"Der Bachelor" und die Emanzipation

Gastkommentar

Zum Glück zeigt das frauenpolitische Bild jenseits von RTL-Unterhaltungsformaten, dass der Feminismus nicht leiser geworden ist. Aber der Kampf muss weitergehen

Formate wie "Der Bachelor" haben in der Vergangenheit viel Kritik hervorgerufen. Die zweite Staffel des "Bachelors" lief in Deutschland allerdings bisher ohne großen Aufschrei. Dabei ist das Frauenbild, das in der Kuppel-Show vermittelt wird, schlicht frauenfeindlich und diskriminierend. Die Kandidatinnen werden nicht nur als Ware angepriesen - der "Bachelor" darf sie alle ausprobieren und testen, bevor er endgültig "kauft" -, sondern auch in althergebrachte "Weibchen"-Stereotype gepresst. Den Unterschied macht nur die Haarfarbe.

Wozu brauchen wir noch Feminismus?

Zwanzig Kandidatinnen waren auf der Suche nach dem Märchenprinzen. Um den Junggesellen am Ende zu ergattern, brauchten sie keine Hochschul-Zeugnisse vorzulegen. Sie mussten vor allem eines sein: schön und sexy. Dazu noch ein bisschen Party-Smalltalk, fertig war die Prinzessinnen-Anwärterin. Umso erschreckender die Tatsache, dass es sich hier um gut ausgebildete junge Frauen handelte - fast die Hälfte Studentinnen und Akademikerinnen. Ist der Feminismus gescheitert?

Die heutigen jungen Frauen fühlen sich nicht benachteiligt. Warum auch? Sie können heute über ihr Leben selbst bestimmen. Sie leben als Single oder mit Partner(in) ohne Trauschein, sie entscheiden sich für oder gegen Kinder, sie haben Bankkonten und dürfen wählen gehen, in Hosen oder Miniröcken durch die Fußgängerzonen laufen und Kanzler werden. Sie sind so gut ausgebildet wie nie zuvor und sind in der Schule meist besser als Jungs. Sie brauchen sich nicht mehr gegen männliche Unterdrückung aufzulehnen. Wozu brauchen wir also noch Feministinnen - Frauen sind doch gleichberechtigt?

Wir Frauen sind noch nicht am Ziel

Leider ist das ein Trugschluss. Dass es echte Chancengleichheit nicht gibt, und sexistische Darstellungen noch immer ein Zeichen männlicher Unterdrückungsmechanismen sind, beginnen Frauen erst spät zu ahnen. Dass sie bereits als Berufseinsteigerinnen weniger Entgelt und schlechtere Verträge als ihre männlichen Mitbewerber erhalten, wissen sie meist nicht. Über Gehälter spricht man nicht. Später, wenn sie Karriere machen wollen und an den geschlossenen Männerzirkeln scheitern, suchen sie oft noch den Fehler bei sich. Wer Kinder hat, ist sowieso aus dem Rennen. Was muss frau auch Kinder bekommen! Die geschlechtsspezifische Entgeltlücke von 23 Prozent, die sich zu einer Rentenlücke von 59 Prozent auswächst, zeigt deutlich: Wir Frauen sind noch nicht am Ziel.

Zum Glück zeigt das frauenpolitische Bild jenseits von RTL-Unterhaltungsformaten, dass der Feminismus nicht leiser geworden ist und durch engagierte Frauen immer wieder neu belebt wird. Neben vielen anderen Frauenverbänden engagiert sich in Deutschalnd zum Beispiel der Verband "Business and Professional Women (BPW) Germany" für die Frauenquote (Berliner Erklärung), für gleiche Bezahlung (Equal Pay Day) und Chancengleichheit von Frauen.

Und auch die Kandidatinnen des "Bachelor" haben nicht das primäre Ziel, einen Versorger zu ergattern. Sie möchten durch die Show bekannt werden und künftig selbst ihr Geld im Show-Business verdienen. Ärgerlich nur, wenn Frauen dazu zu allem bereit sind. (Henrike Platen, derStandard.at, 23.3.2012)

Autorin

Henrike von Platen, The European, arbeitet als selbständige Unternehmensberaterin und steht dem Verband der Business and Professional Women (BPW) Germany als Präsidentin vor.

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