Löschen, nicht nur sperren

Kommentar | Michael Simoner, 21. März 2012, 18:48

Eine nationale Firewall gegen Kinderpornografie im Internet ist zu wenig

Sperren oder löschen? Das ist die oft gestellte Frage, wenn es darum geht, strafrechtlich relevante Inhalte aus dem Internet zu entfernen. Nicht nur in Österreich, auch auf EU-Ebene werden diese Möglichkeiten vor allem im Zusammenhang mit kinderpornografischen und neonazistischen Inhalten immer wieder diskutiert. Brisant ist diese Auseinandersetzung deshalb, weil im Global Village unterschiedliche nationale Bestimmungen kollidieren.

Technisch ist es beispielsweise kein Problem, eine österreichweite Sperre zu veranlassen, ohne einen ausländischen Betreiber der Seite um Zustimmung zu fragen. Die Seite ist dann einfach in Österreich nicht mehr erreichbar, im Ursprungsland und in anderen Ländern aber schon. Im Fall von sexueller Ausbeutung von Kindern hätte die Akzeptanz einer derartigen Sperre wohl eine breite Zustimmung. Dies auch deswegen, weil Gewalt gegen Kinder glücklicherweise weltweit geächtet wird, unabhängig von ideologischen Weltanschauungen.

Aber was, wenn es um NS-Wiederbetätigung oder das Leugnen des Holocausts geht? Unter (hoher) Strafe stehen derartige Delikte in Österreich, in Deutschland und teilweise noch in anderen Ländern. In den meisten Staaten wird hingegen die Meinungsfreiheit grundsätzlich höher bewertet. Und auch heimische Neonazis beweisen immer wieder, wie einfach es ist, vom Ausland aus ihre Ansichten zu verbreiten.

Im Fall der Alpen-Donau-Nazis ist es zwar - unter nicht ganz geklärten Umständen - gelungen, einen US-Server zum Löschen der Seite zu bewegen. Abgesehen davon, dass die rechten Recken (trotz zwischenzeitlicher Verhaftungen in Österreich) unter einer anderen Domain längst wieder im Netz sind, hat damals wie heute aber niemand eine Sperre gefordert.

Der Ruf nach Zensur ist also grundsätzlich abhängig von gesellschaftlichen Rahmenbedingungen. Das treibt nicht nur in China oder Russland, wo politisch unerwünschte Inhalte gesperrt werden, seltsame Blüten. Als im Vorjahr in England die Jugendkrawalle losgingen, forderten Politiker, dass bestimmte Netzwerke gesperrt werden, um die Kommunikation von angeblichen Rädelsführern zu unterbinden. Die Maßnahme wurde zwar nie umgesetzt, aber allein die Idee zeigt, wie schnell es auch in Großbritannien mit der dort sonst so hoch gehaltenen Redefreiheit vorbei sein kann.

Abgesehen von der grundsätzlichen Frage, ob schwere Verbrechen beziehungsweise deren Verhinderung möglicherweise Zensur rechtfertigen, muss man aber auch im Einzelfall die Sinnhaftigkeit überprüfen. Gerade im Kampf gegen Kinderpornografie sind Web-Sperren wohl kein geeignetes Mittel. Denn dass Österreich (oder Europa) seine Firewall hochfährt, in anderen Ländern die Bilder und Filme aber weiter im Netz bleiben, ist keine zufriedenstellende Lösung. Wie immer gilt es, das Problem an der Wurzel zu packen, und die liegt dort, wo grässliche Inhalte hochgeladen werden. Ziel muss also das endgültige Löschen von inkriminierten Daten sein.

Nicht zu unterschätzen ist zudem die selbstreinigende Kraft im globalen System. Die Mehrheit der User zieht am gleichen Strang, wie Meldungen über illegale Inhalte zeigen. Dass die Hinweise auf kinderpornografische Abbildungen jetzt zurückgegangen sind, bedeutet sehr wahrscheinlich, dass das Angebot im WWW bereits weniger geworden ist. (Michael Simoner, DER STANDARD, 22.3.2012)

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Das ganze Bla-Bla dient eh nur dazu den Aufbau von Zensurinfrastruktur zu legitimieren und der Content-Mafia ein paar neue Tools zum sekkieren der Leut in die Hand zu geben. Abgesehen davon, dass das Wording an sich widerlich ist: Die Dokumentation von Kindesmissbrauch hat eigentlich genau Null mit Pornographie zu tun. Erbärmlich Polit-Schranzen, die mit dem Leid der Opfer versuchen politisches Kleingeld zu machen...

jeder wirkliche experte sagt, dass pädophile ihre bilder nicht über das web tauschen, sondern darknets haben, die von sperren nicht betroffen sind. die porno-seite, wo es einschlägiges material gibt, die existiert nicht.
sperren sind daher komplett sinnlos. solches material wird nicht öffentlich angeboten. das ist reine stimmungsmache und hat mit fakten nichts zu tun. warum schreibt herr simoner so einen unsinn?

Einfach an Anonymous..

..weiterleiten die haben schon ne nette Art mit Leuten umzugehen die Kinderpornos verbreiten.

Sie Ahnungsloser!

Das hätten Sie wohl gern! Nur leider liegen kinderpornographische Inhalte nicht auf Webservern herum und sind daher kein Ziel für DDoS-Attacken, SQL-Injections oder Google Dorks. Und daher sind sie auch auch nichts, wogegen Anonymous-Schoitln irgendwas unternehmen könnten.

Diese Diskussion dient nur als Vorwand, um fadenscheinige Gründe zu liefern, die weitere und gravierendere Privatsphären-Verletzungen rechtfertigen sollen.

"Löschen" an sich - das war einmal!

Schau'n Sie sich um im "Saturn" oder in einem ähnlichen Laden: unter 10 GB - und das schon im Sub-Taschenformat - geht bei Datenträgern, und zwar durchaus auch den billigsten, nichts mehr! Datenspeicher ist zu billig und viel zu einfach zu handhaben geworden, als dass nicht von jeder Art Datenmaterial, das nur vielleicht noch von Interesse sein könnte, praktisch im gleichen Moment, in dem es online ist, schon unzählige Kopien an unzähligen Orten gezogen worden wären - Kopien, die dann immer wieder aus dem Nichts auftauchen.
Allein Vergessen wäre denkbar, aber die Welt ist längst zu groß, als dass nicht immer irgenwo irgendeiner (Aber was heißt EINER?!) nicht vergessen WILL ...
... und eben das wird noch ein viel universelleres Problem!

Danke für nichts Neues.

Es gibt bereits eine extensive Studie (ich glaub Diplomarbeit) zur Thematik Bekampfung von Kinderpornographie und Internetfilter vs Kommunikationsfreiheit.
Löschzeiten, lange Amtswege bei der Polizei, illegale Struktur der Anbieter, alternative Bekämpfung über die Bezahlungswege, technische Umgehungsmaßnahmen... alles bereits durchgekaut und kommt zum Ergebnis, dass Sperren unnötig sind.

Bezüglich Selbstreinigungskräfte wäre der "Meldebutton" (Firefox-Plugin) erwähnenswert gewesen...

das stimmt doch nicht!!!

die Sperren kann man locker umgehen.
Onions, z.B.

funktioniert sowas auch bei webseiten von ausländischen tv sendern? -dann brauch ich so ein zwiebel-ding!

Funktioniert, aber ist nicht anzuraten,

da meistens die Bandbreite über solche Netzwerkrouten zu langsam ist, und das eigentliche Ziel 'Anonym surfen' und nicht fernsehschauen ist.

Wenn Sie mediale Internet Angebote anderer Länder nutzen möchten, empfehle ich einen guten Proxy-Service, mit dem man dann entweder per VPN oder Proxy unter einer fremdländischen IP unterwegs sein kann, und das mit hohen Bandbreiten. Kostet halt was.

Kommt drauf an, welches

Ausland. Könnte sein, dass expatshield etwas für dich ist.

Weiter falsch:

"Im Fall von sexueller Ausbeutung von Kindern hätte die Akzeptanz einer derartigen Sperre wohl eine breite Zustimmung."

Dies ist ebenfalls falsch. In Deutschland hat Frau Zensursula mit eben dieser Scheinbegründung eben ein solches Gesetz durchbringen wollen - und zum Glück hat sich die Bevölkerung gewehrt, das Gesetz ist fallen gelassen worden. Der "Kampf gegen Kinderpornografie" kann nicht alles entschuldigen, wir sind nicht alle dumm.

Woran merkt man, dass Simoner nicht weiß worüber er redet?

Ganz einfach:

"Technisch ist es beispielsweise kein Problem, eine österreichweite Sperre zu veranlassen, ohne einen ausländischen Betreiber der Seite um Zustimmung zu fragen. Die Seite ist dann einfach in Österreich nicht mehr erreichbar, im Ursprungsland und in anderen Ländern aber schon."

Falsch. Komplett und 100%ig falsch. Was Ö sperren kann ist die Umwandlung der Domain (standard.at) in eine IP-Adress (192.168.0.1), welche wiederum dazu dient die Daten abzurufen. Das ist das DNS-Lookup.

Aber egal ob ich in Ö noch "standard.at" eingeben kann und die Seite bekomme, ich kann, so lange die Daten im Netz sind, immer die IP eingeben und dort landen. Eine Seitensperre erschwert nur das Aufrufen, verhindert es nicht.

Prinzipiell kann jedem Netzbetreiber auferlegt werden,

Seiten anhand der IP in Österreich nicht zugänglich zu machen, somit wäre dann gar kein routing zu diesen Angeboten möglich. Umgehen kann man natürlich immer irgendwie (VPN ins Ausland, Proxy im Ausland oder Tor mit exit-node im Ausland).

Löschen funktioniert besser

vor allem durch Mithilfe der Nutzer.
Oder glauben sie wirklich das zB godaddy glücklich ist wenn publik wird dass diese gehostete kipo Seiten nicht unverzüglich löschen? Als mündiger Konsument kann man hier sehr gut Druck aufbauen und notfalls durch Kündigung die Serviceprovider zum umdenken bringen.
Zugegeben hier bleiben dann noch Kleinstunternehmen im tiefsten Hinterland, bei Tests hat sich jedoch gezeigt das innerhalb einer Woche 95% aller gemeldeten kipo Seiten gelöscht wurden. Während durch das Stopschild genau keine Seite gelöscht wird und dies noch dazu von jedem der google nutzen kann umgangen wird.
Der Grossteil des Materials hat sich sowieso in die Tiefen des Internets verzogen, dort wo Sperren gar nicht möglich sind.

GoDaddy haben Sie hoffentlich ohnehin für deren Unterstützung von ACTA verlassen

Und, wo wir gerade dabei sind, einfach weil es einer der schlechtesten Anbieter am Markt ist.

inwx.de lohnt sich.

Und der liebe Artikelschreiber hat schon bekannt gegeben worum

es eigentlich geht um Meinungskontrolle.

Bei uns sind es die bösen Neonazis die behaupten es hätte keine Gaskammern gegeben.
In der Türkei sind es dann die bösen Armenier die behaupten es hätte einen Völkermord gegeben
und in der USA sind es die bösen Verschwörungstheoretiker die behaupten 9:11 war ein verdeckter Militärputsch
und in Russland ist es dann die böse Opposition.

Ein weites Betätigungsfeld für die Geheimdienste all das zu sperren was National nicht in den Kram passt, das ruft ja geradezu nach einem internationalen Abkommen natürlich gegen die Kinderschänder und im Anhang stehen dann die nationalen Interessen.

Guten Tag Herr Orwell

"Kinderporno" ist das Schreckgespenst des Internets, und sehr billige Zensur-Propaganda, weil schön emotional. Aber - wie oft haben Sie denn schon über eine "Kinderpornoseite" gestossen? Ich noch nie.
Ich vermute es verhält sich wie mit allen anderen illegalen Inhalten auch - wer danach aktiv sucht in den "Communities", der wird fündig werden. IPs lassen sich masken, Daten lassen sich verschlüsselt austauschen, Proxies und VPN können Firewalls umgehen.
Es ist zwecklos, Zeit- und Geldverschwendung in Reinkultur. Sehen Sie sich nur an wie gut der "Krieg gegen die Drogen" funktioniert. Und da wär's sogar LEICHTER, weil es physische Produkte sind die man ungleich besser verfolgen kann.

"Technisch ist es beispielsweise kein Problem, eine österreichweite Sperre zu veranlassen"

Ja eh. Technisch ist es aber auch kein Problem, das zu umgehen.

Naiv

Wenn es nicht einmal die Musikindustrie mit all ihrer Macht schafft dem Problem des Hochlandens und Veröffentlichens Herr zu werden! Weil mehr Kraft und Macht als die Musikindustrie kann man eigentlich gar nicht aufwenden....

Wie sollen wir Server in den USA löschen ?

2/3 aller Kinderpornografie liegt auf US-Servern

dort sitzen auch die Kunden:

http://www.youtube.com/results?s... 7l3-1l1l0.

Mich würde einmal interessieren, wer mir dauernd (Erwachsenen-) Pornoseiten und Inserate zusendet.

Einfach

Das ist einfach: Das sind Spammer. Verschiedene.

das Angebot im WWW bereits weniger geworden ist

Ach, wieder mal eine Journaille, die "Internet" mit "WWW" verwechselt.

Ja, im offenen "WehWehWeh" ist das Angebot weniger geworden. Im "Internet" nicht, da hat es sich nur unter die sprichwörtliche Ladentheke verlagert.

Aber es ist natürlich zu viel, vor so einem Artikel mal kurz zu recherchieren - über's Internet kann ja jede/r schreiben, da ist Ahnung und Recherche nicht notwendig.

Wie schon weiter unten geschrieben können Sperren ohne größere Anstrengungen umgangen werden.

Es helfen nur Ermittlungen (mit Hilfe von echten Fachleuten), internationaler Druck auf Staaten die nicht kooperieren, löschen und Täter einsperren.

Es gibt eine konsequente Lösung: vom Ausland komplett abschotten.

Wie man etwa durch in verschiedenen Ländern unterschiedlich gefilterte Google-Abfragen, oder verschieden zugängliche Medieninhalte sieht, fährt der Zug in diese Richtung.

Abgesehen davon, eigentlich wären die Sicherheitsbehördern verpflichtet, Zugang zu Illegalem zu verhindern, insofern ist ohnehin ein komplettes Abdrehen des unkontrollierten, grenzüberschreitenden Datenverkehrs zu erwarten.

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