Putsch in Mali: Libyscher Kollateralschaden

Kommentar |

Nicht, dass ein Umsturz in Mali direkt prognostiziert wurde, aber vor dem, was dazu führte, wurde ausgiebig gewarnt

Der Putsch in Mali ist nicht nur, aber auch als Kollateralschaden des Libyen-Kriegs zu sehen. In seitenlangen Berichten - unter anderem der Uno - wurden in den vergangenen Monaten dessen Auswirkungen auf die Sahel-Region beschrieben und analysiert. Nicht, dass ein Umsturz in Mali direkt prognostiziert wurde, aber vor dem, was dazu führte, wurde ausgiebig gewarnt.

Mali, in dessen Norden seit langem ein Tuareg-Aufstand schwelt, hat zwar keine gemeinsame Grenze mit Libyen, ist aber eines der Länder, in das nach dem Zusammenbruch des Gaddafi-Regimes tausende Heimkehrer, viele davon Tuareg, strömten: ehemalige Arbeitskräfte in der libyschen Wirtschaft, die mit nicht mehr, als sie auf dem Leib trugen, zurückkamen, aber auch ehemalige Söldner Gaddafis mit ihren Waffen. Im Gegensatz zu Lebensmitteln gibt es seit dem Libyen-Krieg in der Region davon einen Überschuss. Die diversen Programme, etwa der USA, ihr in libyschen Kämpferhänden "verschwundenes" Gerät zurückzubekommen, waren mäßig erfolgreich - zur Freude von Al-Kaida im Maghreb und anderer islamistischer Extremisten, von Schmugglern, Drogenhändlern und Tuareg-Rebellen.

Und manchmal überschneiden sich all diese Gruppen. Gewalt und Unsicherheit nehmen ständig weiter zu, was Kräfte in der Armee zu Recht oder zu Unrecht Malis Präsident Touré anlasteten. Den Lösungsansatz der Putschisten kann man sich allerdings vorstellen: noch mehr Gewalt. (DER STANDARD, 24.3.2012)

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