Kuba: Oppositionelle festgenommen

Regierung will laut ehemaligem politischem Häftling "totale Kontrolle" der Orte, wo der Papst eine Messe feiern wird

Havanna - In Kuba sind nach Angaben der Opposition vor dem Besuch von Papst Benedikt XVI. Dutzende Regierungskritiker festgenommen worden. In Santiago de Cuba, wo der Papst am Montag seinen Besuch beginnt, seien in den vergangenen Tagen mindestens 70 Oppositionelle inhaftiert worden, erklärte das Kubanischen Komitee für Menschenrechte und Nationale Versöhnung am Sonntag. Unter den Festgenommenen seien rund 15 Angehörige der Bewegung "Damen in Weiß" (Damas de blanco), die für eine Befreiung politischer Häftlinge aus den kubanischen Gefängnissen kämpfen.

"Das Castro-Regime verstärkt seine Repression und Einschüchterung friedlicher Dissidenten, vor allem in der Provinz Santiago und in der Umgebung", sagte der Präsident des Kubanischen Komitees für Menschenrechte und Nationale Versöhnung, Elizardo Sanchez. Der frühere politische Häftling Jose Daniel Ferrer sagte der Nachrichtenagentur AFP, die kubanische Regierung wolle eine "totale Kontrolle" der Umgebung jener Orte, an denen der Papst Messen feiern werde. Es solle jeder Oppositionsprotest unterbunden werden.

Messe in Havanna

Papst Benedikt XVI. trifft am Montag zu seinem mit Spannung erwarteten Besuch im kommunistischen Karibikstaat ein. Während der dreitägigen Visite wird er in Santiago de Cuba wie auch in der Hauptstadt Havanna eine Messe unter freiem Himmel feiern. Die Regierung hat die Menschen ermuntert, an den Messen teilzunehmen.

Kuba und die Kirche verstehen sich besser

Seit dem historischen Kuba-Besuch von Papst Johannes Paul II. vor 14 Jahren haben sich die Beziehungen zwischen der kommunistischen Führung und dem Vatikan schrittweise verbessert. In den vergangenen Jahren ist die Kirche vor allem als Vermittlerin zwischen Regierung und Kritikern hervorgetreten. Die Regierung duldet keine anderen Parteien als die Kommunistische Partei und behandelt Oppositionelle als Kriminelle "in Diensten des Imperialismus".

Am Sonntag war Benedikt noch in Mexiko und rief die Bischöfe Lateinamerikas und der Karibik dort zu verstärkter Evangelisierung und einem harmonischen Miteinander in der römisch-katholischen Kirche auf. "Sicherlich stehen eure Diözesen gegenwärtig vor einer Reihe von Herausforderungen und Schwierigkeiten", sagte Benedikt bei einer Vesper mit den Bischöfen in der Kathedrale von Leon. "Wir können aber vertrauensvoll vorangehen in der Überzeugung, dass das Böse nicht das letzte Wort in der Geschichte hat und Gott in der Lage ist, neue Horizonte zur Hoffnung hin zu eröffnen", sagte der Papst. (APA, 26.3.2012)

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