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Ob es etwas mit der Nationalität zu tun hat, mit unternehmerischer Weitsicht oder einfach mit Charakter - schon mit seiner ersten größeren Aktion als neuer "News"-Chef ist der Deutsche Axel Bogocz in Österreich sozial auffällig geworden: Er hat - "Standard"Leserinnen und Leser wissen es - die unter seinem Vorgänger gepflegte Fälschung von Auflagenzahlen nach oben öffentlich eingestanden und korrigiert. Das Aufsehen in der Branche war groß, aber keineswegs so ungeteilt, wie es ein solches Ausmaß an Ehrlichkeit hätte erwarten lassen. Es war der Chef des Branchenblattes "Extradienst", Christian W. Mucha, der Bogocz unter dem Titel Bad News die Maske des verlegerischen Biedermannes mit überzeugenden Argumenten vom Gesicht riss: Hätte er den österreichischen Weg gewählt, dann wäre die Causa viel runder gelaufen. Der wäre gewesen: taktieren, verzögern, verschleiern, sachte in Ordnung bringen. Es hätte jeder österreichische Manager, wie ich meine, eines genutzt: den Zeitpolster, um die Dinge elegant, ruhig und leise in Ordnung zu bringen. Nicht so Bogocz. Einer wie der nimmt den Vorschlaghammer, schlägt drauf und zieht das sofort durch. Bogocz glaubt, mit dieser Vorgangsweise als der große, strahlende Siegfried mit dem Schwert der Gerechtigkeit dazustehen, dem alle Sympathien und Liebesbekundungen zufliegen.
Nicht bei Mucha. So leicht lässt sich der das Schwert der Gerechtigkeit von einem aus Mülheim Dahergelaufenen nicht entwinden. Er stieß sich an der Nonchalance, mit der der Neo-Steuermann die Dinge heruntergespielt hat, und machte sich zum Sprecher der Branche, indem er deren Wut und Proteste artikulierte, weil Bogocz sich rundweg weigerte, die Methodik, wie beschissen wurde, bekanntzugeben. Und dabei ist es eben das, was manchen interessiert. Bogoczs Begründung, er wolle keine Anleitung für Nachahmer liefern, weckt in Mucha den strahlenden Siegfried, der ausnahmsweise eine Intrige mühelos durchschaut: Damit impliziert er naturgemäß, dass es Usus(!) in unserer Branche ist, zu bescheißen, wenn man nur über das notwendige Handwerkszeug verfügt, sei es der Vorschlaghammer oder das Schwert der Gerechtigkeit. Und selbst wenn es nicht am notwendigen Handwerkszeug fehlen sollte: Bogocz hat wohl viel zu wenig darüber nachgedacht, welch irrwitzigen Schaden er Print mit der Art und dem Timing seines Vorgehens generell antun kann.
Nicht nur generell. In seinem Wunsch, sauber dazustehen, war es Bogocz völlig powidl, inwiefern seine rigide Vorgangsweise einen Schaden für die Printmedienbranche auslöst. Denn der Zeitpunkt, an dem Bogocz an die Öffentlichkeit ging, war der denkbar ungünstigste im Jahr. Da waren nämlich 80% der Jahresbudgets noch nicht entschieden. Ehrlichkeit, ehe 80% Prozent der Jahresbudgets entschieden sind, erscheint in der Tat etwas powidlhaft: Der Schaden, der dadurch der heimischen Printmedienszene entstanden ist, kann (noch) gar nicht abgeschätzt werden.
Der Schaden für Muchas "Extradienst" schon. Vier Tage vor Druck der vorliegenden ED-Ausgabe hat die News Verlagsgruppe ohne Angabe von Gründen alle vier beauftragten Anzeigenseiten in diesem Heft storniert. Und nicht nur das. Postwendend nach diesem Vorgang haben wir in einem weiteren Mail ein Storno der Gesamt-Jahresvereinbarung erhalten. Was deutlich macht, welch segensreiche Folgen, ein Wunsch, sauber dazustehen, haben kann, selbst wenn er zur falschen Zeit geäußert wird: Sie sehen daher in diesem Heft vier weiße Seiten - eine Wohltat im Vergleich zu den zwei eng mit Muchas Editorial bedruckten.
Wie das Editorial ausgefallen wäre, hätte die News-Verlagsgruppe nicht storniert, soll hier nicht erwogen werden. Es gilt vielmehr Muchas selbstlose Bereitschaft zu würdigen, mit der er das der Branche von Bogocz auferlegte Kreuz stellvertretend schultert. Schließlich würdigt er sich auch selber. Ich werde mich, so lange ich atmen kann, von niemandem daran hindern lassen, meine ehrliche, wohlüberlegte Überzeugung zu vertreten.
Wenn ihm nur die Luft nicht ausgeht! Ich verurteile jedwede Form der Malversation in unserem Geschäft. Wir müssen unseren Kunden Transparenz bieten. Ein " falsches Gewicht" wirkt fatal. Demzufolge ist der einzige Weg aus einer derartigen Situation das Saubermachen. Aber ohne Powidl! (Be)reinigen kann man freilich auch lautlos, ohne Wichtigtuerei. Und vor allem: ohne gleich eine Jahres-Gesamtvereinbarung zu stornieren. (Günter Traxler, DER STANDARD, 27.3.2012)
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