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Wien - Erlösender Jubel brandet los, als die beiden Initialen M und H auf der Bühne endlich leuchtend und blinkend den Mann der Stunde ankündigen. Es ist Sonntagabend in der vollen Wiener Arena, als der US-amerikanische Sänger Mayer Hawthorne auftritt und in den kommenden eineinhalb Stunden die zeitgenössische Spielart afroamerikanischer Gefühlsmusik zelebriert, besser bekannt als Soul.
Hawthorne, bekannt für seinen extravaganten Stil, macht auch in Wien keine Ausnahme, wenn er mit feuerrotem Anzug, weißem Hemd und dem obligatorischen schwarzen Mascherl erscheint. Die ebenfalls knallroten Pullover seiner vierköpfigen Band The County komplettieren das Bild einer High-School-Band und sollen gleich zu Beginn klarstellen, dass es sich hier um kein Konzert, sondern eine Show handelt. Stampfender Uptempo-Soul à la Motown (Hooked) wechselt sich mit schmalzigen Kuschelnummern (Green Eyed Love) ab, bei der selbst große Jungs zu schmusenden Tigern werden.
Doch der 1979 in der Nähe von Detroit geborene Andrew Mayer Cohen hastet zu schnell durch die Trackliste von A Strange Arrangement (2009) und seinem zweiten, deutlich poppigerem Longplayer How Do You Do (2011). Zwischen den Songs bleibt kaum Raum für Improvisation, Mayer spielt lieber die Rampensau, den selbstverliebten Kasperl, wenn er zur "Picture Time" aufruft. Während das Weißbrot mit der Geek-Brille posiert, zücken Hunderte ihr Smartphone zum Erinnerungsbild - Milchbubi mit Schwiegersohnpotenzial?
Die Show beherrscht er zweifelsfrei, auch wenn es gewiss talentiertere Interpreten des schwarzen Genres gibt. Es fehlt ihm noch die Inbrunst, mit der Curtis Mayfield seine Falsettstimme anschlug, oder der Tiefgang eines Neo-Soulbruders wie Raphael Saadiq.
Die Drums krachen, die Licks schnalzen. The County deckt Hawthorne musikalisch den Rücken - auch in gesanglicher Hinsicht, wie Gitarrist und Bassist beweisen. Schade nur, dass die Bläser aus dem Synthesizer blechern, statt live zu spielen.
Spätestens sein Radiohit A Long Time, eine Hommage an Detroit, ließ dann die letzten Hüften mitwippen. Die Halle tobt, Hawthorne greift auch selbst zur Gitarre oder entlockt einer Melodika galaktische Töne. Dann kündigt er No Strings an: "This is not a love song, this song is strictly about sex". Tja, im Soul dreht sich nun mal vieles um den Austausch von Körperflüssigkeiten. Apropos flüssig: Zum Abschluss spendierte Hawthorne Whiskey. (Michael Ortner, DER STANDARD, 27.3.2012)
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