"Der Bachelor" und die Emanzipation

Gastkommentar
23. März 2012, 09:55

Zum Glück zeigt das frauenpolitische Bild jenseits von RTL-Unterhaltungsformaten, dass der Feminismus nicht leiser geworden ist. Aber der Kampf muss weitergehen

Formate wie "Der Bachelor" haben in der Vergangenheit viel Kritik hervorgerufen. Die zweite Staffel des "Bachelors" lief in Deutschland allerdings bisher ohne großen Aufschrei. Dabei ist das Frauenbild, das in der Kuppel-Show vermittelt wird, schlicht frauenfeindlich und diskriminierend. Die Kandidatinnen werden nicht nur als Ware angepriesen - der "Bachelor" darf sie alle ausprobieren und testen, bevor er endgültig "kauft" -, sondern auch in althergebrachte "Weibchen"-Stereotype gepresst. Den Unterschied macht nur die Haarfarbe.

Wozu brauchen wir noch Feminismus?

Zwanzig Kandidatinnen waren auf der Suche nach dem Märchenprinzen. Um den Junggesellen am Ende zu ergattern, brauchten sie keine Hochschul-Zeugnisse vorzulegen. Sie mussten vor allem eines sein: schön und sexy. Dazu noch ein bisschen Party-Smalltalk, fertig war die Prinzessinnen-Anwärterin. Umso erschreckender die Tatsache, dass es sich hier um gut ausgebildete junge Frauen handelte - fast die Hälfte Studentinnen und Akademikerinnen. Ist der Feminismus gescheitert?

Die heutigen jungen Frauen fühlen sich nicht benachteiligt. Warum auch? Sie können heute über ihr Leben selbst bestimmen. Sie leben als Single oder mit Partner(in) ohne Trauschein, sie entscheiden sich für oder gegen Kinder, sie haben Bankkonten und dürfen wählen gehen, in Hosen oder Miniröcken durch die Fußgängerzonen laufen und Kanzler werden. Sie sind so gut ausgebildet wie nie zuvor und sind in der Schule meist besser als Jungs. Sie brauchen sich nicht mehr gegen männliche Unterdrückung aufzulehnen. Wozu brauchen wir also noch Feministinnen - Frauen sind doch gleichberechtigt?

Wir Frauen sind noch nicht am Ziel

Leider ist das ein Trugschluss. Dass es echte Chancengleichheit nicht gibt, und sexistische Darstellungen noch immer ein Zeichen männlicher Unterdrückungsmechanismen sind, beginnen Frauen erst spät zu ahnen. Dass sie bereits als Berufseinsteigerinnen weniger Entgelt und schlechtere Verträge als ihre männlichen Mitbewerber erhalten, wissen sie meist nicht. Über Gehälter spricht man nicht. Später, wenn sie Karriere machen wollen und an den geschlossenen Männerzirkeln scheitern, suchen sie oft noch den Fehler bei sich. Wer Kinder hat, ist sowieso aus dem Rennen. Was muss frau auch Kinder bekommen! Die geschlechtsspezifische Entgeltlücke von 23 Prozent, die sich zu einer Rentenlücke von 59 Prozent auswächst, zeigt deutlich: Wir Frauen sind noch nicht am Ziel.

Zum Glück zeigt das frauenpolitische Bild jenseits von RTL-Unterhaltungsformaten, dass der Feminismus nicht leiser geworden ist und durch engagierte Frauen immer wieder neu belebt wird. Neben vielen anderen Frauenverbänden engagiert sich in Deutschalnd zum Beispiel der Verband "Business and Professional Women (BPW) Germany" für die Frauenquote (Berliner Erklärung), für gleiche Bezahlung (Equal Pay Day) und Chancengleichheit von Frauen.

Und auch die Kandidatinnen des "Bachelor" haben nicht das primäre Ziel, einen Versorger zu ergattern. Sie möchten durch die Show bekannt werden und künftig selbst ihr Geld im Show-Business verdienen. Ärgerlich nur, wenn Frauen dazu zu allem bereit sind. (Henrike Platen, derStandard.at, 23.3.2012)

Autorin

Henrike von Platen, The European, arbeitet als selbständige Unternehmensberaterin und steht dem Verband der Business and Professional Women (BPW) Germany als Präsidentin vor.

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alleine schon die rechnung disqualifiziert sie....23% ÜBER ALLE JOBS!!!

was hat es mit gleichberechtigung zu tun, dass eine frisöse weniger verdient als ein techniker?

das kann man so einfach nciht rechnen...

und das zwar mehr frauen studieren, aber in den wirtschaftlich gefragten MINT fächern 90% männer sitzen ignoreiren wir...

und dann heulen wir rum ,dass die 10.000 psychologinen die keiner braucht weniger verdienen als die ganzen Informatiker die von der wirtschaft gesucht werden...

und dann (als krönung des ganzen) wird den männern kollektiv unterstellt unterdrücker zu sein...klar...ich zwing die ganzen mädels dazu psychologie und publizistik zu studieren...

Und warum

bekommt eine Krankenschwester weniger Gehalt als ein Metallarbeiter?

Also

sind wir Frauen selbst schuld, dass es noch Feministinnen gibt. Würden sie nicht in Shows à la Bachelor auftreten.... Zu blöd auch - und zugleich praktisch, weil so das Feindbild bleibt.

Und kein Wort im Artikel,

dass sich diesen Blödsinn hauptsächlich Frauen ansehen. Genau wie Germanys next Topmodel.

Fernsehen von Frauen, für Frauen, und Frauen die darüber schimpfen.

Wird das Suchverhalten von Maennern richtig abgebildet?

Ich glaub nicht, dass sich Maenner ihre Partnerinnen wegen deren hoher Intelligenz aussuchen.

Bedauernswerter Tor

Empfehle die Sendungen von "Walulis sieht fern" und "Fernsehkritik" auf Videoplattformen

da bekommt man einen Eindruck, wie Privatfernsehen heute arbeitet...

Warum handeln Teilnehmer in Shows und "Dokutainment" oft so, wie sie handeln? Weil sie Knebelverträge unterschrieben haben, bezahlt und ausgebeutet werden und weil es im Drehbuch steht.

in der neuesten Folge von Fernsehkritik (Nr. 88) geht es

um "Ein Bus voller Bräute"... Mindestens gleiche Liga und durchschaubar bis zum geht nicht mehr. Die Zielgruppe müssen die ganz einfach gestrickten der einfach gestrickten unter den Frauen sein, wer um Gottes Willen schaut sich freiwillig sowas an...??? Nicht wenige würden sich wohl lieber zum Waterboarding in Guantanamo melden oder sich eine Autobatterie anschließen lassen als DAS!

Wer will schon die Nachteile eines Männerlebens mitnehmen

Da gibt es so viele unattraktive Begleiterscheinungen bis hin zur unnötig kürzeren Lebenserwartung, da ist es schon besser wenn man sich anbietet.

"Wozu brauchen wir also noch Feministinnen - Frauen sind doch gleichberechtigt?"

ich erlaube mir eine antwort:

weil der kern der feministinnen aus lesben besteht.
& die wollen frauen ueber maenner stellen, oder doch zum. die frau dem manne "angleichen". ein trotziger kampf gegen die natur des menschlichen wesens.
da in jeder lesbischen beziehung eine frau "das maennchen imitiert" (so wie bei schwulen paaren einer das weibchen), komme ich zu dem eindruck, dass diese imitation das ziel der kernfeministen ist.
daher & daran kann der feminismus nur scheitern.

gleichberechtigen ja. gleichmachen nein danke.

Wenn die Frauen nicht wissen wieviel sie verdienen können und das als Akademiker, dann haben sie auch das Gehalt verdient.

Auch jeder Mann hat am Anfang des Berufsleben genauso die selben Probleme, wie kein Netzwerk, nur theoretische Ahnung vom Gehalt etc. trotzdem schafft er es scheinar besser auszukommen.

Wow, interessante analyse des problems...
Epic fail....

Nur so nebenbei, der "Bachelor" selbst war ebenfalls ein Abziehbild von sämtlichen Klischees, die einem "Schnösel" anhaften...

Der arme....

Der Feminismus hat ein Problem: Sozialistische Denkweisen

Der Feminismus stammt aus dem linken Eck. Von dort hat er die Unwissenheit bezüglich Aufbau von Kapital und Macht geerbt. Statt dessen hält die Frauenbewegung beim Staat die Hand auf, um Förderungen, Professuren, Karenzen, Posten und Schutzregelungen zu erbetteln. Reich und damit mächtig wird frau so aber nicht.
Diese Formel hat die letzten Jahrzehnte ganz gut funktioniert und die Frauen beträchtlich weitergebracht, jetzt sind wir aber an einem Punkt angelangt, der durch bloßes Fordern nicht überschritten werden kann. Außerdem sind die Staaten Europas faktisch bankrott, von dort ist künftig nichts mehr zu erwarten.
Die zahlreichen Frauen, die Unternehmen leiten oder gar gegründet haben, zeigen, wie's geht!

Leider geht der feminismus in diesem punkt nicht weiter, sie wollen nur genausogut wie die männer sein...
Das das system ansich pervers ist haben die wenigstens unter ihnen durchschaut und die die es wissen sieht man nicht weil sie sich kein gehör verschaffen können.
Die die du anpreist sind keine feministinnen, das sind lediglich die die es geschaftft haben sich in einem perversen männersystem das auf konkurrenz basiert nach oben zu gelangen.
Das ist dasselbe wie der kampf um frauen beim bundesheer, sie wollen unbedingt den gleichen blödsinn machen dürfen....
Mit feminismus hat das nicht das geringste zu tun, eher im gegenteil.

Genau das will die Emanzipation:

1) Geld
2) Macht
= Gestaltungsspielraum! Der Weg zu gesellschaftlicher Geltung führt über das Geld, d.h. über wirtschaftliche Leistungsfähigkeit. War immer schon so und wird immer so sein. Alles andere ist viktorianische Pseudomoral, verlogen und lebensfeindlich.
Dass Geld = pfui ist, ist eine raffinierte geistige Waffe der herrschenden Elite, um den Pöbel am Aufstieg zu hindern und sich lästige Konkurrenz vom Leib zu halten.

Wenn Geld so eklig ist- müssen Sie es den Männern überlassen. Selbst sind Sie dann arm, aber "gut", und dürfen Ihr Leben lang darüber sudern, dass die Reichen und Mächtigen mit Ihnen Schlitten fahren.

Aus dem Artikel kommt nur eines rüber:

Frauen sind gebildeter denn je, aber trotzdem zu dumm, um zu sehen, dass sie benachteiligt werden. Ist der Artikel jetzt für oder gegen Frauen???

Die Wahrheit ist:
fast ausnahmslos sassen sämtliche Bürokolleginnen vor der Glotze, als Bachelor lief, nur um am nächsten Tag ausführlich gemeinsam darüber zu diskutieren...
und zwar nicht intellektuell feministisch, sondern wild über die Kandidatinnen herziehend :-)

typisch weiber - und das sage ich als frau. kein wunder das viele noch immer nicht ernst genommen werden, frauen sind sich selbst immer noch die größten feinde mit ihrer blöden hinterherschimpferei.

ich denke es ist die weibliche Form des "Konkurrenzkampfes" ;-)

Du passt da auch ins bild, die männergesellschaft hat anscheinend ganze arbeit geleistet...

aber wenn man über die "weiber" generell schimpft hebt man sich ab?;)

Wehleidige Plattitüden

Ich hab zuerst auch gedacht, dass es hier um Niko Pelinkas "Hoch"schulstudium geht, aber nein, eine Frau kräht Diskriminierung, wenn 20 Frauen freiwillig bei dieser Geschichte mitmachen. Waren das noch schöne Zeiten, als wir als Studenten eine Kuh für die Mißwahlen angemeldet haben. Da haben alle gelacht, auch die Frauen.

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