Ein Bier wie ein Gebet

  • Jederzeit Zeit für ein Starkbier, das den Herrn preist: Im Kloster 
Engelszell betreibt Abt Marianus die einzige Trappistenbrauerei im 
deutschen Sprachraum.
    foto: walter luttenberger

    Jederzeit Zeit für ein Starkbier, das den Herrn preist: Im Kloster Engelszell betreibt Abt Marianus die einzige Trappistenbrauerei im deutschen Sprachraum.

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Achel, Chimay, La Trappe, Orval, Rochefort, Westmalle und Westvleteren - in diese Reihe von Trappistenbieren gesellt sich nun Engelszell

Der Trappistenorden ist für seine Schweigsamkeit bekannt - auch wenn das Schweigegelübde längst gelockert ist. Viel Aufhebens macht man jedenfalls nicht von dem, was man in Engelszell tut: Die Trappistenmönche dort folgen dem Gebot "ora et labora", sie beten schon zu nachtschlafender Zeit ihr Morgengebet und verrichten dann ihr Tagwerk. Dass zum Tagwerk in diesem 1293 gegründeten Kloster zwischen Passau und Eferding seit einigen Wochen die Bierbrauerei gehört, wird die Beschaulichkeit ein wenig stören, weiß Abt Marianus.

Denn das Bier, dessen ersten beiden Sude noch nicht ausgereift sind und gerade erst vorverkostet werden können, ist schon vor der ersten Flaschenfüllung heiß begehrt: Man weiß, dass die raren Biere aus den Braustätten des Trappistenordens eine besondere Qualität haben. Sie sind stark, sie sind gehaltvoll, und sie sind rar - was die Nachfrage erst recht erhöht.

"Authentic Trappist"

In der flandrischen Abtei Westvleteren muss man sich über das Internet anmelden, wenn man zu den Glücklichen gehören will, die vielleicht eine Kiste Bier kaufen dürfen. Auch den anderen Trappistenbrauereien - sämtlich in Belgien und den Niederlanden - wird das mit "Authentic Trappist" etikettierte Bier aus der Hand gerissen.

In Engelszell ist noch kein derartiges Vormerksystem installiert - aber die Lieferverträge für die USA sind unter Dach und Fach. Es kann gut sein, dass die Biere aus Engelszell in den Bierbars von Manhattan leichter zu bekommen sein werden als in den Bierlokalen von Linz.

Zwei Sorten werden es sein: ein helles Double mit einer leuchtenden, von Orange bis Bernstein schimmernden Farbe und einem fruchtigen, an Bananen, Äpfel und Zwetschken erinnernden Duft. Der Antrunk ist vollmundig mit leichter Süße - die im fertigen Produkt wahrscheinlich etwas zurücktreten wird. Man hat den Eindruck, einen Honiglebkuchen zu trinken und wird durch die erst sanft sich andeutende, dann immer wuchtiger werdende Bittere daran erinnert, dass es Bier ist, das man hier im Glas hat. Prickelnd und trocken klingt der Nachtrunk aus.

Sehr, sehr satter Antrunk

Gebraut wurde dieses Bier von Peter Krammer, Besitzer und Braumeister in der nahen Hofstettner Brauerei. Er hat den Mönchen Starthilfe bei der Einrichtung der Brauerei und den ersten Suden gegeben, die nun in der neu errichteten Brauerei auf die Abfüllung warten. Im zweiten Tank hat Krammer ein dunkles Bier, das er Triple nennt (obwohl in den meisten anderen Abteien Double dunkel und Triple hell ist).

Noch hat dieses Bier wenig Schaum - erst in der letzten Gärungsphase wird es sich stärker mit CO2 anreichern - aber es beweist schon jetzt, dass so etwas wie himmlischer Segen auf den Trappistenbieren liegen muss: in sehr dunklem Kastanienbraun, fast schwarz schimmert es im Glas, auch hier riechen wir (neben Kakao, Kaffee und frischen Sägespänen) vor allem Früchte oder vielleicht auch Früchtekuchen. Erster Schluck: ein sehr, sehr satter Antrunk. Überraschend, wie wenig Süße hier hinter all der Vollmundigkeit zu schmecken ist. Und dann wieder die Bittere: kompromisslos und trocken. Preiset den Herrn! (Conrad Seidl, Rondo, DER STANDARD, 23.03.2012)

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