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Wiener Schulschwänzbeauftragter sein - das klingt nach einem Menschen, der einschlägige Cafés aufsucht, sich vormittags in Einkaufszentren herumtreibt und notorische Schulstundenverpasser aus der Wohnung klingelt. Horst Tschaikner ist zwar eine große, breitschultrige Erscheinung, der man auf den ersten Blick zutrauen würde, an all diesen Orten jungen Leuten Respekt einzuflößen. Allerdings muss und soll der vom Wiener Stadtschulrat eingesetzte Schulschwänzbeauftragte all dies gar nicht tun.Seine Aufgabe ist vor allem kommunizieren - mit Lehrern, Direktoren und Eltern. So beschreibt der Stadtschulratsmitarbeiter ganz jugend-slangfrei seine am Donnerstag bekanntgemachte neue Funktion. Denn: "Ignorieren kann das Problem verstärken", sagt er.
Nicht den zu strawanzenden Schülern soll er also ins Gewissen reden, sondern Daten über ihr Tun sammeln und Hilfe anbieten (unter anderem am Telefon unter 01/525 25-771 11). Mehr Lohn oder einen Dienstwagen soll Tschaikner für diesen Auftrag laut Stadtschulratspräsidentin Susanne Brandsteidl nicht erhalten.Geboren 1966, wächst Tschaikner in Feldkirch in Vorarlberg auf, wo er auch die Schule besucht.
Bildungsweg mit Kurven
Fragt man ihn, wann er maturiert hat, muss der 45-Jährige nachrechnen, denn ganz direkt verlief sein Bildungsweg nicht. Als Teenager gefällt ihm die Vorstellung, an Autos herumzubasteln. Er bricht das Gymnasium ab und macht eine Kfz-Mechaniker-Lehre, erkennt aber bald, dass "diese Arbeitswelt mir doch nicht entspricht" und maturiert 1987 am Feldkircher Oberstufenrealgymnasium. Danach absolviert er die pädagogische Akademie. Zunächst unterrichtet Tschaikner in seiner Heimatstadt, dann geht er für eineinhalb Jahre nach England, wo er in der Grafschaft North-Hamptonshire in einer Kleinstadt an einer Gesamtschule und einem College unterrichtet. Danach lehrt er zwei Jahrzehnte an Wiener Haupt- und Berufsschulen, bis er zum Stadtschulrat kommt, wo er in der Abteilung für Bildungsforschung am Wiener Lesetest mitarbeitet.
Eigene Kinder hat Tschaikner keine, für diese Aufgabe dürfte ihn aber zusätzlich qualifiziert haben, dass er selbst in seiner Freizeit "sehr gerne" liest. Auf Selbsterfahrung mit unentschuldigten Fehlstunden kann er für die neue Funktion nicht zurückgreifen, denn Schulschwänzer war er keiner. Das Problem sei ihm aber, so versichert er, "eine echte Herzensangelegenheit". Gudrun Springer
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