Banken bricht Milliardengeschäft weg

26. März 2012, 17:01

Experten rechnen wegen der neuen Regeln mit 35 bis 40 Prozent weniger Banken-Einnahmen aus Geschäften mit Derivaten

Wien - Internationalen Banken drohen als Folge neuer EU-Regeln herbe Einbußen in einem ihrer ertragreichsten Geschäfte. Die Europäische Union plant eine strenge Regulierung der Derivatemärkte, was die Institute nach Einschätzung von Experten teuer zu stehen kommt. "Durch die neuen Vorschriften werden die Banken voraussichtlich 35 bis 40 Prozent weniger am Handel mit standardisierten außerbörslichen Derivaten verdienen", sagte Daniel Kapffer, Berater für Banken bei Accenture, in der "Financial Times Deutschland".

Derivate sind Kontrakte, mit denen sich die Vertragspartner der Banken - etwa Unternehmen - gegen Zins-, Kredit- oder Währungsrisiken absichern. Die Institute handeln diese Finanzinstrumente untereinander - bisher in einem weitgehend unregulierten Markt. Weil die Banken so viel Freiheiten in der Preisgestaltung haben und beim Handel bisher keine Gebühren an Dritte zahlen müssen, sind Derivate so lukrativ für die Finanzbranche.

Nach Schätzungen der Citigroup erreichen die Einnahmen aus dem außerbörslichen Derivatehandel global jährlich rund 55 Mrd. Dollar (41,4 Mrd. Euro) - das ist rund ein Drittel der Bankerträge insgesamt. Der gesamte Markt für Derivate umfasste zuletzt weltweit rund 708.000 Mrd. Dollar (533.000 Mrd. Euro). Nach einem Einbruch zum Höhepunkt der Finanzkrise war er in den vergangenen Jahren wieder deutlich gewachsen.

Abwicklung über zentrale Stelle

Die EU will die Institute zwingen, ihre Standardderivate künftig über eine zentrale Stelle abzuwickeln. Beim Handel mit den Papieren müssen den Plänen zufolge ab 2013 Börsen oder börsenähnliche Plattformen eingeschaltet sein. Direkt könnten die Banken untereinander nicht mehr mit diesen Derivaten handeln. Die entsprechende Verordnung, die European Market Infrastructure Regulation (EMIR), soll am Donnerstag im EU-Parlament verabschiedet werden.

Die strikten neuen Vorgaben sind Teil einer Regulierungswelle als Konsequenz aus der Finanzkrise. 2008 war der US-Versicherer AIG nach riskanten Derivatewetten fast kollabiert, was das gesamte Finanzsystem ins Wanken brachte. Ähnliche Fälle sollen die EU-Regeln verhindern. Wegen vielerlei neuer Vorschriften sind die Institute derzeit gezwungen, ihre Geschäftsmodelle neu auszurichten. So verlangt das internationale Reformpaket Basel III, dass sie mehr Eigenkapital vorhalten und größere Liquiditätspuffer aufbauen. Folge für die Banken ist, dass sie sich neue Erlösquellen suchen oder ihre Bilanz schrumpfen müssen.

Mit den neuen EU-Vorschriften müssen Börsenbetreiber wie die Intercontinental Exchange (ICE) und die Deutsche Börse künftig überwachen, dass der Käufer bei einem Derivategeschäft zahlt und der Verkäufer liefert. Einbußen für die Banken entstehen dadurch, dass sie Börsengebühren zahlen und Sicherheiten hinterlegen müssen. Allein rund 80 Mio. Euro kostet laut Berater Kapffer die technische Anbindung von Handel und Abwicklung.

Anders als Standardprodukte - die den Großteil des außerbörslichen Marktes ausmachen - sollen Banken komplexere Derivate auch weiterhin untereinander handeln dürfen. Das könnte Banken dazu verführen, Schlupflöcher zu nutzen: "Investmentbanken könnten durch die neuen Vorschriften in weniger standardisierte Produkte getrieben werden", sagte Kapffer. "Dem muss mit deutlich höheren Eigenkapitalanforderungen für nicht zentral abgewickelte Derivate entgegengewirkt werden." Dies sei aber bisher nicht geplant. (APA, 26.3.2012)

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bei derivaten gewinnen die einen das,

was die anderen verlieren (aehnlich wie beim lotto). also wenn die banken jetzt weniger verdienen, muss auch jemand weniger verlieren (die kunden?)!

Gut so! - für sowas braucht man die EU

endlich passiert einmal was

Soll man darüber jetzt traurig sein, oder sich darüber freuen

...

Jetzt wird wieder alles reguliert, und dann werden die Banken gerettet...

Die sollen mit Derviaten handeln soviel sie wollen, wenn sie Pleite gehen soll dafür kein Staat einspringen!

Es ist immer wieder lustig zu lesen...

...dass nur dadurch dass etwas kontrolliert wird autom. Milliarden verloren gehen. Derivate werden ja nicht verboten - nur soll das Geschäft kontrolliert werden in Zukunft. Da sieht man wie lupenrein Geschäfte sein müssdn wenn bloss durch Kontrolle plötzlich Milliardeneinbußen passieren! Verrückt.

Na endlich ist Banken nicht mehr jeder Blödsinn erlaubt

wird ja auch Zeit. Die Regulierungen gehen aber noch keineswegs weit genug. Und eine Finanztransaktionssteuer für die anderen Investmentunternehmen tut auch not! (Auch wenn es die derzeit anscheinend wider besseres Wissen nicht geben wird.)

Die Macht der Banken ist mir schon lange ein Dorn im Auge. Die Banken springen mit unserem Geld herum wie es ihnen passt. Das ist ein seltsames System in dem wir leben.
Banken sollen wieder das sein als was sie ursprünglich gedacht waren. Sie sollen unser Geld verwalten.

sie sollen unser Geld verwalten...

Sie meinen dasselbe Geld, dass wir uns von ihnen geliehen haben und sicher nie werden zurückzahlen können?

....nicht spekulieren....

Teilweise wissen wir nicht für was unser Erspartes verwendet wird. Oft investieren sie in Atomprogramme, Kriege , Lebensmittelspekulationen uvm.
Oh Danke liebe Bank dass du mir einen Kredit gibts und verherrende Zinsen dafür verlangst. Wenn ich dir liebe Bank mein Geld leihe, bekomme ich selbstverständlich auch die gleichen Zinskonditionen die du von mir verlangst.
Es tut mir leid ich finde kein Mitleid für die Banken, die einfach schon zu viel Macht in unserer Demokratie haben.

kommt in meine tröstenden Arme, ihr armen Bankster ihr, ihr tut mir ja soooooo leid.

uiui,

müssen wir 2014, 2015, 2016 wieder in paar banken retten???

oder ist das hier beschriebene doch nur heiße luft und die bankster können weiterzocken wie bisher: alle gewinne an sie, alle verluste an uns???

Nur solche Banken, die niemand braucht

Banken im traditionellen Geschäft - Zahlungsverkehr, Einlagen, Kredite, Wertpapiere über die Börse und ähnliches - werden wegen dieser neuen EU-Regel keine Verluste schreiben. - Das Derivatgeschäft hätte schon vor 15 Jahren geregelt werden müssen. Nur waren halt die Politiker schon damals gekauft, bzw. saßen in den Aufsichtsräten der Banken und Kontrollbehörden.

das an der wallstreet entwickelte

und mit viel geld den politikern schmackhaft gemachte argument lautete: "ein freier markt regelt all das von gaaaaanz allein!"

"...Banken drohen...", "Die Europäische Union plant...", "...werden die Banken voraussichtlich...", "Die EU will die Institute zwingen..."

Also, ich glaub das Blabla erst dann, wenn es umgesetzt ist. Da rinnt noch viel Wasser die Themse runter, bevor da was passiert. Und auch wenn es die EU morgen beschließen sollte [!], vor 2016 wird da garnichts umgesetzt. Aber bis dahin stehen wir eh schon längst wieder im Dreck.

Richtig!

.. wenn ich eh für die Kuhscheisse jedes Mal gerade stehen muss, weil der Farmer vermutlich grenzdebil ist, dann sollte ich den Kuhstall auch leiten!

wahrscheinlich

wird der volkswirtschaftliche nutzen einer derartigen regulierung den verlust der banken bei weitem übersteigen.

oder glaubt irgendjemand, die böse eu will die eigene wirtschaft schwächen?

Was ist der „volkswirtschaftliche Nutzen“ denn anderes

als das Gedeihen der Wirtschaft?

Daß Unternehmen und Banken Gewinne machen, ist doch das Ziel JEDER Regierungsmaßnahme.

Wenn wirklich den Banken was weggenommen wird, so deshalb, damit DER STAAT SICH SELBST FINANZIERT.

Zu glauben, davon hätten dann seine Bürger was, ist eher blauäugig – angesichts dessen, wie die staatlichen Gelder heute eingesetzt werden – was man ja den Medien täglich entnehmen kann.

Der Wirtschaft geht es schlecht, wenn ...

... an jeder Ecke eine Bank steht.

So habe ich vor langer Zeit einmal gehört.

Denn in den Geschäftslokalen unserer Städte brauchen wir nicht viele Banken sondern:

Gasthäuser, Fleischhauer, Friseure, Blumengeschäfte, Gemüse- und Feinkostläden, Fachgeschäfte, Fachbetriebe, ...

Ist das alles nun in den "Super"märkten zwischen den Bankfilialen verschwunden?

Jede Blase platzt irgendwann

Die Frage ist nur,

bei wem dann der Dreck kleben bleibt.

und wieder eine Ansage

Sollte mal endlich was durchgreifen von den Ansagen…
Was sind einmalig 80 Mio. Investitionen gegenüber weltweit jährlich rund 708.000 Mrd. Dollar (533.000 Mrd. Euro)?

nun, ich denke, dies dürfte leider keinen Einfluß auf die Boni der Manager haben, oder?

Wo ist das Problem ?

Die Qualitätszeitung HEUTE ( Seite 6 ) berichtet heute, dass im Fall von Banken-Pleiten die Steuerzahler mit 59 Milliarden haften. So what ?. Lol.

Sind das jene Gewinne, die dann wertberichtigt werden müssen, um danach die Bank mit Steuergeld zu retten?

danke eu

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