Essen mit Nebenwirkungen

Kommentar22. März 2012, 20:29
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Die österreichische Landwirtschaft pflegt es meisterhaft, sich hinter der Fassade der heilen Welt zu verstecken

Eine Hühnersuppe war schon immer die beste Medizin. Angesichts der Tonnen an Antibiotika, die in die Tiermast gestopft werden, könnte sich dafür bald der wissenschaftliche Nachweis erbringen lassen. Österreichs Fleischbranche muss sich künftig jedoch nicht nur Sarkasmus gefallen lassen, sondern vor allem bohrende Fragen.

Wie kann es sein, dass die Probleme rund um den starken Einsatz von Medikamenten in der Nutztierhaltung jahrelang schöngeredet wurden? Warum braucht es erst internationale Labors, um einzelne riskante Bakterien auch in österreichischen Lebensmitteln offenzulegen? Und wieso wollen viele immer noch nicht wahrhaben, dass mit einem Hendl zum Kilopreis von oft gerade einmal drei Euro im Supermarkt etwas im Argen liegt?

Die österreichische Landwirtschaft pflegt es meisterhaft, sich hinter der Fassade der heilen Welt zu verstecken. We- he dem, der an den idyllischen kleinbäuerlichen Strukturen zweifelt. Keiner will eine ganze Branche an den Pranger stellen. Werden Schwachstellen aber systematisch verleugnet, müssen die Alarmglocken schrillen.

Der bestehende Fleischbedarf lässt sich nur mit Massentierhaltung decken, das gilt auch für den Biomarkt, anderes zu glauben, ist naiv. Sauer macht die Scheinheiligkeit. Statt süße Schweine vor die Kamera zu holen, gehören Produktionsabläufe mit ihren Nebenwirkungen transparent gemacht. Kunden haben ein Recht auf die Wahrheit. (Verena Kainrath, DER STANDARD, 23.3.2012)

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