig wären, holte die Redaktion zu einem letzten triumphalen Schlag aus und präsentierte als obersten Sittenrichter einen Mann, der durch unzählige Fernsehsendungen gesalbt wurde: den Tanzlehrer Schäfer-Elmayer.

Richtig! Wer wäre besser geeignet, ein Volk von Geigern und Tänzern Mores zu lehren, als ein Tanzlehrer? Er wäre der ideale Vorsitzende einer Kommission von besseren Menschen, die eine neue Rangordnung der Werte festlegen sollte. Als Kommissionsmitglieder empfehlen sich viele kluge Köpfe, die wir immer wieder in "Seitenblicke" oder "Chili" sehen. Janine Schiller, Dr. Ainedter, Richard Lugner und Toni Polster wären sicher bereit. Von Dompfarrer Toni Faber ganz zu schweigen.

Ein Moralsenat!

Selbstverständlich wird es nicht von heute auf morgen möglich sein, aus Politikern ehrliche Menschen zu machen, aber ein Beispiel aus Rumänien könnte allen ein Ansporn sein. Mein Freund Herwig Gurtner sel., der in Rumänien aufgewachsen war, weil sein Vater der Vertreter einer großen deutschen Straßenbaufirma war, erzählte mir folgende Geschichte:

Als vor dem Krieg eine Straße von Bukarest nach Gallatz gebaut werden sollte, bemühte sich Gurtner, diesen Auftrag zu bekommen. Die Mutterfirma in Deutschland ließ ihn wissen, dass er dafür dem Bautenminister rund eine Million Dollar geben müsse. Gurtner sel. traf also den Minister zu einem Vieraugengespräch, lobte die Vorteile seiner Baufirma und meinte am Schluss: "Selbstverständlich wissen wir um Ihre karitativen Aktivitäten und ich möchte Ihnen, selbstverständlich unter äußerster Diskretion und Geheimhaltung, eine Million Dollar zukommen lassen."

Der rumänische Minister lächelte freundlich und sagte in fließendem Deutsch : "Wissen Sie was Geben Sie mir zwei Millionen - und erzählen Sie es allen." Hand aufs Herz , diese Art von Transparenz müsste doch auch bei uns möglich sein. (Thaddäus Podgorski, DER STANDARD, 27.3.2012)

Autor

Thaddäus Podgorski, geboren 1935, Autor und Regisseur, war von 1986 bis 1990 ORF-Generalintendant.

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Vielleicht sollte sich der Podgorski im Profil mit dem Nikowitz abwechseln, wenn der mal einen schlechten Tag hat.

danke, teddy podgorski

bleiben sie uns noch lange so erhalten

Ueberschrift

Dies ist eine rein rethorische Frage...

Wie man aus Politikern ehrliche Menschen macht?

Das ist einfach. Es geht genauso wie:
- man aus Blei Gold macht
- man aus Fischen Vögel macht
- man aus USAmerikanischen Präsidenten Friedensnobelpreisträger macht
- man Staatsverschuldung durch noch mehr Staatsverschuldung bekämpft
- ...

Kamel durch ein Nadelöhr

Da is wieder dieser bieblische Spruch anwendbar! Eher gehr ein Kamel durch ein Nadelöhr als ein Politiker wird ehrlich.
Es braucht schon ein Jahrtausendtalsnt wie Alexander der Grosse der diesen gordischen Knoten löst.

Der Ungustl ...

... Alexander hat mit der Zerschlagung des Knotens
die Denkmöglichkeiten ganzer Generationen zerstört. Das Schwert war mit hoher Wahrscheinlichkeit aus dem germanischer Produktion.

Warum denn Germanen?

Im 4. Jahrhundert vor Christus waren keltische Gruppen am Balkan unterwegs, das Schwert könnte also auch gut keltischer Herkunft gewesen sein.

Tun´s nicht so obergescheit,

wenn sie nicht einmal Bibel richtig schreiben können.

Halten sie ihren Satz für deutsch?

....

"Wie man aus Politikern ehrliche Menschen macht"

für jedes mal schei*e baun, 100 stockhiebe auf die nackten fußsohlen ...

Ihr Wort mit Sternchen *

Was genau fällt unter Ihre Begriffsdefinition mit Sternchen? Politiker rekrutieren sich aus der [ganz gewöhnlichen] Bevölkerung ... was wiederum ein bezeichnendes Licht auf Letztere wirft; aber das nur nebenbei.

interessante deffinition

von ganz gewöhnlicher bevölkerung ^^

Köstlich!

Ein Lachen in lachloser Zeit und der Tag ist gerettet.

"... Und obwohl eine Meinungsforscherin ihr Forschungsergebnis mitteilte, wonach die Leute auf den Unsinn, der hier verzapft wurde, nicht sehr neugierig wären, holte die Redaktion zu einem letzten triumphalen Schlag aus ..."

Zum Einrahmen.

Gesch. Standard-Redaktion !

Ich ersuche, ach was, ich fordere: Engagiert den Herrn P. für eine regelmäßige Montagskolumne über das genannte ORF-Format.
Sollte die Sendung mal ausfallen, müsste P. halt eine Rezension über den Club 2 schreiben (da fiele ihm sicher auch manches dazu ein).
Merci vielmal !

Ja, genau. Und lasst den Lendvai weg, denn der nervt.
Hat in 50 Jahren noch nicht deutsch gelernt.

Vieln Dank für diesen Kommentar,

denn das Niveau der Diskussion von "Im Zentrum" war letzten Sonntag - wie schon öfter - wieder einmal erbärmlich. Das Format ist zu einer Art politischer Barbara-Karlich Show verkommen, deren Verlauf bzw. Tendenz, gesteuert durch die Auswahl der Diskutanten, die platte Moderation und die banalen Allerweltsfilmchen, die den schal schmeckenden Brei dramaturgisch würzen sollen, von vornherein feststeht. 95% der Statements: oberflächlich und platt. Nicht einmal heisse Luft, nur lauwarme.

Letzten Sonntag Andreas Khol: wie unerträglich.

Jedesmal bleibt bei mir nach dieser Sendung nur ein Gefühl der Resignation.

Ein Hauptproblem ist, dass wir de facto kein gebundenes Mandat haben ...

und sich Politiker der Partei und nicht dem Wähler seines Wahlkreises verantwortlich fühlt. (Letzerer wählt ihn, aufstellen tut ihn aber - leider - die Partei). Und die Partei wie auch manche Politiker können Geld (aus welcher Quelle auch) immer gut gebrauchen (pecunia non olet). Und weil wir keine restriktive Parteienfinanzierungs- und Antikorruptionsgesetzgebung haben, gehts eben hierzulande drunter und drüber. Auf der Strecke bleiben Bürger und Demokratie.

BlaBla,

wir brauchen ein striktes Parteiengesetz und keinen wabbeligen Verhaltenskodex - Sühne und Strafe!

Der "Durchschnittsösterreicher"...

..der selbst am Sonntag die Zeitung klaut, bei der eigenen Steuererklärung sehr kreativ sind, Schwarzarbeiter beschäftigt und/oder selber einer sind, Zigaretten schmuggelt, sich vor Alimentationszahlungen drückt, schwarz mit der U-Bahn fährt, im Straßenverkehr drängelt,......

DER entdeckt plötzlich dass es Politiker gibt die es mit der Moral nicht so genau nehmen. Oh Wunder!

als einer der durchschnittsösterreicher darf ich ihnen für mich antworten:

ich klaue sonntags keine zeitungen, weil sie mich a) nicht interessieren; bei meiner steuererklärung kann ich tricksen was ich möchte, als angestellter kann ich ganz wenige kosten absetzen, manches überhaupt nicht (doppelte haushaltsführung z.b.); als nichtraucher sind mir tschicks sowas von wurscht; ich entweder gehe, mit auto, motorrad, rad oder mit fahrschein unterwegs bin; und ja, ich gbe es zu, ich halte mich nicht immer an die verkehrsregeln und ich begehe die eine oder andere VERWALTUNGSÜBERTRETUNG! Korruption und Bestechlichkeit in diesem masse wie wir es heute erleben ist eine STRAFTAT. und das, lieber gemeinderat, sollte man sehr deutlich unterscheiden! ich bin nicht innerhalb weniger jahre erhlicher arbeit zum millionär geworden!

wie Sie geschrieben haben

"... darf ich Ihnen für mich ...", genau, das ists, Sie sprechen für sich. Der "Durchschnittsösterreicher", das unbekannte Wesen ...
# Anteil Rauchender (ab 16): Frauen (19,4%), Männer (27,5%),
# "Sonntagszeitungsklauer" erhebt die Statistik Austria nicht; dass das Phänomen aber nicht klein sein dürfte, darauf weist schon der Terminus "Volkssport Zeitungsdiebstahl" hin (ja, den gibts),
# Schwarzarbeit (Bau, Pflege, etc.) ist auch kein Randphänomen,
# in Zeiten "offener" Grenzen dürfte sich der Zigarettenschmuggel doch reduziert haben,
# ... ... ...
ergo: Sie sind halt "kein Durchschnittsösterreicher". Die "Ehrlichkeit" der Durchschnittsösterreicher im kleinen Rahmen pflanzt sich bei Politiker fort ... im deutlich größeren Rahmen.

Da ist schon noch ein "kleiner, feiner" Unterschied.
1. Geht es dabei um andere (Schadens-)Summen und wenn es die sogenannten Vorbilder mit der Moral nicht so ernst nehmen und unsere Steuergelder einstreifen und verschleudern, wieso soll es dann der von Ihnen sogenannte "Durchschnittsbürger" so ernst nehmen?

du sagst es doch selbst

was das volk im kleinen tut, tun die politiker om grossen. sie sind nur ein abbild von uns selbst, dadurch dass sie mehr machtbefugnis haben, können sie auch mehr schaden anrichten. aber im grunde ist es das selbe.

Naja, ein Unrecht macht ja ein zweites nicht Recht. Und außerdem ist der kumulierte Effekt dessen, was bei uns so alles in Schwarz abläuft sicher auch nicht zu vernachlässigen (hustBauwirtschafthust)

Womit ich natürlich keineswegs Politikerkorruption verteidigen will, aber wir sollten uns schon auch selbst an der Nase nehmen!

Ja, bitte, und wie oft wird im Fernsehen darauf hingewiesen, dass die Österreicher ihre Steuervorteile nicht beheben? Weil sie zu bequem sind, eine Erklärung auszufüllen?

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