Im Dienste Ihrer Majestät, im Dienste des Bankkunden

26. März 2012, 17:06
  • Uraufführung von "Getränk Hoffnung": Die Bankangestellte (Alexandra 
Henkel) trinkt dem Kunden (Dietmar König) gleich zu Beginn des 
Beratergesprächs etwas vor. 
    foto: david lindemann

    Uraufführung von "Getränk Hoffnung": Die Bankangestellte (Alexandra Henkel) trinkt dem Kunden (Dietmar König) gleich zu Beginn des Beratergesprächs etwas vor. 

Burg-Vestibül: David Lindemann hat in seinem Stück "Getränk Hoffnung" das Verhältnis Bank/Kunde unter die Lupe genommen

Wien - Ein Stück zur Stunde - und doch wieder nicht: Die Sorgenfalten heutiger Erwerbstätiger, deren Einkommen auf unklare Versprechungen hin im Schlund einer Bank landen, vertiefen sich zusehends. Kauf dir heute Fondsanleihen, damit du es in dreißig Jahren besser hast? Wer weiß. Der junge deutsche Autor David Lindemann (geboren 1977) hat in seinem Stück Getränk Hoffnung das Verhältnis Bank/Kunde unter die Lupe genommen. Nun im Vestibül des Burgtheaters uraufgeführt, dreht das Stück die vertrauensbildenden Maßnahmen heutiger Geldinstitute ins Groteske.

Zum Beispiel findet das Beratergespräch nicht in, sondern auf einer Bank statt, wo die Bankberaterin (Alexandra Henkel mit Korkenzieherlocken) allfällige Anspannungen mit einem kühlen Bier vertreiben hilft. Die Sonne scheint, und so zieht sie sich aus und gönnt auch ihrem Kunden eine ordentliche Portion Sonnencreme. Eine gespenstische Dimension erhält diese außerordentliche Fürsorglichkeit, als bekannt wird, dass die Bank auch das Auto des Kunden (Dietmar König mit Dauerwelle) zum Service gebracht und sogar dessen Kinder vom Kindergarten abgeholt hat. Michael Schachermaiers Inszenierung streicht die absurden Handlungsmanöver hervor. Und hier ist es nun an der Zeit zu verraten, dass besagter Kunde den Nachnamen Bond trägt und auch im Dienste Ihrer Majestät (des eigentlichen Kunden) unterwegs ist. Gleich zu Beginn des Stücks bekommt er ein neues Dienstfahrzeug ausgehändigt. In seinem Kampf als Versuchsobjekt für das Vertrauen geht mindestens ein Zahn zu Bruch.

Noch mehr: Das verschachtelte Stück, von dem Schachermaier auf Hinweis des Autors den Epilog gekürzt hat ("Wenn man optimistisch genug ist, kann man hier aufhören"), verliert zunehmend den Boden unter den Füßen. Immer abstruser werden die Schauplätze, vertrackter die Gespräche zwischen den Bankern (Marcus Kiepe als Analyst) und Herrn Bond. Die vielen Ideen, die das Stück bündeln will, fallen ihm schließlich auseinander. (Margarete Affenzeller, DER STANDARD, 27.3.2012)

Bis 4. 4.

Ein Freund hat mich unlängst darauf aufmerksam gemacht dass Banken eigentlich geschützte Werkstätten sind - seither ist mir einiges klar geworden.

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