Anschläge in Toulouse: Nutznießer Sarkozy

Blog | Stefan Brändle aus Paris
21. März 2012, 19:54
  • Sarkozy kann sich als "Beschützer der Nation" inszenieren.
    foto: reuters/wojazer

    Sarkozy kann sich als "Beschützer der Nation" inszenieren.

Sarkozy kann sich aufgrund der Anschlagsserie von Toulouse als Troubleshooter präsentieren, der für Recht und Ordnung sorgt

Einen Monat vor den Präsidentschaftswahlen ist Nicolas Sarkozy wieder einmal im Element. Sogar die regierungskritische Zeitung Le Monde räumt ohne Wenn und Aber ein: "Die Affäre um den Killer von Toulouse und Montauban ist ein Erfolg für den amtierenden Präsidenten." In den Umfragen zurückliegend, aber langsam aufholend, kann sich Nicolas Sarkozy nun erneut als der Troubleshooter präsentieren, der für Recht und Ordnung sorgt und die Nation "beschützt" - ein Wort, dass die präsidialen Kommunikationsberater seit Wochen im Mund führen. François Hollande, der bisher so souveräne sozialistische Rivale, versucht verzweifelt, den Ereignissen zu folgen und staatsmännische Erklärungen abzugeben. Sie werden kaum gehört - während Sarkozy als Staatschef die aktive Rolle spielt. Er besuchte als erster die Tatorte und am Mittwoch das Viertel in Toulouse, wo sich der Serienmörder verschanzt hatte.

Danach hielt der Präsident die Trauerrede für die erschossenen Soldaten. "Die Republik ist nicht gewichen, sie ist nicht schwach geworden", meinte er am Mittwoch in Montauban, wobei er die Erschiessung drei jüdischen Schulkindern, einem Rabbiner und drei Soldaten als "terroristische Hinrichtung" bezeichnete. "Seine Verbrechen werden nicht ungesühnt bleiben", versprach er, während der mutmassliche Täter fünfzig Kilometer weiter in Toulouse noch "umzingelt" war, wie Sarkozy anfügte.

Zuvor hatte der Staatschef gemessen erklärt, man dürfe "weder einem Amalgan noch der Rache aufsitzen". Gemeint war, die Islamisten und die grosse Mehrheit der Moslems nicht in den gleichen Topf zu werfen - und keine Todesstrafe für den Täter zu verlangen. Genau das zieht die Front-National-Kandidatin Marine Le Pen als eine Möglichkeit in Betracht.

Die Rechtsextremistin warf Sarkozy am Mittwoch vor, er habe die Islamistengefahr unterschätzt. Die grüne Kandidatin Eva Joly kritisierte allgemein "diskriminierende und stigmatisierende Reden", womit sie Sarkozys Wahlkampfvoten gegen Immigranten und Arbeitslose meinte.

Fragen über die Rolle des Geheimdenstes

Dem Präsidenten machen allerdings nicht diese verbalen Scharmützel Sorgen. Es sind drei andere Punkte.

Laut Pariser Medien wies Sarkozy subalterne Berater und Minister an, keine selbständigen Presseerklärungen zu "Toulouse" abzugeben. Offenbar befürchtet das Elysée, dass der Erfolg in letzter Minute durch einen Fehler zunichte gemacht werden könnte - wie 2004 in Spanien, als Regierungschef José Maria Aznar die Anschläge von Madrid zuerst fälschlicherweise der Baskenorganisation ETA zuwies und darauf die Wahlen verlor.

Die Linksopposition wird zudem genau nachprüfen, was der Geheimdienst von dem Täter im voraus gewusst hatte oder hätte wissen müssen. M. stand mit islamistischen Kreisen in Verbindung, wurde aber nur punktuell überwacht. Sollte sich erweisen, dass die Polizei unter dem Sarkozy-Vertrauten und Innenminister Claude Guéant geschlampt hatte, könnte sich der schnelle Erfolg bei der Suche nach dem Täter noch viel schneller in einen wahlpolitischen Bumerang verwandeln.

Möglicherweise doch Le Pen der große Nutzniesser

Und drittens frage man sich im Elysée, ob letztlich nicht Marine Le Pen die grosse Profiteurin der Anschläge sein könnte. Sie will dadurch gegenüber Sarkozy so stark aufholen, dass das Szenario 21. April 2002 für wieder in Griffweite rückt. Damals drang Jean-Marie Le Pen sensationelle in die Stichwahl. Jetzt muss nicht so sehr Hollande, sondern Sarkozy eine Wiederholung befürchten. Doch selbst wenn Le Pen dank „Toulouse" zulegen sollte: Diesmal wird auch Sarkozy profitieren. Jede Tragödie hat ihre Nutzniesser. (derStandard.at, 21.3.2012)

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screenshot jede Minute

Eines muss man Sarko lassen

Seine Auftritte im Rahmen der Trauerfeierlichkeiten - das hätte kein Hollywood-Star besser hingekriegt.
Chapeau - das ist große Kunst.

Laut OE1 Mittagsjournal ist Sarkozy auf keinen Fall der große Gewinner.
Ist das vielleicht der Wunschtraum des 'Standard'?

Wie sich das FBI Terroristen züchtet

http://www.guardian.co.uk/world/201... -informant

origineller Hilferuf:

"helft meiner Weltanschauung, glaubt, dass alles gaaaaanz anders war!!!!"

Klar doch für egal9:

Mohamed Merah war in Wahrheit vom FBI.

Und das habe ich wo genau behauptet?

ich finds extrem geschmacklos

angesichts von Anschlägen von einem Nutznießer zu sprechen. Nutznießer ist in dieser Sache genau gar keiner.

ich gebe ihnen recht...

das war auch mein erster Impuls vor dem Lesen des Artikels (und jetzt auch danach). Man kann Sarko mögen oder nicht, das sei jedermanns Sache, aber es klingt förmlich so, als käme ihm so ein grausliger Anschlag gelegen. Man kann auch einmal einfach mal zugeben, dass er, bzw. der Apparat, da verdammt schnell zum Ziel gekommen sind und somit fast sicher einen Haufen Leben gerettet haben. Alles andre entscheiden Wähler an der Urne!

Und die Angst der Linken vor Machtverlusten

soll gefälligst Sarkozy moralisach das Gschmäckle geben! (2/2)

weil sie mir leid tun...

helfe ich ein bisschen(jedes lexikon tuts):
http://de.wikipedia.org/wiki/Rech... xtremismus

Trifft auf diesen Täter genauso wie auf Breivik zu. Alle religiös oder aufgrund Rassenunterschiede motivierte Taten sind "rechtsradikal".

...Beispiele für Linksradikale:
http://de.wikipedia.org/wiki/Link... xtremismus

Ihr Gedankengang "Ausländer/Moslem = NICHT Rechtsextrem" ist so primitiv wie falsch. Wir "Weiße" haben schlicht kein Monopol auf Rassismus und Fremdenfeindlichkeit.

Offensichtlich:

Anhänger der Linken machen sich hier Sorgen!

Die Ereignisse (Realität) laufen falsch. Der Täter hat Migrationshintergrund und ist Moslem! Doch in dieser Zielgruppe fischt die Linke doch viele Wähler. Gerade darum werden hier Deals ausgehandelt: Gewinnt Hollande die Wahl, dann wird umverteilt: Posten, Chancen, staatliche Zuwendungen, ... (soviel konnte Rachida Dati unter Sarkozy gar nicht ausgeben, was da an Umverteilungen in Frankreich bevorsteht).

Die Wähler dieser Gruppe müssen nach diesen Morden doch leider etwas "differenzierter" umworben werden.

Die Dissonanz zwischen Sein und Schein wird also verdeckt:

der Mörder sei ja in Wirklichkeit auch nur ein Rechtsradikaler, lese ich hier im Forum mindestens zweimal. (1/2)

geschmacklos, ja, aber falsch? nein.....

Bei uns hätte es vermutlich einen Aufschrei der Bevölkerung gegeben das die Polizisten bewaffet waren.

Profiteure

Hätte irgendein rechter Journalist die Unverschämtheit besessen, die norwegischen Sozialisten als Nutznießer des Breivik-Dramas oder den Grünen Cem Özdemir als Profiteur des NSU-Terrors darzustellen?

http://aron2201sperber.wordpress.com/2012/03/2... utznieser/

Ja, dass das dem Sarkozy hilft, habe ich befürchtet. Aber als absoluter Nichtfan muss ich zugeben, dass die Rede bei der Gedenkfeier absolut in Ordnung war.
Was Sarkozy aber schaden könnte, ist, dass der Attentäter dem Geheimdienst bekannt war, und trotzdem morden konnte.
(Übrigens, das Wort heißt auch auf Deutsch "Amalgam". Das kann der Strache bestätigen.)

Wird sowieso ganz schnell verpuffen (noch schneller, falls irgendwelche Ermittlungspannen oder Fehlentscheidungen o.ä. aufgedeckt werden sollten), wahrscheinlich zu schnell, zumal er sich den jetzigen Vorteil wohl mit Marine Le Pen teilen muss, die das Ganze ja auch ungenierter und in mehrfacher Hinsicht ausschlachten kann und iU auch keine politische Verantwortung für die Gesamtsituation trägt.

Ist das nur Zufall, dass so ein Anschlag kurz vor einer Wahl stattfindet, in der die konservative Partei um den Sieg zittert? War ja schon 2004 in Spanien so - und 2005 in London (allerdings kurz nach der Wahl). Zufälle gibts...

juhu wir haben wieder conspiracy-season!
ich hol gleich das popcorn raus...

und die damalige spanische Regierung war so blöd es der ETA in die Schuhe schieben zu wollen, und hat die Wahlen haushoch verloren

das ganze rechts-links Gelabere...

...ist doch absoluter Blödsinn.

Der Attentäter war Rechtsradikal-ebenso Breivik.

Und das Staatsoberhäupter aus solchen Anschlägen politisch Gewinn schlagen wollen ist ebenso normal und nicht auf Sarkozy beschränkt.
Schließlich versucht es auch der sozialistische Kandidat und ebenso geschah es -mit Erfolg- in Schweden durch einen Sozialisten.

Einzig die geforderten Maßnahmen unterscheiden sich(links: mehr Freiheit, mehr Miteinander usw...rechts: mehr Überwachung, mehr Polizeibefugnisse).

"links: mehr Freiheit, mehr Miteinander usw..."

Von Stalin bis zum Steuersatz von 80% zur Finanziewrung sozialistischer Gleichmacherei! Wo bitte bietet Links mehr Freiheit?

Und wie kommst du darauf, dass der Angreifer rechtsradikal war??? Und was soll das mit Schweden zu tun haben?

Politik der Gefühle.

...

Wenn Sarkozy wirklich von dieser Geschichte profitieren sollte, dann hängt er garantiert mit drin! Spätestens der Anschlag auf die Schule wäre zu verhindern gewesen, denn da wussten schon Polizei und andere Behörden und mit Sicherheit auch Sarkozy bescheid. Meine Vermutung: Mössyö wollte wahrscheinlich noch abwarten mit dem Zugriff, weil er die Sache für seinen Wahlkampf zeitlich günstiger platzieren wollte. Die toten Kinder gehen deshalb auch auf den Machterhaltungstrieb von Sarkozy. Er hätte es verhindern können, ließ es aber laufen! Am ekelhaftesten finde ich seine gespielte Anteilnahme vor den Kameras.

ekelhaft finde ich eher noch ihre fantasievollen unterstellungen

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