Massaker in Rechnitz: Leerstelle der Geschichte

25. März 2012, 18:55
  • Philosoph Gáspár Miklós Tamás als einer der ersten Besucher vor den neuen Schaukästen in Rechnitz.
    foto: andreas lehner/re.f.u.g.i.u.s.

    Philosoph Gáspár Miklós Tamás als einer der ersten Besucher vor den neuen Schaukästen in Rechnitz.

Kreuzstadlmuseum 67 Jahre nach der Ermordung von 180 ungarischen Juden eingeweiht

Rechnitz/Oberwart - In der Nacht von 24. auf 25. März 1945 lud die Gräfin Margit von Batthyány-Thyssen Nazi-Prominenz zu einem Fest auf ihr Schloss im burgenländischen Rechnitz. In dieser Nacht massakrierten und ermordeten SS- und Gestapo-Männer am Rande des Festes rund 180 ungarische Juden, die als Zwangsarbeiter am Südostwallbau arbeiten mussten.

Genau 67 Jahre später wurde am Sonntag das Kreuzstadlmuseum im Beisein von Bundespräsident Heinz Fischer und Oberrabbiner Paul Chaim Eisenberg von der Rechnitzer Flüchtlings- und Gedenkinitiative und Stiftung RE.F.U.G.I.U.S. mit rund 400 Gästen eröffnet. Zwölf Schautafeln und Schaukästen, die im Freien immer zugänglich sind, erzählen - anhand vieler Dokumente und Zeitzeugenberichte - die lange verschwiegene Geschichte des Ortes und auch einzelne Biografien.

Der Verein RE.F.U.G.I.U.S. und sein Vorstand, der Musiker Paul Gulda, kämpften schon seit Anfang der 1990er-Jahre darum, dass der sogenannte Kreuzstadl als Mahnmal erhalten blieb. Das Massengrab, in dem man die Toten sofort verscharrte, wurde bis heute nicht gefunden. Eine der zwölf Tafeln bleibt daher vorerst leer, bis man das Grab gefunden hat. (cms, DER STANDARD, 26.3.2012)

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Korrektur: nicht die Gräfin lud zum Fest ein,

aber sie und ihr Mann hatten das enorm große Schloss in Teilen zur Verfügung gestellt/zu stellen. Diese Umstände werden dzt. historisch untersucht, als Teil einer von Thyssen finanzierten großangelegten Untersuchung der Familiengschichte in der NS-Zeit. Das soll das Ehepaar nicht entlasten -
die haben Dreck am Stecken! - aber man möge bitte von der Fortschreibung der Aristo/Alkohol/sex and crime - story abrücken. Veranstalter des Festes war die örtliche Bauleitung des Südostwalls und die lokalen NS-Größen.

Hat die Familie Thyssen endlich etwas dazu beigetragen?

Wikipedia:
"In den folgenden zweiundsechzig Jahren gelang es der Familie Thyssen, nie mit dieser Gräueltat in Verbindung gebracht zu werden; in keiner Darstellung der Familie Thyssen fand dieses Verbrechen eine Erwähnung."

PS: eh klar dass die Gräfin dafür nie zur Rechenschaft gezogen wurde - es ist ja Österreich...

An das durchdringende Schweigen der Rechnitzer kann ich mich noch gut erinnern, als wir im Rahmen eines Forschungsprojekts auf die Lage der Massengräber zu sprechen kamen.

Sagen Sie mal, wissen Sie vielleicht,

welche Sondierungsmaßnahmen bis jetzt zum Einsatz gekommen sind?

Kann mir fast nicht vorstellen, dass trotz moderner Technik (Stichwort Magnetfeldmessung ) noch immer nix gefunden wurde...

Das Gelände

dort ist unheimlich groß und wurde gegen Ende des Krieges eben mit Panzer- und Schützengräben durchzogen. Deshalb ist die Prospektion sehr schwierig.

Aber: Die Methoden werden besser, auch die Dokumentenlage ist übersichtlicher. Es gab neue Hinweise seitens der Bevölkerung. Es wir weiter gesucht werden!

dort wurden kürzlich archäologische Prospektion/geophysikalische messungen durchgeführt (geomagnetik meines wissens nach)...

aber nix gefunden. außerdem wurden die zwei mitarbeiter, die die feldarbeit durchführten und ein paar tage dort wohnten, im dorf wie aussätzige behandelt, die rechnitzer haben da offensichtlich noch einges aufzuarbeiten!

Danke für die Info.

Die Sache verspricht spannend zu bleiben...

Daraus schließe ich

dass aus ihrer Sicht dieser Massenmord nie stattgefunden hat.
Wahrscheinlich sind die 180 ungarischen Juden in eine der gefürchteten Gletscherspalten des Geschriebensteins gestürzt und werden erst in 150 Jahren vom ewigen Eis freigegeben?

Erinnert mich irgendwie an Manche Siedler in St.Georgen an der Gusen.

Die auf ehemaligem KZ-Aussenlager Areal siedeln .. die Doku über die Kommentare der Menschen in diesen Häusern macht mich immer wieder fassungslos.

Was wollns denn?

In Rechnitz konnte Tobias Portschy "Die Zigeunerfrage“ (Gauleiter und hochrangiger SS Offizier) als hochgeachteter Hotelier bis zu seinem Tod 1996 leben.

Wen mag es da wundern, wenn sich keiner der Zeitzeugen an die Ereignisse vom März 1945 erinnern konnte.

Nach mindestens 4 erfolglosen großen Grabungsprojekten und dem Tod sämtlicher Zeitzeugen wird die 12te Tafel wohl für immer leer bleiben.

Sehr guter Beitrag!

ich komme gerade nach einem jahr aus dem kosovo zurück

den artikel habe ich meinen freunden in serbien und kosovo geschickt

als orientierung, wie lange es unter guten äusseren bedingungen dauern wird, bis eine normalisierung im ehemaligen jugoslawien möglich erscheint

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