Racheakt oder Auftrag zum Mord

16. Juni 2003, 20:54
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Alfred Steiner soll versucht haben, Belastungszeugen zu beseitigen

Wels - 100.000 Euro soll Alfred Steiner laut Anklage zwei Mithäftlingen geboten haben, damit diese einen Ex-Mitarbeiter der Steiner-Firmengruppe ermorden. Dies führte der Staatsanwalt am Montag beim Prozess in Wels aus. Alfred Steiner - für den die Unschuldsvermutung gilt - wies die Vorhalte entschieden zurück, die Aussagen der Mithäftlinge seien ein "Racheakt" gegen ihn.

Die Anklage gegen Alfred Steiner - den Juniorchef der Pleite gegangenen Steiner Freizeitmöbel-Gruppe - lautet auf versuchte Anstiftung zum Mord. Steiner, der sich in Untersuchungshaft befindet, habe zwei Mitgefangene dazu veranlassen wollen, den früheren Mitarbeiter zu töten. Zuvor sollte der Mann seine Aussagen, die Steiner junior und Steiner senior belasteten, unter Zwang widerrufen. Denn der Ex-Mitarbeiter belastete die beiden durch seine Aussagen im Zusammenhang mit dem Verdacht eines Versicherungsbetrugs nach dem Brand einer der Steiner-Firmen.

Staatsanwalt: Mithäftlinge glaubwürdig

Der Staatsanwalt führte aus, die Aussagen der beiden Mithäftlinge seien glaubwürdig. Beide hätten unabhängig voneinander Angaben gemacht, die übereinstimmen. Wobei die beiden keine Möglichkeit gehabt hätten, sich abzusprechen. Auch hätten diese Aussagen der zwei Häftlinge "ein hohes Maß an überprüfbaren Detailinformationen" enthalten, so der Anklagevertreter.

Einer der beiden Mithäftlinge habe auch schon - nach seiner Entlassung - konkrete Vorbereitungen für die Tat getroffen. Aus den vorliegenden Aussagen und Fakten ergebe sich, sagte der Staatsanwalt, dass Alfred Steiner entschlossen gewesen sei, seinen früheren Mitarbeiter ermorden zu lassen, um für sich und seinen Vater einen Freispruch zu erwirken.

Steiner: Mithäftlinge sind Lügner

Alfred Steiner erklärte sich vor Gericht nicht schuldig, er habe zu den beiden Mithäftlingen nie gesagt, diese sollten einen Mord begehen. Einer der beiden sei sein Zellengenosse "und immer ein Lügner" gewesen, so Steiner. Im Zusammenhang mit diesem Mann sieht er auch den Grund für die Anschuldigungen gegen ihn, "er will sich rächen, weil ich im kein Geld für die Flucht gegeben habe".

Steiner-Anwalt Wolfgang Moringer sagte, die Glaubwürdigkeit der beiden Mithäftlinge sei "sehr in Frage zu stellen". Beide seien mehrfach vorbestraft und hätten schon langjährige Gefängnisstrafen verbüßt, "mein Mandant hingegen ist unbescholten", betonte Moringer.

Für Montagnachmittag war die Befragung des ersten der beiden Mithäftlinge angesetzt. (APA/DER STANDARD, Printausgabe, 17.06.2003)

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