Sahelzone: "Menschen beginnen schon Saatgut zu essen"

Reportage | 26. März 2012, 07:11

Nahrungsmittelreserven gehen zur Neige - Elf Millionen Menschen haben kaum zu essen

Niamey - Der Zweck der Reise in den Niger bestand für Andrea Wagner-Hager eigentlich darin, zu koordinieren und zu organisieren. Dennoch wird die Geschäftsführerin von CARE Österreich Eindrücke mit nach Hause nehmen, die sie so schnell nicht vergessen wird. "Die kommenden Monate werden entscheidend", sagte sie. An ein ähnliches Szenario wie im vergangenen Jahr - kaum Regen, katastrophale Ernte - wagt sie gar nicht zu denken. Denn schon jetzt hungern in einer der ohnehin unwirtlichsten Gegenden der Erde elf Millionen Menschen.

Wagner-Hager hat Erfahrung, sie weiß mit schwierigen humanitären Situationen umzugehen. Sie checkt Hilfsprojekte und Ernährungsprogramme, sie vernetzt und evaluiert - und sie muss zusehen, dass Geld in die Kassen ihrer NGO fließt. Doch die vergangenen fünf Tage haben Spuren bei ihr hinterlassen. Nicht Resignation, nein, dann hätte sie den falschen Beruf gewählt, aber so etwas wie Fassungslosigkeit macht sich breit. "Man fragt sich oft, wie hier überhaupt Menschen leben können." Die Sahelzone ist ein riesiger, gnadenloser Backofen, in der es kaum Wasser, dafür jedoch Sandstürme zur Genüge gibt. Und wenn man auf die Regenzeit hofft, die zwischen Mai und August fällt und von der alles abhängt, dann hofft man nicht auf Wolkenbrüche, die das Land kräftig durchweichen, sondern auf jene paar Tropfen, die über Ernte oder Missernte, also über Leben oder Tod entscheiden.

Kinder mit Hungerbäuchen

"Ich habe alte Frauen getroffen, die bis zur nächsten Wasserstelle zweieinhalb Stunden zu Fuß gehen müssen, und das in dieser Gluthitze." Wagner-Hager erzählt aber auch von Klimawandel, von einer sich ständig ausbreitenden Wüste, von Bevölkerungsdruck, von Flüchtlingen aus Mali, die nun ins Land drängen, und Kindern mit Hungerbäuchen. Man habe diesmal extra früh gewarnt, um das Schlimmste zu verhindern. Soll in etwa heißen: dass die Welt wieder einmal auf Afrika vergisst. Schätzungen des World Food Program (WFP) zufolge werden mehr als eine Milliarde US-Dollar benötigt, um eine wirkliche Katastrophe abzuwenden. Derzeit, so Wagner-Hager, sei es "nur" bzw. "noch" eine Krise.

Doch für Wortklaubereien hat man im Niger nicht viel übrig: "Überall gehen langsam die Vorräte zur Neige", warnt die CARE-Geschäftsführerin. Ein Indikator dafür, dass die Lage ernst ist: "Die Menschen beginnen bereits das Saatgut zu essen." Die Speicher sind leer, die Kräfte aufgebraucht. Und die Viehzüchter haben sich von der Hungerkatastrophe im Jahr 2010 noch nicht erholt. "Der Niger schlittert von einer Krise in die andere", berichtet Wagner-Hager aus einem Land, in dem sogar in guten Zeiten die Menschen mangelernährt sind und maximal einmal am Tag zu essen haben, weil es außer Getreide, Mais, Zwiebel und - mit viel Glück - ein bisschen Fleisch eigentlich nichts gibt.

Entscheidende Phase

Nicht nur, weil das bange Warten auf die Regenzeit längst begonnen hat, tritt man nun in eine entscheidende Phase ein. In den kommenden drei bis sechs Monaten, vielleicht schon früher, wird feststehen, ob es bei der Krise bleibt oder ob eine Hungerkatastrophe ungeahnten Ausmaßes anbricht. Deshalb werden auch die Appelle von Wagner-Hager eindringlicher: "Die Geldgeber müssen jetzt reagieren." Und damit sind wohl nicht nur die Spender gemeint. (APA, 26.3.2012)

CARE-Spendenkonto
PSK 1.236.000, Blz. 60.000;
oder SMS mit Spendenbetrag an 0676/8007020 bzw.
via Internet unter www.care.at

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Warum spendet die Kirche nie etwas?Der Vatican ist Superreich!!!

Die Kirchen fördern Bildung

Die besten Bildungseinrichtungen in Afrika sind Schulen oder Universitäten der katholischen oder evangelischen Kirchen. Die Kirchen sind also engagiert, wenn auch nicht in erster Linie in der Nothilfe.Der südafrikanische Wissenschaftler Moeletsi Mbeki ist allerdings überzeugt, dass "einige afrikanische Machthaber Angst vor zuviel Bildung haben, denn damit werden sie automatisch zunehmend hinterfragt."
Volker Seitz, www.Bonner-Aufruf.eu

private spenden für die jetzige NOThilfe sind nicht entwicklungshilfe!!!

dieser aufruf, den sie hier präsentieren, übersieht sehr viele details - vor allem wird die finanzierung privater projekte mit der förderung industrieller und gewerblicher projekte (deren gelderverteilung oft über regierungen oder zunehmend die wirtschaft selbst laufen) und den verträgen zum abbau der rohstoffe zwischen regierungen und konzernen verwechselt.

ich wehre mich aber dagegen, bei der nothilfe dann heilsphilosophien und selbstbeweihräucherung zu pflegen.
aber ich bin für mehr mitsprache der betroffenen länder, wenn es um die entwicklung ihrer infrastrukturen und wirtschaftsbasics geht, also die inhalte der projekte.

mit staatlicher hilfe eigene wirtschaften als entwicklungspolitik zu verkaufen ist armutsfördernd.

In einer TV-Diskussion sagte ein Teilnehmer:

"Wenn wir all unser Geld nach Afrika schicken - ist es doch zu wenig".
Ich denke, der hat recht.

An Geld hat es nie gefehlt

Die Entwicklungshilfeindustrie profitiert von der Not. Immerhin leben in westlichen Ländern wenigstens 800000 Menschen davon. Die haben ein großes Interesse daran, die Hilfe aufrechtzuerhalten. Viele Fische, die sich mästen.Von einem multilateralen Geberchaos angesichts von 280 multilateralen Institutionen sprach der OECD Forschungsdirektor Helmut Reisen im März 2012 bei einer Anhörung im Deutschen Bundestag. Das trifft auf leider die gesamte Hilfe zu. Die romantisierenden Spendenmentalität der Entwicklungshilfeindustrie ist desaströs. Sie pflegt auf ihre Art eine «Onkel-Tom-Mentalität», die die Menschen in Afrika auch nach 50 Jahren Hilfe nicht sonderlich weiterbringen. Volker Seitz, Autor "Afrika wird armregiert"

wie wäre es, die Menschen die dort leben in eine fruchtbarere Gegend zu transportieren und das Gebiet als nicht bewohnbar zu deklarieren?

jeder der dann noch rein geht ist quasi selber schuld...

es klingt vielleicht hart, aber es hat doch keinen Sinn dort Hilfsgüter hin zu schaffen, wenn das ein Fass ohne Boden ist, wenn dort kein Überleben möglich ist... selbst wenn man jetzt über Hilfsgüter diese aktuelle Notlage überstehen kann... die nächste kommt bestimmt sehr bald...

man hat das Gefühl, da hat jemand großes Interesse, daß diese Güterflüsse erhalten bleiben und läßt die Menschen dort vegetieren nur um einen Grund dafür zu haben...

Nette Idee. Fehlt nur noch jemand, der fruchtbare Böden für 11 Millionen Menschen spendiert. Die Preise für fruchtbare Böden sind in den letzten Jahren stark gestiegen.

also wie kommt es...

zu dieser wunderSamen vermehrung?

bedeutet armut,arbeitslosigkeit wenig bildung automatisch mehr nachwuchs weil es sonst nichts zu tun gibt?
schön langsam verstehe ich wo unsere politker uns hin führen wollen in die armut,arbeitslosigkeit und mit der bildung geht es ja auch merklich bergab und dann haben wir auch hierzulande wieder mehr zeit zum züchten.

(ironie off)

is jo e weit gnuag weg.

Es ist leider nicht die erste Dürre und es wird alles nichts nutzen, wenn es nicht gelingt, die Wasserversorgung sicherzustellen.

Wird noch schlimmer

Die Bevölkerung Afrikas ist zwischen 1950 und 2000 von ca. 200 Mio Menschen auf 800 Mio gewachsen, hat sich also in nur 50 Jahren vervierfacht.
Staatliche Strukturen existieren quasi nicht, somit Trendumkehr unwahrscheinlich. Hinzu kommt der Klimawandel.
Daher ist leider zu befürchten, dass dies nur die Spitze des Eisbergs ist und in naher Zukunft Hungerkatastrophen biblischen Ausmaßes in Afrika stattfinden werden...

Bevoelkerung...

Noch mal, die Menge der Bevoelkerung ist egal, wenn das Klima keine Landwirtschaft zulaesst.

Die Bevoelkerungsdichte in Afrika betraegt 22/km², in Europa 65/km², 3x so hoch, kaum jemand hungert in Europa.

Zum Vergleich, Niger 13/km², Oesterreich 102/km².

Oesterreich hat aber das Klima, die Boeden und technologischen Standards fuer Infrastruktur, Afrika nicht.

manchmal reicht eine kleinigkeit

ich schätze es reicht wenn die erdölversorgung ausfallen würde und wir wären schlecher dran als afrika es ist

Irgendwie ist dein Argument etwas seltsam.

Die Bevölkerung ist egal wenn die Umwelt passt.
=
Die Umwelt ist egal wenn die Bevölkerung passt.

Also ist die Bevölkerung nicht egal wenn die Umwelt nicht zur Bevölkerung passt.

Jein.

Viel Bevoelkerung und sehr gute Moeglichkeiten zur Landwirtschaft und gleichzeitig vielen Importen sind kein Problem.

Sehr wenig Bevoelkung und wenig Landwirtschaft mit geringen Importen ein kleines Problem.

Viel Bevoelkerung bei nicht existenter Vieh und Landwirtschaft, sowie stark eingeschraenkten Moeglichkeiten zum Nahrungsmittelimport = Sahelzone.

Schon klar, beide müssen zusammenpassen.
Jedoch ist "die Umwelt" eine eher längerfristige Konstante als "die Bevölkerung"

Wenn die schneller wächst als die Umwelt ist es immer ein Problem, umgekehrt nie (also zb. bei sehr wenig Bevölkerung und sehr guten Möglichkeiten zur Landwirtschaft, etc.)

nein, also nach der logik umwelt und bevölkerung hätte es in früheren zeiten nie irgendwo hungersnöte geben dürfen.

vergessen wir nicht, dass in afrika auch sonst umstände herrschen (z.b. permanente unsicherheitszustände, bildungsausfälle, landfluchten und entwurzelungen, irre ungleichgewichte zwischen menschen, die nach industrialisierten maßstäben und solchen die nach bodenständigen maßstäben leben), die eine längerfristige kontinuität fast unmöglich gemacht haben.
auch dafür hätte europa beispiele.

Nur wenn man die Grundlogik hernimmt das die natur etwas ausbalanciertes ist bzw. von dem oder diesen "hippie"-Schwachsinn der "fragilen Balance der Natur" ausgeht. Die Natur war nie ausbalanciert und wird es nie sein. (Die ganze Evolutions-Theroie ist darauf basierend das es keine Balance gibt)

Und "Europa" hat das ganze nur ausgelagert, mehr ist es nicht, es ist ein permanenter "Kampf" und der wird es noch lange bleiben wenn man sich weiter auf dieses esoterik wohlfühl bedürfnis vom ausgeglichenen planeten versteift.

Die Wurzel des Problems ist nicht, wie hier manche schreiben, Überbevölkerung, sondern der niedrige Bildungsstand

Das Problem dieser Länder ist, so hart es klingt, daß sie primitiv sind. Eine Analphabetenzahl von über 60%, das Fehlen von Infrastruktur, Verkehrsverbindungen, Energie und dazu noch eine unwirtliche Umwelt können nur zu solchen Katastrophen führen.
Doch der Westen (zusammen mit UNO) sollte anstatt irgendwelcher Spenden lieber die Infrastruktur aufbauen, Universitäten schaffen, etc.
Es hilft nicht, einem hungernden einen Fisch zu geben. Wenn man ihm das Fischen beibringt, wird er sich selbst versorgen können.
Auch würden dann weniger Menschen versuchen das Mittelmeer mit Paddelbooten zu überqueren.

Nun, mit Bildung kann man sich zumindest

die Zeit sinnvoll vertreiben, während man wieder einmal auf Regen wartet. Zum Beispiel fürchte ich, dass dort kaum jemand "Ulysses" oder "Krieg und Frieden" richtig kennt. Aber sicher würde es nützen, dort Fischernetze zu verteilen, die lassen sich mangels Wasser vielleicht auch als Moskitonetze verwenden.

in solchen "primitiven"Gesellschaften

waren solche Katastrophen "normal"; ganze Landstriche sind durch Umweltkatastrophen, Seuchen, kriegerische Konflikte dergleichen entvölkert worden (konnten die Europäer im Dreissigjährigen Krieg übrigens auch, die Pest gabs auch ..)

nur so etwas ist heute ganz einfach nicht mehr hinnehmbar, und daher gibt es nur den Ansatz, das Bevölkerungswachstum einzudämmen

Nein. Das Problem ist die Kombination aus Bevölkerungswachstum und Bildungsstand. 10ha Wüstenboden reichen eben nur für eine kleine Familie und nicht mehr für eine große.

Und wie soll der "Westen" in Afrika Unis errichten? Einerseits gibts dann den Vorwurf: da kommt der weiße Mann und zwingt uns sein System auf und andererseits will er uns bevormunden und die Uni kontrollieren, etc.
Das gab es alles schon.
--
Ein Freund aus Nigeria hat in Wien studiert (BOKU) und wollte dann einiges im Heimatort umsetzen und ist schon an seiner Mutter kläglich gescheitert. Dabei ging es nur darum, daß das Klo nicht direkt neben dem Wasserloch liegen sollte. "Aber das war ja schon immer so, und bis jetzt bin ich nicht krank geworden"

aber das ist ein problem von einer generation!

unsere mummy hat jetzt auch einen brunnen im garten und trinkt das wasser nicht, obwohl es sauber ist und wir sogar eine senkgrube haben. es ist ihr zu hart. deshalb schickt sie den jüngsten immer noch zu nachtschlafener zeit zur quelle (die noch weiter entfernt ist als der fluss für das brauchwasser), um das trinkwasser zu holen.

da nützt auch materielle sicherheit, die sie hat, nichts.

andererseits bekommen sie jetzt ein solarstromprojekt und alle freuen sich. und ich halte alle daumen, dass das wirklich umgesetzt wird.

aber apropos hunger: wir mussten das land, das sie als acker für die familie ausgewählt hatte, vor ca. zwei jahren kaufen! das konnten manche nicht.

und wir haben bald das problem, dass alle ihre kinder woanders leben.

Bildungsarmut ist das Problem

Besser gebildete Frauen heiraten später, bekommen weniger und gesündere Kinder. Sie lernen sich zu wehren und sich vor Krankheiten wie Malaria und Aids zu schützen. Ich kenne kein Problem Afrikas das nicht auf fehlende Bildung zurückgeht.Der südafrikanische Wissenschaftler Moeletsi Mbeki ist überzeugt, dass afrikanische Machthaber Angst vor zuviel Bildung haben, denn damit werden sie automatisch zunehmend hinterfragt.
Volker Seitz , Autor "Afrika wird armregiert"

ok. der mbeki galt zeitlebens als der weniger intellektuelle als mandela ... nur soviel ... eitel ;-)

aber zu den schulen. die bildungsaspiration ist gerade bei menschen, die in diesen umbruchssituationen leben, sehr, sehr hoch - auch weil sie den niedergang schon bestehender schulen erlebten und dzt. erleben!

die lösung ist tatsächlich: schulen und unis bauen! ansonsten passiert das, was in den islamischen ländern passiert ist, nämlich die ausnützung der notsituation.
ich kenne die befürchtungen des reißbretts, die forrealnothing hegt, nicht. es gibt dann überall lehrkooperationen und zwar nicht erst seit gestern. in nigeria hat man jetzt in einem staat die SCHULGEBÜHREN ERLASSEN!!!!!

ich wette das beispiel macht schule (und in ö?)

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