Anrainerbefragung: 77,3 Prozent für Umgestaltung des Neuen Markts

  • Rund um den Donnerbrunnen soll es künftig keine Autos mehr geben.
    foto: derstandard.at/lewkovicz

    Rund um den Donnerbrunnen soll es künftig keine Autos mehr geben.

Areal wird autofrei und bekommt Garage

Wien - Nun ist es fix: Teile der Wiener Innenstadt werden neugestaltet. In einer Befragung votierten 77,3 Prozent der betroffenen Anrainer u.a. dafür, dass der Neue Markt autofrei wird und eine Tiefgarage bekommt, teilte Innenstadt-Bezirksvorsteherin Ursula Stenzel am Freitag in einer Pressekonferenz nach der Stimmenauszählung mit. Die Pläne sehen weiters vor, dass der Albertinaplatz umgebaut sowie verkehrsberuhigt und die Seilergasse großteils zur Wohnstraße wird.

Das Projekt wurde bereits Anfang März präsentiert, die endgültige Entscheidung dafür oder dagegen hing vom Ergebnis der Befragung ab. Exakt 5.127 Stimmzettel wurden an die Anrainer geschickt. Diese hatten anzukreuzen, ob sie für oder gegen das geplante Projekt "Neugestaltung Albertinaplatz und Neuer Markt" seien. 1.511 Personen votierten für, 435 gegen das Vorhaben. Neun Stimmen waren ungültig. Stimmberechtigt waren jene Anrainer, die im Umkreis von 300 Metern des neuzugestaltenden Areals leben. "Die Beteiligung von 38,13 Prozent bei einer Viertelbefragung ist absolut eine gute Beteiligung", zeigte sich die Bezirksvorsteherin über das Interesse erfreut.

"Klares und zunzweifelhaftes Voting"

Wegen des "klaren und unzweifelhaften Votum" für das Projekt solle das Vorhaben rasch angegangen werden, so Stenzel. Das Ergebnis sieht sie als politischen Auftrag, "die bestmöglichen Lösungen zu erwirken für ein Ende des Parkplatz-Suchverkehrs, für die Einrichtung von gekennzeichneten Bewohnerparkplätzen, für ein Ende des Buschaos am Albertinaplatz, als Auftakt zu einer gesamten Lösung des Tourismus- und Sightseeing-Buskonzepts für die Innere Stadt".

Bereits kommende Woche wird eine Koordinationssitzung stattfinden, an der u.a. Vertreter der Behörden teilnehmen. Zudem müssten noch einige baurechtliche und eisenbahnrechtliche Verfahren bestritten werden, sagte die City-Chefin.

Mit den Bauarbeiten soll aber bald begonnen werden: "Ich rechne damit, dass hier sehr schnell der erste Spatenstich zu dieser neuen Viertelentwicklung vollzogen werden kann." Wann genau das sein wird, konnte Stenzel aber in der Pressekonferenz nicht sagen. Ebenso wenig gibt es einen Zeitpunkt für die Fertigstellung: "Das kann man jetzt noch nicht sagen."

Jahrelange Debatte

Durch die Befragung soll eine seit vielen Jahren laufende Debatte um das betreffende Gebiet zwischen Staatsoper und Graben beendet werden. Das Straßenbild dort war zuletzt vor allem von Reisebussen und Parkplatzsuchern geprägt. Schon 2006 gab es eine Anrainerbefragung, ob eine Tiefgarage am Neuen Markt gebaut werden soll. Damals sprachen sich die Befragten aber dagegen aus. Das nunmehr geplante Viertelentwicklungsprojekt, für das die Bürger mit Ja gestimmt haben, sieht dies nunmehr vor.

In der Tiergarage sind günstigere Plätze für Bewohner geplant. Insgesamt wird die unterirdische Parkfläche über 350 Stellplätze verfügen - mehr als an der Oberfläche durch die Neugestaltung verloren gehen. Zudem soll es Bewohner- und Anrainerparkplätze in den Seitengassen, die verkehrsberuhigt werden sollen, geben. Die Seilergasse soll großteils zur Wohnstraße werden. Umgestaltet wird auch der Zugang zur Kapuzinergruft.

Entlastung der Kärntner Straße

Im Mittelpunkt des dann autofreien Areals soll der von Georg Raphael Donner zwischen 1737 und 1739 errichtete Providentia-Brunnen - umgangssprachlich Donner-Brunnen genannt - stehen. Er wird ebenfalls restauriert. Am Albertinaplatz und am angrenzenden Helmut-Zilk-Platz sollen unter anderem die Gehsteige verbreitert werden. Eine Reisebuszufahrt ist nicht mehr erlaubt.

Die geplanten Maßnahmen sollen das betreffende Viertel nicht nur vom Autoverkehr entlasten, sondern auch die Kärntner Straße von den Fußgänger-Massen. Denn die nun zur Umgestaltung anstehende Achse verläuft ziemlich genau parallel dazu. Die Gesamtkosten für das sogenannte Viertelentwicklungsprojekt belaufen sich auf 34 Mio. Euro. Den Großteil daran wird jedoch vom privaten Garagenerrichter getragen, auf die öffentliche Hand entfallen 800.000 Euro.

Kritik von Grünen und FPÖ

Kritik gab es nach der Präsentation des Ergebnisses von den Grünen. Es wurde aber nicht
das Ergebnis bemängelt, sondern die Methode: "Tendenziöse Befragungstexte, wie von
Bezirksvorsteherin Stenzel jetzt einmal mehr angewandt, sind für die lokale Demokratie nicht förderlich", ärgerte sich Verkehrssprecher Rüdiger Maresch in einer Aussendung. Der rote Koalitionspartner freute sich hingegen über den "Sieg der Vernunft".

Kritik kam auch von der FPÖ. Georg Fürnkranz, Klubchef der City-Freiheitlichen, erinnerte daran, dass 2006 ein Garagenprojekt am Neuen Markt von Bürgern noch mehrheitlich abgelehnt worden war. "Statt die damaligen Versprechen umzusetzen, hat sie nichts getan und jetzt auf Zuruf der SPÖ mit einer manipulativen Kampagne das Gegenteil propagiert und damit eine Zustimmung zu dem Garagenprojekt bewirkt", ärgerte sich der blaue Bezirkspolitiker. (APA, 23.3.2012)

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