Obamas Wein

  • Bereits zu Beginn von Obamas Amtszeit riet man ihm auf slate.com, seinen Weinkeller aufzubessern. Die dazumals 500 bis 600 Flaschen seien ein "Beispiel dafür, wie Amerikas Infrastruktur dem Verfall preisgegeben wurde".
    foto: apa/harry hamburg

    Bereits zu Beginn von Obamas Amtszeit riet man ihm auf slate.com, seinen Weinkeller aufzubessern. Die dazumals 500 bis 600 Flaschen seien ein "Beispiel dafür, wie Amerikas Infrastruktur dem Verfall preisgegeben wurde".

Dass der Keller des Weißen Hauses mickrig bestückt ist, weiß Luzia Schrampf

Dass die Weinliste des Dinners beim Besuch von David Cameron bei Barack Obama Mitte März bekannt wurde, ist einem der Gäste zu verdanken. In seinem Weinblog cellartracker.org veröffentlichte Eric Levine das Menü inklusive - mäßig begeisterter - Kostnotizen. Dabei bemüht sich das Weiße Haus, brisante Details wie diese geheim zu halten, nachdem man für die Weinauswahl bei Staatsbanketten regelmäßig Schelte kassiert. So bissen sich Kritiker anlässlich des Dinners mit Chinas Präsident Hu Jintao im Jänner 2011 daran fest, dass zu teure Weine serviert wurden. Bereits zu Beginn von Obamas Amtszeit riet man ihm auf slate.com, seinen Weinkeller aufzubessern. Die dazumals 500 bis 600 Flaschen seien ein "Beispiel dafür, wie Amerikas Infrastruktur dem Verfall preisgegeben wurde".

In Österreich ist das mit dem Verfall nicht anders. In jüngerer Zeit berühren Wein und Politik einander dann, wenn einem Volksvertreter nachgewiesen wird, dass er über die Gebühr gezecht hat - sei es, dass dann der Führerschein abgegeben oder dass die Rechnung von jemandem anderen als dem Zecher beglichen wurde.

Dürnsteiner Katzensprung

Dabei war das Verhältnis von Wein und Staat in früheren Jahren durchaus golden. Zum fundierten Halbwissen gehört, dass der Staatsvertrag mit einem "Dürnsteiner Katzensprung", Grüner Veltliner des Jahrgangs 1954 der Winzergenossenschaft Wachau (heute Domäne Wachau) begossen wurde: Nicht nur beim Bankett anlässlich der Unterfertigung, sondern bereits in Moskau nach den Verhandlungen. Der Name hielt sich gut, besser als die Qualität in manchen Zeiten, sodass man ihn immer wieder aufleben ließ. Zuletzt als "Wachauer Katzensprung", ein angenehmer, klassischer Veltliner Jahrgang 2011 der leichtfüßigen Steinfeder-Kategorie. Nostalgie auch hier: Da es die Lage nach Dürnstein nicht mehr gibt, die angeblich steil war wie ein Katzenbuckel, kommen die Trauben aus umliegenden Weingärten.

Downing Street war übrigens nicht willens, auf Anfrage eines britischen Weinmagazins Stellung zur Causa zu beziehen: Cameron sei schließlich Gast im Weißen Haus gewesen. Und ob es der neue "Katzensprung" mit seinem fröhlichen Etikett je wieder zu Staatsbankett-Ehren bringt, wird im Fall des Falles wohl auch irgendwo nachzulesen sein - und sei es in einem Blog. (Luzia Schrampf, Rondo, DER STANDARD, 23.03.2012)

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