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Man spürt, wie sehr die Pflanzen nach draußen drängen, das stresst den Gärtner.
Die Tage wurden kurz und kürzer. Der Wind blies oft eisig, und das Thermometer kitzelte gelegentlich die Null. Es galt, aufmerksam den Temperaturverlauf zu beobachten, um die frostsensiblen Pflanzen vor der tödlichen Kälte rechtzeitig in Sicherheit zu bringen. Kaum zeigte der Zeiger unter null, schon wurden alle dreißig Pflanzen ausgegraben, eingetopft und in Garage und Stiegenhaus verteilt. Ab diesen zwei Novembernächten hatte es bis Ende Jänner Plusgrade. Eingefahren. Ab diesen zwei Novembernächten schient über Gersthof die Sonne, ab diesen zwei Novembernächten erstrahlten Rasen wie Ziergräser im satten Grün und ab diesen zwei Novembernächten tanzten die Nacktschnecken unter den Natursteinplatten Merengue.
Die Temperatur blieb im positiven Bereich, und die zweieinhalb Monate in Stiegenhaus und Garage vor sich hin kümmernden, ehemals prächtigen Pflanzen hätten von diesem maßlos lauen Winter im Freien wunderbar profitieren können. Doch erstens kommt es anders und zweitens, als man denkt. Doch es gibt eine weitere Gelegenheit, gegen das Wetter zu zocken, sich mit dem Schicksal anzulegen und sich zu beweisen, dass man es eh schon immer besser gewusst hat: die Eisheiligen.
Nächtliches Raunzen
Genauso wie im Spätherbst kann man auch im Frühling gegen den Temperatursturz wetten und die alte Weisheit, die nicht frostresistenten Pflanzen erst nach den Eisheiligen, vulgo nach dem 15. Mai rauszustellen, einfach negieren. Man steht als Gärtner ja auch massiv unter Druck. Man spürt, wie sehr die Pflanzen nach Frischluft, Licht und neuer Erde drängen. Man hört das nächtliche Raunzen der Engelstrompeten in der Garage, übergeht das Hinterherkeppeln der Wandelröschen im Stiegenhaus und ignoriert das Flehen diverser margeritenartiger Chrysanthemen im Fahrradkeller. Aber nur bis Ende März.
Da beginnen die ersten Primeln zu verblühen, die Forsythien geben all ihr Gold, und es ist längst Zeit, die Beete von altem Laub und Gestängel zu befreien. Der Druck der Weggesperrten wird immer größer, und wenn sich der Zeiger des Thermometers solide in den Plusgraden einpendelt, kann man die ersten Eingetopften schon einmal hinausstellen. Wer seine Pflanzen gleich in die pralle Sonne stellt, wird an ihnen das "Brits in Malta"-Phänomen feststellen, seine Pflanzen werden sich häuten, vulgo alle Blätter werden ausbleichen und abfallen, und übrig bleibt ein nur knapp überlebensfähiger Stamm, der nur mit viel Zureden und Verhätscherln wieder zu einer ansehnlichen Pflanze wird.
Der weise Gärtner stellt seine Kellerkinder erstmal in eine schattige Zone, achtet darauf, dass die weichen und chlorophyllarmen Triebe, die im Winter entstanden sind, langsam abhärten, und rückt erst nach Tagen die Töpflinge langsam ins stärkere Licht. Wer sich traut, gewinnt für seine grünen Freunde auf diese Weise rund eineinhalb Monate Freiluftgehege.
Natürliche Abgänge
Wer sich das traut, zockt aber auch, das muss einem bewusst sein. Denn ein Wetterumschwung kommt gerne einmal über Nacht oder im Rahmen einer gärtnerischen Absenz - und das Ergebnis weniger Stunden Frost, gefrierenden Regens und eisiger Winde sieht sagenhaft traurig aus. Frostschäden sind irreparabel, das verzeiht Ihnen die Pflanze nie. Wer allerdings klug zockt, macht es wie die Natur selbst. Man setzt nicht alles auf eine Karte, sondern verteilt seinen Spieleinsatz, also die Überwinterlinge, beim Hinausstellen über einen längeren Zeitraum.
Beginnend mit Mitte März und endend mit Mitte Mai, stellt man sukzessive eine Pflanze nach der anderen ins Freie, man hedget quasi gleichsam etwaige Verluste und bringt auf diese Art entweder alle mit hohem Rebbach in den Sommer oder verzeichnet wenige bis mittlere Verluste, ohne dabei jedoch alles zu verlieren. Und, ganz ehrlich, man braucht ja ohnedies natürliche Abgänge, um beim Gärtner wieder fest in neue Lieblinge investieren zu können. Von wegen Zocken - bewusste Selektion heißt das! (Gregor Fauma, Rondo, DER STANDARD, 23.03.2012)
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Wie feucht und sandig mag's die Fragaria? Die Antwort auf genau diese Frage ist eine süße Denksportaufgabe, meint Gregor Fauma
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Dem Gärtner stinkt die frühe Dämmerung, er steckt die Zehen in den Boden: Tipps für den Knoblauchmonat Oktober von Gregor Fauma
Stellen Sie sich vor, Sie sind Psychiater, und ein Garten kommt zu Ihnen - Redet er ständig vom Dachs, hat er keinen Dach(s)schaden - Das Problem liegt tiefer. Also beim Boden, meint Gregor Fauma
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