US-Kandidat Jim Yong Kim gilt als Favorit

Drei Kandidaten im Rennen - Bisheriger Präsident Zoellick tritt Ende Juni ab

Washington - Für die Nachfolge von Weltbank-Präsident Robert Zoellick hat die UNO-Sonderorganisation drei Kandidaten ausgewählt. Wie die Weltbank am Freitagabend in Washington mitteilte, werden die nigerianische Finanzministerin Ngozi Okonjo-Iweala, der ehemalige kolumbianische Finanzminister Jose Antonio Ocampo sowie der US-Mediziner Jim Yong Kim in die engere Wahl gezogen. Mit ihnen werde der Exekutivrat Vorstellungsgespräche führen. Bis Ende April soll die Entscheidung fallen.

US-Präsident Barack Obama hatte den erfahrenen Entwicklungshelfer Kim für die Führung der internationalen Finanzorganisation vorgeschlagen. "Der Leiter der Weltbank sollte ein umfassendes Verständnis über die Rolle der Entwicklungshilfe in der Welt haben", begründete Obama seine überraschende Entscheidung.

US-Amerikaner als Kandidat

Da die Weltbank seit ihrer Gründung traditionell von einem Amerikaner geführt wird, während der Internationale Währungsfonds (IWF) als Schwesterorganisation stets eine europäische Spitze bekommen hat, hat Kim durch die US-Nominierung beste Chancen auf das Präsidentenamt. Allerdings stellen angesichts des wachsenden Gewichts der Schwellenländer Staaten wie China, Indien oder Brasilien diese ungeschriebene Regel zunehmend infrage und könnten Okonjo-Iweala oder Ocampo unterstützen. Am Freitag machten sich mehrere Länder für die nigerianische Finanzministerin Ngozi Okonjo-Iweala stark. Okonjo-Iweala hatte schon einmal einen Direktorenposten bei der Weltbank inne. Ocampo ist derzeit Professor an der Columbia University in New York.

Der gebürtige Südkoreaner Kim (52) ist Sohn von Einwanderern und leitet derzeit das renommierte Dartmouth College, eine Privatuniversität im Staat New Hampshire. Dort habe er Pionierarbeit für die internationale Verbreitung kostengünstiger, hochwertiger Gesundheitsversorgung geleistet, teilte das Weiße Haus mit. Kim ist zudem Mitbegründer der humanitären Einrichtung "Partners in Health", die sich seit 25 Jahren für die medizinische Behandlung von Armen in der Welt einsetzt. Zudem war der Arzt einst Direktor der Aids- und HIV-Abteilung bei der Weltgesundheitsorganisation (WHO).

Kim "der erste qualifizierte Weltbank-Präsident in 68 Jahren"

Obama verdeutlichte mit seiner Auswahl des Arztes auch, wo er den künftigen Schwerpunkt der Weltbank sieht. "Gesunde Bevölkerungen ermöglichen Wachstum und Wohlstand", sagte er. Entsprechend sei Kim mit seinen "einzigartigen Fähigkeiten und jahrelanger Erfahrung" besser qualifiziert als jeder andere für den Präsidentenposten.

Fachleute lobten die US-Regierung für ihre bedachte Entscheidung: "Das ist ein großer Schritt nach vorne", meinte der Co-Direktor des US-Instituts "Center for Economic and Policy Research", Mark Weisbrot. Kim sei "der erste qualifizierte Weltbank-Präsident in 68 Jahren".

Drei Namen

Die Weltbank wurde wie der IWF 1944 auf der Konferenz von Bretton Woods gegründet und sollten ursprünglich den Wiederaufbau Europas nach dem Zweiten Weltkrieg voranbringen. Heute ist die Kernaufgabe der aus fünf verschiedenen internationalen Organisationen bestehenden Weltbankgruppe, die Armut in der Welt zu bekämpfen und die Lebensbedingungen der Menschen in den Entwicklungsländern zu verbessern. Zoellick tritt Ende Juni nach fünf Jahren an der Spitze der Weltbank ab.

Das Weltbank-Direktorium wird nach Ablauf der Bewerberfrist am Freitagabend die Kandidatenliste auf maximal drei Namen beschränken. Aus diesem Kreis soll beim nächsten halbjährlichen Treffen von Weltbank und IWF am 21. April der neue Präsident bestimmt werden.

Die USA hatten zuletzt mehrere Personalvorschläge in der Hinterhand. Nach Informationen aus Kreisen standen auf der Auswahlliste die US-Botschafterin bei den Vereinten Nationen, Susan Rice, die in Indien geborene PepsiCo-Chefin Indra Nooyi, der US-Senator John Kerry sowie Lawrence Summers, ein früherer Wirtschaftsberater Obamas. Es fiel auch der Name der Professorin Laura Tyson, einer ausgewiesenen Expertin für internationale Handelsbeziehungen. Der Weltbank gehören 187 Länder an.  (APA, 23.3.2012)

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