Kritik an Polizei nach Tod des Serienmörders

23. März 2012, 07:28
  • Polizei-Spezialeinheiten in der Kritik.
    foto:remy de la mauviniere/ap/dapd

    Polizei-Spezialeinheiten in der Kritik.

Operation sei "ohne klares taktisches Schema" ausgeführt worden - RAID-Chef: Täter handelte mit "unerbitterlicher Entschlossenheit"

Toulouse - Nach der Erschießung des islamistischen Serienattentäters von Toulouse beim Zugriff ist Kritik an den Spezialkräften laut geworden. Es müsse gefragt werden, warum es der Polizei-Eliteeinheit RAID als "bester Einheit" der französischen Polizei nicht gelungen sei, einen einzelnen Mann lebend zu fassen, sagte der Gründer einer anderen französischen Spezialeinheit, Christian Prouteau, der Zeitung "Ouest France" vom Freitag. Die Operation sei "ohne klares taktisches Schema" ausgeführt worden.

Prouteau sagte, gegen den in einer Wohnung verbarrikadierten Mohamed Merah hätte Tränengas eingesetzt werden müssen. "Das hätte er keine fünf Minuten ausgehalten." Die Spezialkräfte hätten den 23-Jährigen mit ihrem Vorgehen während der mehr als 30-stündigen Belagerung dagegen dazu "bewegt, seinen 'Krieg' fortzuführen". Die von Prouteau gegründete Gendarmerie-Spezialeinheit GIGN gilt als so etwas wie die Konkurrenz der Raid.

Nervenkrieg

Elitepolizisten war am Donnerstagvormittag nach einem zermürbenden Nervenkrieg in die Wohnung Merahs im südfranzösischen Toulouse eingedrungen. Der algerischstämmige Franzose hatte sich im Bad versteckt und kam laut Innenminister Claude Gueant "mit äußerster Gewalttätigkeit" um sich schießend heraus. Dann sei er mit der Waffe in der Hand aus dem Fenster gesprungen. Dabei erschossen ihn laut Staatsanwaltschaft Scharfschützen.

RAID-Chef Amaury de Hauteclocque sagte der Online-Ausgabe der Zeitung "Le Monde", Merah habe die Polizisten mit einer "unerbitterlichen Entschlossenheit" erwartet. "Es ist das erste Mal in meinem Leben, dass ich jemanden gesehen habe, der uns angreift, obwohl wir ihn gerade angreifen." (APA, 23.3.2012)

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>Die von Prouteau gegründete Gendarmerie-Spezialeinheit GIGN gilt als so etwas wie die Konkurrenz der Raid.<

Würde ich nicht sagen.

Sie ist jene Einheit, die gerufen wird, wenn die RAID sicher überfordert ist.

http://de.wikipedia.org/wiki/Grou... _Nationale

Die Konkurenz spielt sich eher zwischen den Ministerien (Min f. Verteidigung und Min. f. Innere Sicherheit) ab, und das hier auf dem Rücken der (schlechter ausgebildeten) Polizisten, wenn man Prouteau's Ausführungen zu Ende denkt.

Weil diese neue, etwas eigenartige Taktik hätte ja auch ein paar Polizistenleben kosten können.

Der Schaden dürfte sich in Grenzen halten

Das einzig negative an dem ganzen st, daß der getötete Terrorist zum Märtyrer werden könnte. Auf der anderen Seite spart man sich einen unsinnigen und kostspieligen Prozess, bei dem sich der Terrorist eventuell in Szene setzen könnte. Außerdem kann er jetzt nicht mehr freigepresst werden. Insgesamt ist seine schnelle Tötung eine gute Sache.

Sicher, verletzte Polizisten sind ja nicht nenneswert.

*Zynismus off*

notwehr und dergl.

man kann die Sache lange drehen und wenden. am schluss bleibt tatsächlich die frage, warum die raid keinerlei nicht-letalen interventionen gesetzt hat, abgesehen von palaver. dass ein islamist und bekennder killer interesse an "sucide by cop" haben könnte, muss als taktisches szenario eine bekannte option gewesen sein.

wo Problem?

Ich scheine den Kern der ganzen Diskussion hier nicht zu begreifen. Der Typ hatte keine Geiseln und ist jetzt eben dauerhaft außer Gefecht. Alle sollten darüber heilsfroh sein.

weil sich viele aufregen wegen der kritik an raid. man muss aber schon auch sagen, besonders professionell wirkt das nicht das ganze. stundenlange belagerung und am ende ein sinnloser kopfschuss. die cobra hätte das bestimmt eleganter gelöst.

Bei einem, der eine Schutzweste trägt

ist ein Kopfschuss das sinnvollste, das mir dazu einfallen will. Noch dazu wenn er mit einer AK-47 bewaffnet gerade sein Versteck verlässt und dabei um sich schießt.

Wahrscheinlich war Inspektor Jacques Clouseau für diese Aktion verantwortlich.

"Kleine Verschwörung gefällig" natürlich nur als Anregung für kommende Verfilmung

Ein dem Geheimdienst nahestehender Nordafrikaner bekommt einen Auftrag, in 3 aufeinander folgenden Aktionen "Staatsfeinde" zu terminieren. Nach der letzten Aktion wird der Agent plötzlich nicht mehr "geschützt" sondern öffentlich als Alkaida Sympatisant gejagd.

In seinem Versteck aufgespürt verhandelt der Mann noch und versucht die Auftraggeber zu seiner Verteidiung zu erreichen. Langsam dämmert Ihm dass er ein Schlachtopfer ist.

Und der Grosse Sieger ist ein kleiner Politiker, der es zufällig kurz vor der entscheidenden Wahl geschafft hat, Al kaida in Frankreich zu besiegen.

Interessante Verschwörungstheorie ...

aber wenn sich jemand einreden lässt, dass Kinder Staatsfeinde sind, dann hat er entweder mächtig was im Mützerl oder er hat sowieso ein großes Problem mit dem Erkennen vom Wert des Lebens. So oder so, ist schon ok, dass er aus dem Genpool eliminiert wurde ...

Aber es hat nicht seine Wirkung verfehlt.

Die bei den Anschlägen zuvor getöteten Soldaten wurden wohl kaum (schon gar nicht international) so beachtet wie die jüdischen Kinder. Das macht Schlagzeilen und der kleine Bonaparte ist ganz groß rausgekommen. Je länger das Scharmützel dauert, je mehr geschossen und gesprengt wird um so länger und wirkungsvoller ist der französische Zwerg im Rampenlicht gestanden. Da soll mir einer erzählen eine Spezialeinheit braucht 32 Stunden um einen einzelnen Mann - egal wie gut bewaffnet - auszuschalten. Als wenn so eine Einheit kein Betäubungsgas zur Verfügung hätte - lachhaft. Eine einzige grosse Show, nicht ganz so bombastisch wie Bush's 9/11 aber trotzdem sehr zweckdienlich-

Ich hätte ja

die Bric kner zu den Verhandlungen geschickt.
Das wäre gemeiner aber mit weniger Munitionsverbrauch abgelaufen.

das ist nicht vertretbar

da Folter grundsätzlich abzulehnen ist

guter bericht

http://taz.de/Nach-dem-... se/!90162/

In Frankreich wird daher Kritik am Einsatz laut. Der Raid wird vorgeworfen, dass es ihr nicht gelungen sei, einen einzelnen Mann lebend gefangen zu nehmen. Unklar ist zudem, wie es dem Attentäter gelingen konnte, sich derart viele Waffen zu beschaffen, ohne dass der Nachrichtendienst DCRI davon etwas gemerkt hat.

laut franz. quellen wird nicht in frankreich allgemein die kritik laut, sondern es handelt sich bis jetzt um die aussage prouteaus.

zur einordnung: gign (gendarmerie) konkurriert mit raid (polizei). während zu zeiten mitterands und chiracs die gign meist mit solchen fällen beauftragt wurde (zb die befreiung einer af maschine mit ~ 220 passagieren am fh marseille 1994 gegen islamistische terroristen durch ein gign kommando), wird ihr unter sarkozy die raid vorgezogen. es herrscht ein dauernder kleinkrieg über die medien zwischen beiden, die aber auch zusammenarbeiten.

das sollte man bei der bewertung der aussage berücksichtigen.

Also, dass in ganz Frankreich die letzten Tage keine Tränengasgranate aufzutreiben war, war gestern zb. Tagesgespräch bei uns in der Kantine.

Zur Konkurenz zwischen GIGN und RAID :

Die gibt's eigentlich nicht. Das ist eher eine Eifersüchtelei zwischen dem Innenminsiterium (Polizei = RAID) und dem Verteidigungsministerium (Gendarmerie = GIGN).

Grundsätzlich hat die Gendarmerie (und somit auch die GIGN) jedoch in der Bevölkerung das höhere Ansehen als die Polizei (und somit auch die RAID). Und die letzten Einsätze der GIGN lassen den verdacht aufkommen, dass sie nur mehr die Fälle kriegen, die absolut aussichtslos scheinen (zB.: eine von Piraten gekaperte Yacht samt Passagieren befreien).

mich würde ja echt interessieren

wie lange der typ dieses ekelhafte spaktakel in russland oder den usa veranstalten hätte können.

in russland hätten sie ihn ja wahrscheinlich sogar ausgeräuchert, wenn er eine schulklasse als geiseln gehabt hätte.

Jeder gewaltsam herbeigefuehrte Tod

ist ein Verlust fuer die Gesellschaft, egal ob es sich um einen Verbrecher, Moerder, Terrorist, Vergewaltiger, Polizist oder einen von uns handelt.

Der Tod ist sozusagen...

die "Berufskrankheit" und das Restrisiko jedes Terroristen und Attentäters.

Der war gut!

zum glück ahben sie nicht politiker erwähnt
denn da bin ich mir nicht ganz sicher.
denken sie an scheuch, heider...

Sie können von mir aus schreiben, dass die Erschießung unnötig war, aber ein Verlust für die Gesellschaft ist das ganz sicherlich nicht. Es sei denn, Sie meinen eine andere Gesellschaft. Dann müsste man sich aber direkt auch vor Ihnen in Acht nehmen.

Eine Beleidigung der Opfer den Tod dieses Irren als Verlust für die Gesellschaft zu bezeichnen.

Sie sind ein richtig guter Mensch, kommen ganz bestimmt in den Himmel, die ganze Welt liebt Sie und die Mama ist auch sehr stolz.

Verlust für die Gesellschaft?

Die Unschuldigen ja.
Welchen gesellschaftlichen Wert dieser Kindermörder noch gehabt hätte, kann ich nicht erkennen.
Er hat sich seit seinem vierzehn Lebensjahr außerhalb der Gesellschaft bewegt.

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