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Mit extremen Ansichten ist keine Lösung zu erzielen
Spekulation ist böse; erst recht, wenn sie Nahrungsmittelpreise betrifft. Solche Aussagen sind in der breiten Bevölkerung durchaus mehrheitsfähig, wie die rege Unterstützung für Aktionsplattformen wie Foodwatch zeigt: Über 57.000 Menschen haben über eine E-Mail-Aktion die Deutsche Bank aufgefordert, gänzlich aus der Spekulation mit Agrarrohstoffen auszusteigen.
Wie verfahren die Fronten in diesem Punkt sind, zeigt die einseitige und populistische Namensgebung seitens Foodwatch: Die E-Mail-Aktion lief unter der Bezeichnung "Hände weg vom Acker, Mann", ein Report zu diesem Thema trug den Titel "Die Hungermacher". Dennoch konnten die Aktivisten in dieser Woche einen Teilerfolg verzeichnen, indem die Deutsche Bank ankündigte, heuer keine börsenotierten Anlageprodukte auf Grundnahrungsmittel aufzulegen. Zudem hat Deutschlands größte Bank eine Arbeitsgruppe eingesetzt, die dieses Thema weiter analysieren soll. Diese Ankündigungen sind kaum mehr als ein Feigenblatt, außerbörslich kann die Deutsche Bank im großen Stil weiterspekulieren.
Die Banker argumentieren, dass die steigende Weltbevölkerung, mehr Wohlstand, veränderte Ernährungsgewohnheiten oder die zunehmende Verbreitung von Biosprit für Preisanstiege verantwortlich seien. Zudem erfüllen Termingeschäfte eine wichtige Funktion in der Herstellungskette von Lebensmitteln: Bauern sichern sich fixe Abnahmepreise schon vor der Ernte, Weiterverarbeiter können mit fixen Rohstoffkosten kalkulieren. Wenn auch Spekulanten in diese Märkte einsteigen, wird es dennoch problematisch: Sie erzeugen zwar keine nachhaltigen Preistrends - diese entstehen durch realwirtschaftliche Vorgänge -, können diese jedoch beschleunigen und verstärken. Das macht es für Produzenten und Abnehmer umso wichtiger, sich gegen starke Preisbewegungen am Terminmarkt abzusichern. Womit wir an dem Punkt angelangt sind, an dem sich die Katze in den eigenen Schwanz beißt.
Tatsächlich sind Lebensmittel im sehr langfristigen Vergleich nicht teuer, alleine deshalb droht ein Preisschub in den kommenden Jahren (siehe Seite 14). Sollte das tatsächlich eintreten, wäre die Chance auf eine sachliche und weitgehend emotionsfreie Diskussion vertan. Deshalb sollte sich die Staatengemeinschaft zügig darum bemühen, eine für alle Seiten tragbare Lösung für das Spannungsfeld Nahrung und Finanzmärkte zu erreichen. Stärkere Regulierung, mehr Transparenz und Zugangshürden für reine Spekulation sind mögliche Ansätze. Wie so oft liegt die Vernunft in der Mitte zwischen zwei Extremen.
Rückfragehinweis: Wirtschaftsblatt Verlag AG Tel.: Tel.: 01/60117 / 300 mailto:redaktion@wirtschaftsblatt.at
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OTS0250 2012-03-21/18:15
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