Putsch in Mali: Libyscher Kollateralschaden

Kommentar |

Nicht, dass ein Umsturz in Mali direkt prognostiziert wurde, aber vor dem, was dazu führte, wurde ausgiebig gewarnt

Der Putsch in Mali ist nicht nur, aber auch als Kollateralschaden des Libyen-Kriegs zu sehen. In seitenlangen Berichten - unter anderem der Uno - wurden in den vergangenen Monaten dessen Auswirkungen auf die Sahel-Region beschrieben und analysiert. Nicht, dass ein Umsturz in Mali direkt prognostiziert wurde, aber vor dem, was dazu führte, wurde ausgiebig gewarnt.

Mali, in dessen Norden seit langem ein Tuareg-Aufstand schwelt, hat zwar keine gemeinsame Grenze mit Libyen, ist aber eines der Länder, in das nach dem Zusammenbruch des Gaddafi-Regimes tausende Heimkehrer, viele davon Tuareg, strömten: ehemalige Arbeitskräfte in der libyschen Wirtschaft, die mit nicht mehr, als sie auf dem Leib trugen, zurückkamen, aber auch ehemalige Söldner Gaddafis mit ihren Waffen. Im Gegensatz zu Lebensmitteln gibt es seit dem Libyen-Krieg in der Region davon einen Überschuss. Die diversen Programme, etwa der USA, ihr in libyschen Kämpferhänden "verschwundenes" Gerät zurückzubekommen, waren mäßig erfolgreich - zur Freude von Al-Kaida im Maghreb und anderer islamistischer Extremisten, von Schmugglern, Drogenhändlern und Tuareg-Rebellen.

Und manchmal überschneiden sich all diese Gruppen. Gewalt und Unsicherheit nehmen ständig weiter zu, was Kräfte in der Armee zu Recht oder zu Unrecht Malis Präsident Touré anlasteten. Den Lösungsansatz der Putschisten kann man sich allerdings vorstellen: noch mehr Gewalt. (DER STANDARD, 24.3.2012)

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13 Postings

! AUSGEZEICHNETE ANALYSE von Frau Harrer!

mali hat wie die meisten sahelzonen laender ein bruttosozialprodukt von weit unter 1000 dollar pro kopf im jahr.
das ist auch einer der gruende, warum gaddafi fuer einen soeldner von dort so viel zahlen hat muessen, 300, 1000 dollar am tag und mehr ...
ja.
von tschad und niger gibt es zahlen von 150_000 fluechtlingen aus dem libyenkrieg. meist maenner, jung, ungebildet, leistungsfaehig, die halt in libyen fuer sahelverhaeltnisse viel geld (100 dollar und mehr im monat) verdient haben.
eine kalaschnikow kostet zwischen 50 und 300 dollar.
darueberhinaus planen die menschenrechte und die demokratie und das facebook und der ganze schmarrn ja sowieso sich ueber den gesamten islamischen raum auszudehnen.

Die Zeitung hier baut immer stärker ab...

Besen, Besen, sei's gewesen

doch o weh! der Besen gehorchet nicht

Dabei war doch klar, daß nach der Ermordung Gaddafis Friede, Furz und Eierkuchen in der Region ausbrechen und alle den Demokratietanz schlumpfen ... oder ?

Daß Konflikte sich in der Region ausbreiten ist ja auch neu, das wußten weder die Belgier in den Weltkriegen noch die Bombardierten in Laos

Von der "collateral damage" des Irak-Krieges sitzen noch 1 Mio. in Syrien ... aber diesmal hat man das ja intelligenter gemacht ... oder doch nicht?

Ich werd den Verdacht nicht los - und ich schreibe es ja auch schon des Öfteren, daß das eigentliche Konzept in den Kollateralschäden besteht: Aufbrechen alter Ordnung, um sich Marktantheile zu sichern, zu denen man nach der Politik der letzten Jahrzehnte keinen Zugang hätte. Da spielen Flüchtlinge und Tote keine Rolle. Flüchtlinge kommen ja auch nur nach EUropa, in die USA ist mit dem Schlauchboot noch keiner gekommen. Und die Koalition der Billigen spielt brav mit...

Da haben Sie wohl recht.

Schaun wir mal ob das dann auch funktioniert. Denn es koennte durchaus schlimmer kommen.

Waren Sie schon in den Pathet Lao Caves? Gleich bei

Sam Neua.

nein,

meine Sorge gilt mehr den aktuell hingeschlachteten als Kämpfen vor Jahrzehnten

aber da wir grad in Afrika sind, ein journalistisches Schmankerl:

erinnern Sie sich an das da?
http://derstandard.at/132987035... ionenparty

nun, wie paßt das hiermit zusammen?
http://www.telegraph.co.uk/news/worl... money.html

Mein Posting, das monierte, daß die Krokodiltorte und die zehn Luftballons keine Million gekostet haben können, wurde naturgemäß von der Zensur geschluckt

Wohl weil ich auch Journalismus eingefordert habe von der Qualitätszeitung statt dämlicher Propaganda

"Wohl weil ich auch Journalismus eingefordert habe von der Qualitätszeitung statt dämlicher Propaganda"

Sie müssen eigentlich schon dämlich sein, wenn sie ein Medium nutzen, dass für sie nur dämliche Propaganda verbreitet. Was genau tun sie hier ?

Frau Harrer Sie haben doch vor 9 Monaten noch behauptet, dass

ein Zusammenbruch Libyens keine nennenswerte Auswirkungen auf die Region haben wird. Alleine der Ausfall der Remittance der in Libyen tätigen Gastarbeiter aus dem Sudan, Niger, Tschad hat dort weitreichende Konsequenzen. Und jetzt hat das Auswirkungen auf Mali, obwohl ohne Grenze zu Libyen?

... und nach 9 Monaten war das Kindlein geboren

und siehe da, es ward doch ein Mädchen.

Frau Harrer sitzt in der Redaktion für Nahost. Da ist ihr die Bedeutung Gaddafis für Afrika eher fremd. In ihrem Ressort war der Raid over Libya ja nicht spürbar.

Der Kollateralschaden Libyens ist wohl eher die Defloration Europas.

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