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Wien - Wie Zukunft des Journalismus liegt darin, die Geschichten über alle Plattformen - von der gedruckten Zeitung über die Website bis hin zum Smart-Phone und dem Tablet - hinweg zu berichten. Das war eine zentrale Erkenntnis der Konferenz "Publishing for the 2020s" des Verbandes Österreichischer Zeitungen (VÖZ) am Montag in Wien. Eugen A. Russ, CEO des Vorarlberger Medienhauses, will Tablets und Smart-Phones als Verbündete sehen. Wichtig am Tablet: Der "faule, gelangweilte" Finger ist zu verhindern, erklärte dabei der renommierte Zeitungsdesigner Mario Garcia.
"Tablets und Smart-Phones können unsere Verbündeten sein", und die vorhandenen Abo-Beziehungen der Verlage bilden die Basis, erklärte Russ zur Begrüßung. "Diese direkte Kundenbeziehung zu unseren Lesern dürfen wir nicht kampflos aufgeben." Er plädierte für faire Rahmenbedingen, denn derzeit würden Internet-Riesen wie Google oder Facebook Millionen-Umsätze für das Ausland lukrieren. Die Inhalte jedoch stammen aus österreichischen Medienhäusern. "Österreich könnte mit gesetzlichen Rahmenbedingen dieses Ungleichgewicht mindern. Indem wir dafür sorgen, dass ein Teil der Wertschöpfung im Land bleibt - und sei es über neue Steuern", so Russ. Mit den gewonnenen Mitteln sollte journalistische Qualität in Österreich gefördert werden.
Laut Garcia geht es nicht darum, ob die Nachricht zuerst digital oder in der Print-Ausgabe erscheint, sondern darum, dass sie über alle Plattformen hinweg publiziert wird. Und dabei gebe es nicht nur das Wort allein zu beachten. In der Redaktionssitzung werden Papier-Zeitungen geplant, niemand denke dabei an den Einsatz von Video oder Audiobeiträgen, so Garcias Erfahrung: "Es ist einfacher, das Gebäude zu verändern mit Newsrooms und Newsmarkets als die Denkweise der Redakteure." Journalisten, die heute angestellt werden, müssen "zehnmal kreativer" sein als noch vor fünf Jahren, zeigte sich Garcia überzeugt.
"Unendliche Möglichkeiten"
Für die Produzenten ermöglichen die Tablet-PCs nahezu unendliche Möglichkeiten, so der Gründer und CEO von Garcia Media: "Dinge aus dem Archiv können wieder auferstehen." Man dürfe jedenfalls nicht nur daran denken, die Zeitung auf das iPad zu bringen. Das Tablet vergleicht Garcia mit einem "Pop-Up-Buch", bei dem etwas passieren muss: "Print ist für die Augen und das Gehirn designt, aber das Tablet auch für den Finger. Der will was tun, nicht nur faul sein. Man möchte etwas berühren und es muss etwas passieren. Ein gelangweilter Finger am Tablet ist tödlich."
Seiner Erfahrung nach sind am Tablet-PC auch lange Texte möglich. Im Gegensatz zum Smart-Phone und zur Website, wo sich die User tagsüber kurze Informationen holen, dienen Zeitung und Tablet dazu, abends - und das ist der Unterschied - gemütlich Geschichten zu lesen. "Das Tablet ist mehr wie ein Buch. Die Leute warten auf den richtigen Zeitpunkt, um es zu lesen. Es ist mehr die Lean-back-Plattform. Leute benutzen es, wenn sie im Relaxed-Modus sind", erklärte Garcia.
Finanzierungsmodelle für Content
Marcus Englert, Partner der Medienberatung Solon Management Consulting, sprach über Finanzierungsmodelle für Content. Um aus dem Kerngeschäft eines Verlages neue Geschäfte zu etablieren, verwies er auf Markenerweiterung, Genre-Erweiterung oder Sektorformat-Erweiterung um crossmediale Inhalte. Bei Apps etwa ortet er Umsätze, die Ausfälle in anderen, traditionellen Bereichen teilweise kompensieren können. "Video ist ein Thema, wo man nicht umhinkommt, sich zu engagieren", meinte er ebenfalls. Video müsse auf allen Endgeräten verfügbar sein, auch auf Smart-Phones, hier allerdings nur als kurzer Teaser.
"Die meist genutzten Apps sind Zeitungen und Zeitschriften. Das ist schon mal eine sehr gute Nachricht", so Englert. "Zwei Drittel aller iPad-Nutzer sind bereit, für digitale Inhalte zu bezahlen. Es ist nicht so, dass man am Tablet eine Unentgeltlich-Mentalität hat, die Bezahlung ist fast eine Selbstverständlichkeit", so Englert. Zu tun habe dies mit der einfachen Bezahlmöglichkeit. Auch würden die User dafür zahlen, mehr Features zu bekommen. Preisnachlässe hingegen lehnt Englert ab. Geht man erst einmal mit dem Preis hinunter, gebe es keine Chance mehr auf eine Steigerung. Auch er plädiert für multimediale Inhalte: "Eine langweilige App funktioniert nicht, der Finger muss sich freuen." Was das Marketing betrifft, empfiehlt Englert virales Marketing auf Social Media-Plattformen. Dies würde immer wichtiger. (APA, 26.3.2012)
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