Flughafen Wien senkt Gebühren dramatisch

16. Juni 2003, 18:42
21 Postings

Im Schatten massiver Passagierrückgänge bei der AUA reduziert der Airport die Landetarife um bis zu 60 Prozent

Wien - Die Konjunkturflaute, der Irakkrieg, die Lungenkrankheit Sars und nicht zuletzt die Konkurrenz der Billigairlines haben bei der AUA- Gruppe im Mai zu einem massiven Passagierrückgang um 13 Prozent auf 671.439 geführt. In den ersten fünf Monaten lag das Passagieraufkommen mit drei Millionen um 4,7 Prozent unter dem Vorjahr. Auch die Auslastung ging im Schnitt um drei Prozentpunkte auf 66,7 Prozent zurück.

Landegebühren gesenkt

Der Flughafen Wien, der im Mai einen moderaten Passagierrückgang um 1,1 Prozent (von Jänner bis Mai ein Plus von 3,3 Prozent) verzeichnete, will die schwächere Nachfrage mit Gebührensenkungen kompensieren: Bis Ende Oktober werden die Landegebühren für Langstreckenflüge um 60 Prozent gesenkt, zusätzlich wird der Tarif je Transferpassagier auf zwei Euro halbiert. Flughafen-Chef Herbert Kaufmann bezifferte die Kosten für diese Maßnahmen mit 2,6 Mio. Euro. Gleichzeitig hofft er, dass aufgrund der Krise stornierte Verbindungen nach Fernost (Eva Air Flüge hat Bangkok und Taipeh eingestellt), rascher wieder aufgenommen werden. Die AUA will ab August wieder nach Peking fliegen.

Für die AUA sind die Tarifsenkungen vom Flughafen "ein Schritt in die richtige Richtung", der aber zu keiner Senkung der Ticketpreise führen wird. Um die Nachfrage anzukurbeln, bietet die AUA neben den Magic-Price-Aktionen nun neu bis Ende Oktober Australien um 939 Euro an. Geflogen wird täglich über Kuala Lumpur nach Australien. Fünfmal pro Woche nach Sydney, zweimal wöchentlich nach Melbourne.

Billig-Airlines als Retter

Der Wiener Flughafen nimmt jährlich 123 Mio. Euro aus Tarifen ein. Insgesamt verzichtet der Vienna Airport durch diverse Anreizprogramme auf Einnahmen von rund 30 Mio. Euro jährlich.

Dass der Flughafen die derzeitige Krise relativ glimpflich übersteht, verdankt er zu einem Gutteil den nach Wien drängenden Billigfluggesellschaften wie Air Berlin oder Germanwings, die in den ersten fünf Monaten 120.000 bzw. 95.000 Fluggäste brachten. Jetzt hat auch der deutsche Germania Express Wien ins Programm genommen. Ohne Billigflieger gäbe es bereits einen Passagierrückgang. Gespräche gibt es laut Kaufmann auch mit anderen Billigairlines wie Ryanair oder easyJet.

Wachstumschancen sieht Kaufmann auch bei den Transferpassagieren und in Osteuropa: Derzeit kämen rund 5,5 Mio. der jährlich rund zwölf Mio. Passagiere aus einem Einzugsgebiet, das rund zwei Stunden von Wien entfernt ist, mit dem Auto zum Flughafen. Potenzial gebe in der Slowakei, Westungarn und in Südtschechien. Für die Westungarn etwa liege der Wiener Flughafen näher als jener in Budapest. (Claudia Ruff, DER STANDARD Print-Ausgabe, 17.6.2003)

Share if you care.