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Ken Podziba ist seit zwei Jahren Leiter von Bike New York, einer von der Stadt geförderten Non-Profit-Organisation, die sich der Förderung des Radfahrens und der Verkehrserziehung widmet. Der Columbia-Absolvent (Architektur und Stadtplanung) war zwölf Jahre lang Sportstadtrat.
www.bikenewyork.org
DER STANDARD: Was die meisten Leute über Radfahren in New York wissen, sind die Bike-Messengers. Da gibt es unglaubliche Youtube-Videos über deren todesmutige Fahrten. Stört Sie das nicht in Ihrem Anspruch, den Bewohnern regelkonformes Radeln beizubringen?
Ken Podziba: Nein, wir mögen sie - außer die, die die Regeln nicht befolgen.
DER STANDARD: Aber keiner befolgt doch die Regeln.
Podziba: Tja, es gibt schon viele, die es nicht tun. Da müssen auch die Firmen Verantwortung übernehmen. Die haben viele Immigranten als Boten, die die Regeln nicht kennen. Die wollen wir ansprechen und ihnen erklären, worauf sie achten müssen.
DER STANDARD: Wie sehr hat das Radfahren in der Stadt zugenommen?
Podziba: Ich habe keine genauen Zahlen, aber es explodiert. In den letzten sechs Jahren haben wir die Radwege in den fünf Boroughs um 260 Meilen (ca. 420 km) verlängert, das macht jetzt insgesamt mehr als 700 Meilen (1130 km). Und im Sommer wollen wir mit 10.000 Rädern in Manhattan und Brooklyn das Bikeshare-Programm starten.
DER STANDARD: In vielen europäischen Städten gibt es das bereits. Haben Sie nicht vor Diebstählen und Vandalismus Angst?
Podziba: Ganz ehrlich: nein. Erstens ist New York mittlerweile die sicherste Großstadt der USA geworden. Dann lernen wir aus Fehlern, die andere Städte gemacht haben. Wir haben unsere Räder mehrfach diebstahlsicher gemacht. Zum Beispiel sind ihre Bestandteile mit keinem anderen Rad austauschbar. Wir denken auch, dass die Leute das Angebot mögen werden. Schauen Sie: Die Stadt ist flach; wir sind mehr als acht Millionen Leute; und es ist unglaublich schwer geworden, sich mit Auto oder Taxi fortzubewegen. Alles steht still, die Leute sind ungeduldig - wenn sie sehen, dass da ein Rad wartet, dann werden sie es nehmen.
DER STANDARD: Es hat aber Proteste wegen der Radfahrwege gegeben.
Podziba: Ja, von Autofahrern, die um den Platz auf der Straße fürchten. Aber die große Mehrheit der New Yorker will mehr Radwege.
DER STANDARD: Tauschen Sie sich mit anderen Städten aus?
Podziba: Ja. Das Verkehrsressort arbeitet mit Amsterdam zusammen. Wir von Bike New York sind mit Portland, Montreal, Tokio und anderen Städten in Kontakt.
DER STANDARD: Was außer Verkehrserziehung zählt zu Ihren Aufgaben?
Podziba: Wir organisieren den jährlichen Bike Marathon am ersten Sonntag im Mai. Das ist ein Riesenereignis. Leider dürfen wir nicht mehr als 32.000 Teilnehmer zulassen - und die Startplätze sind am ersten Tag ausverkauft. Wir radeln dann von der Südspitze Manhattans durch alle Boroughs bis nach Staten Island, und von dort kann man die Fähre zurück nehmen.
DER STANDARD: Ein wenig wie der Laufmarathon im November, nur in umgekehrter Richtung.
Podziba: Ja, und gemütlicher, weil es kein Rennen ist. Man hat Zeit, die Stadt in Ruhe zu erradeln. Man kommt ungestört über die Brücken. Die beiden Marathons sind die einzigen Tage, wo man das kann. Die beste Werbung für mehr Rad.
(Michael Freund, Rondo, DER STANDARD, 23.03.2012)
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