Wie man eine Spirale des Todes erzeugt

Wenn Wanderameisen im Kreis gehen, dann tun sie das mit aller Konsequenz

Südamerikanische Wanderameisen haben keinen besonders guten Ruf. Es existieren nicht wenige Filme und noch viel mehr Romane, in denen sie eine unrühmliche Nebenrolle spielen als Vernichter ganze Vieherden, die auch vor menschlichen Opfern nicht Halt machen. Ihr Image als allesvernichtender lebender Teppiche kommt jedoch nicht von ungefähr: Schwere Panzerung, scharfe Macheten als Kieferzangen und eine buchstäblich blinde Furchtlosigkeit gegenüber Opfern, die hundertmal größer sind als sie selbst, machen sie zumindest bei Kleinsäugern, Spinnen und anderen Insekten zu gefürchteten Räubern in den lateinamerikanischen Regenwäldern.

Die Physiologie ihrer Soldaten und ihre Navigationsmethode bergen aber auch gefährliche Fallen. Die Soldaten der meisten Wanderameisenarten sind augenlos und verlassen sich bei ihrer Wanderschaft durch die Vegetation ausschließlich auf chemische Richtungsweiser, die voraus marschierende Exemplare ihres Zuges ausgelegt haben. Dabei hinterlassen sie selbst eine Duftspur, was die "Straßenmarkierung" weiter verstärkt. Ab und zu kann es vorkommen, dass eine Ameise über eine ältere Spur stolpert, die an einen zurückliegenden Punkt des Weges führt: sie geht sozusagen im Kreis. Bald folgen andere und im nu stecken hunderttausende Wanderameisen in einem - letztlich oft todbringenden - Strudel. Schaffen sie es nicht, der verhängnisvollen Tretmühle zu entkommen, dann marschiert der ganze Trupp, bis er vor Erschöpfung stirbt. Der "Biologie"-Blog der Seite io9 hat einige Video-Beispiele für Ameisen-Todesspiralen zusammengestellt:

--> io9.com: How to create an ant spiral of death

(red, derstandard.at, 22.3.2012)

 

Share if you care.