"Wir erreichen die Kinder nicht"

Interview |
  • Wolner: "Es ist eine neue Welt dazugekommen, Tennis war eine Erweiterung meines 
Lebens."
    foto: dapd/punz

    Wolner: "Es ist eine neue Welt dazugekommen, Tennis war eine Erweiterung meines Lebens."

Ernst Wolner war 15 Jahre lang Präsident des ÖTV. Nun endet seine Ära. Als Arzt diagnostiziert er dem Sport einige Wehwehchen

Standard: Warum hören Sie als Tennisverbandspräsident auf?

Wolner: Weil ich schon das letzte Mal, als ich gewählt wurde, gesagt habe, dass es meine letzte Periode ist. Dann bin ich über 70, und ich will nicht in der Muppet Show auftreten. 15 Jahre sind genug. Ich bekam den Auftrag, einen Nachfolger zu suchen und vorzuschlagen. Das Anforderungsprofil war klar. Ich wollte keinen Quereinsteiger, der sich erst einmal zwei Jahre zurechtfinden muss. Der Neue soll sich im Sport, im Tennis, auskennen. Er muss öffentlichkeitswirksam sein. Und er soll etwas geleistet haben.

Standard: Sie haben sich für Ronald Leitgeb entschieden, obwohl das Verhältnis nicht immer konfliktfrei war. Als Ex-Manager von Thomas Muster und Ist-Manager von Jürgen Melzer und Tamira Paszek hat er logischerweise auch andere Interessen. Was kann Leitgeb besser als Wolner?

Wolner: Es geht nicht um den Vergleich, so viel Selbstbewusstsein habe ich schon. Vielleicht macht er manche Dinge anders. Ich übergebe jedenfalls einen soliden, streitfreien Verband mit finanziellen Rücklagen. Das Daviscupteam steht im Viertelfinale. Dafür kann ich allerdings nichts.

Standard: Ist Leitgeb eine integrative Figur?

Wolner: Das wird er beweisen müssen. Aber wie er sich zuletzt eingebracht hat, das war höchst professionell und uneigennützig.

Standard: Als Sie 1997 kamen, war Musters Karriere im Auslaufen. Ein denkbar ungünstiger Zeitpunkt, um ein Amt zu übernehmen, oder?

Wolner: Ja. Ich habe die Situation verkannt. Hätte ich gewusst, wie schwierig es ist, hätte ich es nie gemacht. Die Luft war draußen. Es gab nur ein riesiges Loch. Vor allem bei den Herren. Nur der Stefan Koubek war ein kleines Licht.

Standard: Warum wird ein Herzchirurg Präsident eines Sportverbands? Aus Eitelkeit?

Wolner: Ich hatte eigentlich viel zu tun, war auf dem Höhepunkt meiner beruflichen Laufbahn. Eitelkeit hätte ich als Herzchirurg ausleben können. Zwei Wochen vor der Generalversammlung saß ich in einer, sagen wir, lustigen Runde. Der Wiener Verbandspräsident Sterba war dabei. Und er hat gesagt, wir brauchen einen Chef, mach du das. Ich, der mehr oder weniger begabte Hobbyspieler, war dann bei den Landespräsidenten, die haben mich beschnuppert. Einer hat gesagt, ich muss mich auch darum kümmern, dass im Verbandsbüro die Toiletten gereinigt sind. Ich hab geantwortet, aber nur dann, wenn ich selbst aufs Klo muss. Und so wurde Wolner gewählt.

Standard: Es wurde viel Arbeit, auch ohne die Klos zu putzen.

Wolner: Der Verband war in einer katastrophalen Situation. Meine Vorgänger hatten keinen Zugang zu den Medien, dadurch konnten Spieler und Manager machen, was sie wollten. Der ÖTV hatte sich in Geiselhaft der Clans begeben. Die Geschichte begann mich zu interessieren. Ich hatte ja ein großes Netzwerk, war Teil der Wiener Gesellschaft. Und jetzt ist eine neue Welt dazugekommen, Tennis war eine Erweiterung meines Lebens. Natürlich ist jeder Mensch narzisstisch. Man muss in gewissen Funktionen etwas darstellen.

Standard: Ist das System der ehrenamtlichen Funktionäre noch zeitgemäß?

Wolner: Ehrlich gestanden ist es nur bedingt zeitgemäß. Die großen Verbände helfen sich dadurch, dass die Generalsekretäre die Geschäfte führen. Oft ist der Präsident eher ein Aufsichtsrat.

Standard: Ist der Einfluss der Politik zeitgemäß? Es gibt rote und schwarze Verbände, man teilt sich den Sport brav auf.

Wolner: Das ist ein Vor- und ein Nachteil. Austria-Fan Häupl muss als Bürgermeister auch für Rapid sorgen. Die einen haben den Verbund als Sponsor, die anderen Wien Energie. Die verkaufen den Strom so und so, der Sinn liegt bei null. Aber es geht um Wählerstimmen. Trotzdem ist es gut und notwendig, dass der Sport unterstützt wird. Damit er am Leben bleibt.

Standard: Woran krankt der Sport bei uns? Wie lautet Ihre Diagnose?

Wolner: Vergleichen wir uns mit dem kleineren Kroatien, das ist in fast allen klassischen, olympischen Sportarten großartig. An der Übersättigung oder daran, dass es uns zu gut geht, liegt es nicht. Das Hauptproblem ist, dass wir eine ganz schlechte Sportförderung im Grundschulbereich haben. Wir erreichen die Kinder nicht - ausgenommen im Fußball, und da sind es in erster Linie Migranten. Nur jene, die von den Eltern gefördert werden, fallen irgendwann auf. Marcel Hirscher ist ein klassisches Beispiel. Sein Vater hat eine Skischule. Ich will die Leistungen des Skiverbandes nicht schmälern, aber der spielt nur gegen zehn andere auf der Welt. Zweitens ist das Skifahren die wichtigste Säule im Tourismus.

Standard: Steuern wir auf eine kranker werdende Gesellschaft zu? Gespart wird an Turnstunden.

Wolner: Ja. Noch einmal. Das Hauptproblem sind innerschulische Konflikte. Der Lateinlehrer ist wichtiger als der Turnlehrer. Ich kann und will nämlich nicht glauben, dass in den Sportverbänden nur Deppen sitzen.

Standard: Ist der Spagat zwischen Breiten- und Spitzensport eigentlich schwierig?

Wolner: Nein. Die Tennisklubs, die gut geführt sind, haben keine Mitgliederprobleme. Auch im Spitzensport sind wir auf private Initiativen angewiesen - obwohl die Ergebnisse der Privaten bei uns zuletzt nicht großartig waren. Die besten Spieler wurden vom Tennisverband ausgebildet.

Standard: Hat Tennis gegen die Trendsportarten eine Chance? Es ist weder schick noch geil und extrem, passt kaum in die, sagen wir, Red-Bull-Generation.

Wolner: Tennis ist sehr schwer zu lernen. Alle klassischen Sportarten stehen in großer Konkurrenz zu den Trendsportarten. Nur Fußball ist auf der sicheren Seite. Kicken können alle Kinder ohne großen Aufwand, der Ball muss einfach nur ins Tor.

Standard: Am Sonntag werden Sie zum Ehrenpräsidenten gewählt.

Wolner: Schön, freut mich. In Österreich ist das wohl so üblich.(Christian Hackl, DER STANDARD, 24./25. März)

Enst Wolner (72), Herzchirurg aus Wien und Vorsitzender des obersten Sanitätsrates, ist seit 1997 Präsident des österreichischen Tennisverbandes. Am Sonntag wird er nach fünf Amtsperioden von Ronald Leitgeb abgelöst.

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Hach, waren das Zeiten in den 90ern:

Tele-Trophy (mit Peter "Kragenhemd ist Pflicht!" Teuschel), NÖTV-Masters, Isospeed-Serie usw.

Nicht viel gewonnen :P aber lustig war es immer :D

Ich wollte Ende der 80er Jahre anfangen; hatte keine Eltern, die im Club waren: ergo: keine Chance da reinzukommen, die Plätze waren immer von den alten Spielern belegt, bzw. von deren Kindern.

Aus der Sicht eines Tennisspielers

1) Tennis ist eine Sportart die den ganzen Muskelapparat in Anspruch nimmt.
2) Es ist ein toller Sport auch im sozialen Sinne. Man kommt mit verschiedene Menschen zusammen, lernt neue Gesichter kennen und kann Ihn von jung bis alt ausüben.
3) Tennis kostet Geld, auch im Hobbybereich. Im Leistungsbereich braucht man viel Geld. Ohne den nötigen Hintergrund wird man es nie bis an die Weltspitze schaffen, egal wie groß der eigene Wille sein mag. Federer,Djokovic,Murray und Nadals Eltern waren alles keine armen Schlucker.
4) Tennis ist eine elitäre Sportart, deshalb wird man kaum unzivilisierte Menschen in Klubs antreffen. Ein Tennisschläger kostet zw.100-200€ der Platz 10€ und 3 Bälle 5€, nur Golf ist teurer.

Fazit: Tennis ist spitze.

Ad elitär

Das war einmal.

dann gehns mal in diese kleinen feinen tennisclubs ich hab da schon dramen gesehen ( und im endeffekt gings um des kaisers bart :) ) da wars nicht weit her mit dem zivilisierten verhalten

spielt noch wer tennis?

.... wundert mich nicht, wenn man bei tennisplätzen vorbeischaut ist der alterschnitt sehr hoch (da glaubst du bist im (früh-)pensionistenclub)

aber schwer zu lernen *ggg* wie oben angeführt - na ich weiß nicht...

Ich finde schon, dass es schwer zu erlernen ist, wenn man als Ziel hat, alle Schläge mit halbwegs sauberer Technik zu spielen.
Gefühlte 95 % der Leute, die auf einer Anlage so herumstehen, spielen irgendwie - jeder Ball ein Junkball. Wie oft sieht man einen Kickaufschlag?

Florian Vetter
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24.3.2012, 17:07
Winter wonderland

nicht unrichtig. aber nach wie vor eine teure angelegenheit - tennis im winter in der halle: da müssen das geld im börsel ganz schön locker sitzen.

Vielleicht kann man ja den Köllerer zur Nachwuchsarbeit verpflichten. Hab gehört der hat jetzt Zeit.

aber es gibt Zweifel

an Köllerers pädagogischem und kommunikativem Talent

Tennis ist im Vergleich zu manch andren Sportarten einfach zu teuer! Ob sich so viele Eltern das leisten wollen bzw vor allem können bezweifle ich!

Eine Stunde um die 14-20€ (Freiplatz) - Eine Stunde in der Halle von 18-32€ (Quelle: diverse Anbieter in Wien)
Somit muss ein "Durchschnittsverdiener" um eine Stunde Tennis spielen zu können bis zu 5h arbeiten!

one more thing: Durchschnitt EXKLUSIVE der reichsten 5%!!!!!

Nur ein kleiner Vergleich

Im Salzburger Land zahlt man ca 120-140 pro saison (ca 6 Monate)! Tennisschläger 2 Stk ca 260, Bälle 5 euro/Dose ca 40 € für das ganze Jahr, Schuhe 100 €,
Bespannen ca 50 €, Bekleidung ca 150€
740 €/Jahr (relativer Wert)

Eine Saisonkarte fürs Skifahren kostet ca 430€ (ca 4,5 Monate), Hardwear Ski,Schuh Stöcke Helm ca 1200 €, Skianzug, Brille, Handschuhe, ca 600 €
2230€/Jahr

Das sind zahlen für einen Ambitionierten Sportler.
Sogesehen ist Tennisspielen ein "Schnäpchen". (ok Fussball oder Laufen ist sicher günstiger).

lg

Bei uns (in OÖ)

zahlen Junionren 22 € und können so viel spielen wie sie wollen und Erwachsene 95 €. Ich finde das nicht besonders teuer...

da sind sie glücklicher als wir in wien und umgebung

naja is schon ein unterschied ob du die für eine stunde die halle nimmst oder eine monatskarte/jahreskarte nimmst oder gar einem verein beitrittst.

wenn man aktiv spielen möchte benötigt man sowieso eine jahreskarte. wer nur einmal im monat spielen geht wird ohnehin nie brauchbar spielen lernen ...

in meinem fall um rund 100 € am Rand von Graz, ist also nicht so wild für ein jahr, auch im vergleich mit anderen sportarten nicht

es ist anscheinend eh nur in wien abartig teuer, was anderes wird ja gar nicht behauptet.

dass 100 fürs ganze jahr nicht viel sind, ist schon klar.

Wieviel verdient ihr Durchschnittsverdiener eigentlich?

Jemand der diesen Sport regelmäßig betreibt, geht zum Club. Junioren zahlen pro Saison etwa ab EUR 210 und spielen dann soviel sie wollen. Man muss ja nicht zum Park Club gehen. Elitesport ist Tennis auf Breitensportebene schon lange nicht mehr.

Tennis ist für Kinder...

einfach langweilig im Vergleich zu Mountainbiken, Klettern, Fußball und Schifahren.

Stimmt. Es braucht schon etwas Biss und Durchhaltevermögen, bis Tennis anfängt Spaß zu machen.
Und wenn die koordinativen Grundlagen nicht vorhanden sind, wird es beim Tennis sehr schwierig, Spaß zu haben.

http://www.youtube.com/watch?v=46E8OkSh5hA (Ton aus)

Die haben mit ihren vier Jahren sicher schon etliche Drills durchlaufen.

Gibt es eigentlich etwas schlimmeres als Tenniseltern?

http://www.youtube.com/watch?v=XLiN9CDr2_M (Ton an)

"Ist der Spagat zwischen Breiten- und Spitzensport eigentlich schwierig?"

Es gibt keinen Spagat, das sind getrennte Welten. Ich bin der Meinung, dass viele Möchtegernspitzensportler, deren Umfeld ohne Ende Geld in irgendwelche Tennis Academies buttert, dem Tennis oft früh verloren gehen. Trotz mega Aufwand gerade mal als Top 100 des Landes den sportlichen Zenit erreicht, wird der Schläger an den Nagel gehängt, weil es mit der Tenniskarriere eh nichts wird. Besonders ärgerlich eigentlich dann, wenn die treibenden Kräfte übermotivierte Tenniseltern ohne Realitätssinn sind.
Was ich damit sagen möchte, ist, dass dem Clubtennis damit frühzeitig gute Regionalspieler verloren gehen.

"Wir erreichen die Kinder nicht"

Ich habe jede Woche mit 80 Kindern auf dem Tennisplatz zu tun. Insgesamt tummeln sich in diesem Tenniscenter so ca. 160 Kinder. Eigentlich eine ganze Menge finde ich. Das Problem ist, dass nur 10 von ihnen Clubmitglieder sind. Der Rest verbringt eine Stunde pro Woche auf dem Tennisplatz - in den Ferien sieht man sie dort nie.
Mein Eindruck ist, dass Tennisanlagen keine kinderfreundlichen Sportstätten sind. Wie viele Clubs oder Tenniscenter bieten kleinen Kindern beispielsweise ein ihren Fähigkeiten angepasstes Spielfeld? Das Play & Stay Konzept der ITF sehe ich kaum wo umgesetzt. Es ist wünschenswert, den Kindern eigenen Raum, sprich Spielfelder, zu geben, anstatt sie wie Störenfriede zu behandeln.

ganz...

...grosses tennis!

(diesen ausdruck hab ich irgendwo im interet einmal gelesen, und wollte ich schon immer einmal posten, wo wenn nicht hier)

Sowas finde ich zum Beispiel mal sehr gut:

"Für unsere Clubjunioren bieten wir im Sommer ein vergünstigtes Training an und sie spielen bei freien Plätzen im Winter gratis."

http://www.kratochvil-academy.ch/kids-tennis/

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