Anrainerbefragung: 77,3 Prozent für Umgestaltung des Neuen Markts

23. März 2012, 14:38
  • Rund um den Donnerbrunnen soll es künftig keine Autos mehr geben.
    foto: derstandard.at/lewkovicz

    Rund um den Donnerbrunnen soll es künftig keine Autos mehr geben.

Areal wird autofrei und bekommt Garage

Wien - Nun ist es fix: Teile der Wiener Innenstadt werden neugestaltet. In einer Befragung votierten 77,3 Prozent der betroffenen Anrainer u.a. dafür, dass der Neue Markt autofrei wird und eine Tiefgarage bekommt, teilte Innenstadt-Bezirksvorsteherin Ursula Stenzel am Freitag in einer Pressekonferenz nach der Stimmenauszählung mit. Die Pläne sehen weiters vor, dass der Albertinaplatz umgebaut sowie verkehrsberuhigt und die Seilergasse großteils zur Wohnstraße wird.

Das Projekt wurde bereits Anfang März präsentiert, die endgültige Entscheidung dafür oder dagegen hing vom Ergebnis der Befragung ab. Exakt 5.127 Stimmzettel wurden an die Anrainer geschickt. Diese hatten anzukreuzen, ob sie für oder gegen das geplante Projekt "Neugestaltung Albertinaplatz und Neuer Markt" seien. 1.511 Personen votierten für, 435 gegen das Vorhaben. Neun Stimmen waren ungültig. Stimmberechtigt waren jene Anrainer, die im Umkreis von 300 Metern des neuzugestaltenden Areals leben. "Die Beteiligung von 38,13 Prozent bei einer Viertelbefragung ist absolut eine gute Beteiligung", zeigte sich die Bezirksvorsteherin über das Interesse erfreut.

"Klares und zunzweifelhaftes Voting"

Wegen des "klaren und unzweifelhaften Votum" für das Projekt solle das Vorhaben rasch angegangen werden, so Stenzel. Das Ergebnis sieht sie als politischen Auftrag, "die bestmöglichen Lösungen zu erwirken für ein Ende des Parkplatz-Suchverkehrs, für die Einrichtung von gekennzeichneten Bewohnerparkplätzen, für ein Ende des Buschaos am Albertinaplatz, als Auftakt zu einer gesamten Lösung des Tourismus- und Sightseeing-Buskonzepts für die Innere Stadt".

Bereits kommende Woche wird eine Koordinationssitzung stattfinden, an der u.a. Vertreter der Behörden teilnehmen. Zudem müssten noch einige baurechtliche und eisenbahnrechtliche Verfahren bestritten werden, sagte die City-Chefin.

Mit den Bauarbeiten soll aber bald begonnen werden: "Ich rechne damit, dass hier sehr schnell der erste Spatenstich zu dieser neuen Viertelentwicklung vollzogen werden kann." Wann genau das sein wird, konnte Stenzel aber in der Pressekonferenz nicht sagen. Ebenso wenig gibt es einen Zeitpunkt für die Fertigstellung: "Das kann man jetzt noch nicht sagen."

Jahrelange Debatte

Durch die Befragung soll eine seit vielen Jahren laufende Debatte um das betreffende Gebiet zwischen Staatsoper und Graben beendet werden. Das Straßenbild dort war zuletzt vor allem von Reisebussen und Parkplatzsuchern geprägt. Schon 2006 gab es eine Anrainerbefragung, ob eine Tiefgarage am Neuen Markt gebaut werden soll. Damals sprachen sich die Befragten aber dagegen aus. Das nunmehr geplante Viertelentwicklungsprojekt, für das die Bürger mit Ja gestimmt haben, sieht dies nunmehr vor.

In der Tiergarage sind günstigere Plätze für Bewohner geplant. Insgesamt wird die unterirdische Parkfläche über 350 Stellplätze verfügen - mehr als an der Oberfläche durch die Neugestaltung verloren gehen. Zudem soll es Bewohner- und Anrainerparkplätze in den Seitengassen, die verkehrsberuhigt werden sollen, geben. Die Seilergasse soll großteils zur Wohnstraße werden. Umgestaltet wird auch der Zugang zur Kapuzinergruft.

Entlastung der Kärntner Straße

Im Mittelpunkt des dann autofreien Areals soll der von Georg Raphael Donner zwischen 1737 und 1739 errichtete Providentia-Brunnen - umgangssprachlich Donner-Brunnen genannt - stehen. Er wird ebenfalls restauriert. Am Albertinaplatz und am angrenzenden Helmut-Zilk-Platz sollen unter anderem die Gehsteige verbreitert werden. Eine Reisebuszufahrt ist nicht mehr erlaubt.

Die geplanten Maßnahmen sollen das betreffende Viertel nicht nur vom Autoverkehr entlasten, sondern auch die Kärntner Straße von den Fußgänger-Massen. Denn die nun zur Umgestaltung anstehende Achse verläuft ziemlich genau parallel dazu. Die Gesamtkosten für das sogenannte Viertelentwicklungsprojekt belaufen sich auf 34 Mio. Euro. Den Großteil daran wird jedoch vom privaten Garagenerrichter getragen, auf die öffentliche Hand entfallen 800.000 Euro.

Kritik von Grünen und FPÖ

Kritik gab es nach der Präsentation des Ergebnisses von den Grünen. Es wurde aber nicht
das Ergebnis bemängelt, sondern die Methode: "Tendenziöse Befragungstexte, wie von
Bezirksvorsteherin Stenzel jetzt einmal mehr angewandt, sind für die lokale Demokratie nicht förderlich", ärgerte sich Verkehrssprecher Rüdiger Maresch in einer Aussendung. Der rote Koalitionspartner freute sich hingegen über den "Sieg der Vernunft".

Kritik kam auch von der FPÖ. Georg Fürnkranz, Klubchef der City-Freiheitlichen, erinnerte daran, dass 2006 ein Garagenprojekt am Neuen Markt von Bürgern noch mehrheitlich abgelehnt worden war. "Statt die damaligen Versprechen umzusetzen, hat sie nichts getan und jetzt auf Zuruf der SPÖ mit einer manipulativen Kampagne das Gegenteil propagiert und damit eine Zustimmung zu dem Garagenprojekt bewirkt", ärgerte sich der blaue Bezirkspolitiker. (APA, 23.3.2012)

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ich will raddurchfahrten für den 1. bezirk - und zwar abseits der todesfallen in der herrengasse!

Buschaos am Albertinaplatz

was hat dieses mit der Umgestaltung des Neuen Markts oder gar dem Bau einer Garage dort zu tun?

Die Busse vom Albertinaplatz aussperren, könnte man schon längst, mit und ohne Umbau, besser gestern als morgen.

Römische Ruinen unter dem Neuen Markt werden das Projekt gewaltig verzögern und letztendlich auch verändern.

die römischen Ruinen liegen unter dem Hohen Markt.

Der neue Markt liegt außerhalb des römischen Vindobona, und ist so stark von Kellergewölben unterminiert, dass von allfälligen römischen Ruinen schon seit Jahrhunderten nichts mehr übrig ist.

Anrainerbefragung: 77,3 Prozent für Umgestaltung des Neuen Markts

befragungsergebnis: 77,3 prozent gegen bezahlung der umgestaltung des neuen marktes.
autofreiheit? -> fahverbotstafeln! kost fast nix!
danach Anrainerbefragung mit dem ergebnis:
77,3 Prozent für Umgestaltung des Neuen Markts

mein Hirn

hat jetzt aus den betroffenen Anrainern kurzzeitig besoffene Anrainer gemacht....lol

wie soll der platz "autofrei" werden,

wenn darunter eine garage gebaut wird? dann werden die straßen rundherum noch mehr verstopft sein als jetzt schon.

FPÖ

Gibts keine Volkabstimmung (Parkpickerl) gibts einen Aufschrei, gibts eine Abstimmung, passts auch nicht!

...

"In der Tiergarage sind günstigere Plätze für Bewohner geplant."

Ich bin mir nicht ganz sicher, was davon zu halten ist...

Schräg-Loch-Platz

Ob Freyung, Am Hof, Kärntner Straße an der Oper – alle diese Plätze sind tot aufgrund dieser scheußlichen Autoabfahrten in die Tiefe und der zu ihnen führenden Auto-Rinnen.

Wo sich kein Tiefgaragen-Schräg-Loch befindet, macht ein Loch mit altrömischer Kanalisation den Platz tot (Michaeler Platz).

am hof? da gibts märkte, theaterzelte und sonstige veranstaltungen.

Märkte, Theaterzelte ...

... gute Impulse ...
Und doch bietet der Platz nur einen Bruchteil seiner Möglichkeiten, da er eine Art große Verkehrsinsel darstellt, auf der die Lebensfrohen zusammengepfercht sind und etwa Kinder nicht so einfach mal - ohne Todesgefahr durch fahrende Autos - zu den Treppen der Kirche laufen können, um da im Sommer Platz im Schatten zu nehmen.
Kommt man aus dem frohen Passantengewimmel der Naglergasse, betritt man den Platz wie durch einen Hinterhof und man muss sich, wie an Mülltonnen vorbei, an geparkten Autos und Gitter der Tiefbauten vorbeiarbeiten, bis man etwas vom Festzelt oder Markt mitbekommt.

Sind sie Loch-Platz-Esoteriker?

Loch-Gott?

Zumindest kein Fundi-Anhänger der Religion des Loch-Gotts.

schaun's mal hin zu den Plätzen. Dort herrscht Leben statt Querulantentum.

Wenn auf der Freyung Markt ist, eigentlich der Inbegriff bunten Platz-Lebens, drängt sich dieser auf einer Hälfte zusammen und dreht der Schnellfahr-Rinne seinen Rücken (Bretterwände) zu.
Wenn man sich als Marktbesucher dahin verirrt, ist man plötzlich vom Geschehen abgeschottet und muss sich zunächst einmal vor den Autos in Sicherheit bringen.
Vielleicht herrscht auf diesen Plätzen Touristenleben, weil Wien diesbezüglich quantitativ begünstigt ist, aber nirgendwo ist ein Platz, der zum Verweilen einlädt - Bänke aufstellen könnte ja die Obdachlosen anlocken!
Man tut soviel für die Touristen und will eine schöne nostalgische Kulisse aufbauen - warum die Nostalgie nicht krönen mit einem absoluten Autofahrverbot in der Innenstadt?

"Zudem müssten noch einige baurechtliche und eisenbahnrechtliche Verfahren bestritten werden"

wie habe ich das eisenbahnrechtliche Verfahren zu verstehen???

kriegt der neue markt neben parkgarage auch einen bahnanschluß (etwa st petersburg - wien/neuer markt - paris)???

es ist die U 1

die den platz tangential unterquert-von südost auf nordost.
vide die hässlichen belüftungs+notausstiegschwammerln vor dem SWAROVSKIgeschäft

ich denke, es geht da um enteignungen.

Hmm, gute Frage warum das ein eisenbahnrechtliches Verfahren notwendig ist. Ich könnte mir nur vorstellen, dass - da es ja bis in die 1940er Jahre eine Straßenbahn zum Neuen Markt gab - entweder noch Gleise liegen (unwahrscheinlich) oder noch eine Konzession besteht, die aber aufgelöst werden muss (oder wie auch immer das heißt).

Eher Gedanken mach ich mir über die archäologischen Funde die dort sicherlich auftauchen werden, die werden die Bauarbeiten ordentlich verzögern.

Plepe.

eisenbahnrechtliches Verfahren

weil im Bauverbotsbereich einer Eisenbahn (der U1) gebaut werden soll.

Ja, der 58er und 59er sind einst zum Neuen Markt gefahren.

Die Straße bleibt doch erhalten, was ist daran autofrei?

nichts.
das wurde in den Renderings aber immer schön ausgeblendet.

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