Nachrichten in aller Kürze
Alles zur Community
Nachrichten, die zu Ihnen kommen: Newsletter, Feeds und SMS
Alles zu unseren mobilen Angeboten: Apps, Mobilversion und SMS
Unsere Radio- und TV-Angebote
Die Zeitung im Internet: Abo, E-Paper, Anzeigen und mehr
Alles über die Redaktion von derStandard.at
Alles über Onlinewerbung, Stellenanzeigen und Immobilieninserate
vergrößern 800x296"Ich liebe Kitsch. Je kitschiger, desto besser. Aber noch mehr Sammeln geht nicht, sonst muss ich ausziehen." Marianne Kohn in Wien-Neubau.
Marianne Kohn leitet die winzige Loos-Bar in der Wiener Innenstadt. Ihre Wohnung ist auch nicht viel größer. Aber sie bietet Platz für viele Teddybären. Wojciech Czaja staunte.
***
"Soviel ich weiß, war das früher eine Werkstatt. Ich wohn im Erdgeschoß im siebenten Bezirk, mitten in der Stadt. Die Wohnung hat so circa 45 Quadratmeter und ist schön dunkel. Ich brauch dieses Höhlenartige, dieses Zurückziehen in die Dunkelheit. Ich liebe den Winter. Ach, ich liebe diesen dunklen, düsteren Winter! Diese schönen hellen Wohnungen halt ich nicht aus. Ich glaub, da würd ich alle Zuständ' kriegen. Wennst um drei in der Nacht schlafen gehst, und um vier scheint dir schon die Sonne ins Gesicht? Na, schrecklich. So ein Loft mit riesigen Fenstern und Blick auf die Stadt? Räumlich ein Wahnsinn. Aber vom Licht her? Was soll's, die Frage stellt sich eh nicht, das kann ich mir sowieso nicht leisten.
Ich wohn hier schon seit 20 Jahren. Ich hab eine Katze, die heißt Bunny, und zwei Hunde namens Alma Mahler-Werfel und Lina Loos. Ja wenn schon, denn schon! Aber eigentlich gibt's noch viel mehr Tiere im Haus. Wenn man alle Teddybären, alle Pezibären und alle Schaukelpferde zusammenzählt, dann werden es wohl so um die 200 sein. Vielleicht auch mehr. Was weiß ich.
Ja, ich hab eine opulente Liebe fürs Sammeln. Ich sammle alles, was mir in den Weg kommt. Je kitschiger, desto besser. Wahrscheinlich hab ich keine g'scheite Kindheit g'habt. Und jetzt muss ich anscheinend alles nachholen. Ich sammle Oldtimer, habe einen alten VW Derby für den Winter und einen Karmann Ghia für den Sommer. Heuer wird er neu lackiert! Dann schaut er noch geiler und noch schneller aus, aber das ist eh wurscht, schnell ist er eh nicht. Hauptsache, schön.
Dorotheum, Ebay und willhaben.at - das ist meins, da bin ich zu Hause! Ich hab jede Menge alte Marienbilder in der Küche. Die meisten leuchten und blinken. Dazwischen liegen überall diese weißen und roten Lichtketten. Und vor den Marienbildern steht meine Badewanne. Früher stand da mein indisches Bett, aber irgendwann hab ich den Installateur angerufen und ihm g'sagt: "Du, besorg mir eine alte, frei stehende Badewanne! So was will ich unbedingt haben!" Das Baden ist echt super.
Außerdem sammle ich alten Weihnachtsschmuck, so zum Beispiel diese alten Dresdner Weihnachtssterne aus lackiertem Karton. Ich sag dir, die kosten ein Vermögen! Aber schön sind sie. Und natürlich hab ich auch einen dazupassenden Baum in der Wohnung. Der ist aus Gänsefedern, das ist schön, und man kann ihn zusammenklappen, und das ist praktisch.
Bei mir ist immer Weihnachten. Ich liebe Weihnachten. Ich meine nicht das Fest, sondern den Kitsch rundherum. Und das ist eigenartig, weil eigentlich bin ich Jüdin.
Noch mehr sammeln kann ich nicht, sonst muss ich ausziehen. Meine alte Wohnung, die war noch viel, viel ärger. Da standen Flipper und Wuzler herum. Aber zum Spielen hätte ich eh nie Zeit, ich bin ja so selten zu Hause. Am Abend bin ich immer in der Loos-Bar, untertags bin ich meistens irgendwo in der Gegend spazieren, und am Wochenende bin ich in meinem Haus auf dem Land auf der Hohen Wand. Ein Wahnsinn: Ich hab ein kleines Haus, eine kleine Wohnung und eine kleine Bar mit 27 Quadratmetern! Bei mir ist echt alles winzig.
Zum Geburtstag hab ich heuer einen großen Kopf aus Pappmaché bekommen. Das ist ein japanischer Mönch, der laut mündlicher Überlieferung angeblich in einer Höhle gelebt und niemals geschlafen hat. So wie ich! Und damit ihm die Augen nicht zufallen, hat er seine Lider irgendwie auf der Stirn festgepickt oder so. Dieser Mönch ist ein Glücksbringer. Wenn man das linke Aug rausnimmt und sich was wünscht, dann geht das meistens in Erfüllung. Bei mir war das Aug immer draußen, weil ich mir immer was wünschen musste. Was ich schon Glück gehabt hab in meinem Leben! Den depperten Krebs hab ich überlebt, und sogar einen Dreier in Lotto hab ich schon g'habt." (DER STANDARD, 24./25.3.2012)
MARIANNE KOHN, geboren 1945 in Wien, war Schulabbrecherin und zog mit 16 Jahren nach Rom, um eine Lehre als Filmcutterin zu machen. Sie schnitt unter anderem einige Fellini- und Pasolini-Filme. Als sie 1970 nach Wien zurückzog, wurde sie Mutter und begann als Kellnerin zu jobben. Von 1983 bis 1987 leitete sie den Wiener Klub U4, danach das Café Europa. Einige Jahre lang organisierte sie Clubbings und Musikevents. Seit 1995 ist sie Geschäftsführerin der Loos-Bar in der Wiener Innenstadt.
Barbara Schlachter, Obfrau des Vereins Famos, lebt mit Lebensgefährtin und Sohn in ihrer umgebauten ehemaligen Studenten-WG
Nicolaus Schafhausen, Direktor der Kunsthalle Wien, hat seine Wohnung im 2. Bezirk gemietet, ohne sie vorher gesehen zu haben
Der Wiener Künstler Lois Weinberger besitzt eine Loftwohnung im siebten Bezirk, sieht darin aber hauptsächlich eine finanzielle Absicherung
Die Malerin Ursula Hübner lebte früher in einer partyfreudigen Künstler-WG in Wien-Mariahilf. Heute wohnt sie hier alleine und findet das mittlerweile herrlich
Martin Kotal, künstlerischer Leiter der Roten Nasen, wohnt auf 56 m² in der Martinstraße, liebt Koffer und hat bei Ikea Hausverbot
Kunstpfeifer Stefan Fleischhacker wohnt im dritten Wiener Bezirk auf 220 Quadratemetern, hätte aber gerne "ein altes Haus in einem Park mit einer Mauer drumherum"
Peter Pakesch, Geschäftsführer und künstlerischer Leiter des Grazer Universalmuseums Joanneum, bewohnt mit seiner Familie ein umgebautes Kellerstöckl
Beate Ermacora, die Direktorin der Galerie im Taxispalais, lebt nach vielen Jahren im Ausland nun wieder in ihrer Heimatstadt Innsbruck
Annette Beaufaÿs, Chefkostümbildnerin an der Wiener Staatsoper, ist viel unterwegs. Ihre Homebase ist eine Mietwohnung im Servitenviertel
Ari Rath hat gerne "zweckmäßige, nicht zu moderne" Möbel. Im zweiten Wiener Bezirk fühlt er sich manchmal "wie auf einem Friedhof"
Erika Pluhar zog vor 45 Jahren als Mieterin in ein Haus in Grinzing. Heute gehört es ihr - und sie will es im Leben nicht mehr hergeben
Modedesignerin Annette Lutz wohnt mit ihrer Familie in einem Wohn- und Atelierhaus hoch über dem Bodensee. Einige Tiere des Waldes sind quasi Mitbewohner
Miguel Herz-Kestranek ist es bewusst, dass er privilegiert wohnt - "aber ich weiß nie, wie lange ich es mir leisten kann", sagt er im Wohngespräch
Florian Kloidt, der erste Probebewohner der Seestadt Aspern, kann sich das zukünftige Stadtviertel noch nicht so richtig vorstellen
Der französische Künstler Sébastien de Ganay lebt mit seiner Familie in einer aufgelassenen Radiostation in Bad Deutsch-Altenburg
Dragqueen Miss Candy alias Holger Thor mag es, "wenn's ein bissl patiniert und abgefuckt ist, wenn die Tapeten Geschichte erzählen"
Für den Wiener Filmemacher und Schauspieler Peter Kern ist Wien "die schlimmste Stadt auf Erden überhaupt"
Der Musiker George Nussbaumer ist von Geburt an blind. Die Dinge in seinem Bregenzerwälder Haus müssen deshalb immer am selben Platz sein
Theodor Vanicek, Geschäftsführer des Heimtextilausstatters "Zur schwäbischen Jungfrau", kannte Transdanubien gar nicht, bevor er nach Wien-Aspern zog
Schauspielerin Dorothee Hartinger lebt ohne Radio und Fernsehgerät in einer Erbpachtwohnung im achten Wiener Bezirk
Verfassungsjurist Heinz Mayer wohnt mit seiner Frau am Stadtrand von Mödling. Auf dem Grundstück hatte er einst schon als Kind gespielt
Die Zukunftsforscher Matthias Horx und Oona Strathern lieben Hightech-Geräte - aber nur, wenn sie sinnvoll sind
Autorin und Zeichnerin Andrea Maria Dusl wohnt in einer Wiener Biedermeier-Wohnung, hätte aber gerne eine Flugzeughalle
Die Schriftstellerin Vea Kaiser wohnt in einer kleinen Wohnung in Wien-Neubau, wo ihr langsam der Platz ausgeht. In der Gegend fühlt sie sich wie in einem kleinen Dorf
Kidane Wodajo Korabza, Priester im Seelsorgeraum Weer in Tirol, hat im Gemeindehaus eine "fixfertig möblierte" Wohnung samt "Bibel-Eck"
Marianne ist einer der authentischten Menschen, die ich kenne - ist unbestechlich in ihren Ansichten, hat sich das Kindliche im besten Sinne bewahrt, mit ihrer Begeisterungsfähigkeit und ihrem Enthusiasmus - lebt ihr Leben mit Einzigartigkeit und Originalität, sich selbst verpflichtet und sonst niemandem.
Bravo :)
adolf loos hat die sogenannte loosbar entworfen und genau dieser hat 1908 "ornament und verbrechen"
geschrieben: http://printfu.org/read/adol... JTl0cuOqvM
Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.