Regierung einer Provinz Nigerias kappt alle Telefone

16. Juni 2003, 09:31
posten

Schulden bei staatlichen Telefon-Netzbetreiber zu hoch

Abdulkadri Kure ist ein Mann radikaler Entscheidungen. Und er ist Gouverneur Nigers, eine von jenen zwölf Bundesstaaten Nigerias, in denen die Scharia eingeführt wurde. Er hat nun Berichten zu Folge entschieden, alle Telefonleitungen aller Behörden der Provinz Niger (nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Nachbarstaat Nigerias) abzuschalten. Grund dafür ist die Hohe Verschuldung Nigers bei Nigerias staatlichem Telefonprovider NITEL.

Hintergrund

Kure hatte nicht nur mit der Einführung der Scharia im Jahr 2000, sondern auch mit einer frauenfeindlichen Entscheidung für internationales Aufsehen gesorgt. Der Politiker hat öffentliche Förderungen für Frauenfußball in der Provinz Niger verboten. Jeder Beamte, der dennoch Gelder auszahle, müsse selbst dafür haften, schließlich sei Fußball nichts für Frauen. Ein explizites Verbot von Frauenfußball wurde jedoch nicht ausgesprochen. Auch in der öffentlichen Verwaltung haben seiner Meinung nach Frauen nichts zu suchen. Kure, der der selben Partei angehört wie Staatspräsident Olusegun Obasanjo, hat eine lange Reihe umstrittener Entscheidungen gefällt und auch bereits Attentatsversuche überlebt.

Untersuchungen

Bei einem Treffen mit einigen seiner ranghöchsten Beamten wurde Kure vergangene Woche über die Höhe der Verschuldung seiner Verwaltung beim staatlichen Telefonnetzbetreiber NITEL informiert. Diese Summe, deren genaue Höhe nicht veröffentlicht wurde, dürfte den Gouverneur dermaßen geschockt haben, dass er zu der radikalen Maßnahme der kompletten Abschaltung aller Telefonleitungen öffentlicher Einrichtungen gegriffen hat. Es könnten jedoch auch politische Motive dahinter stecken. Gegenwärtig laufen Korruptionsuntersuchungen gegen den Politiker.

Probleme

Für seine politischen Gegner sind diese wahrscheinlich nicht grundlosen Untersuchungen die einzige Hoffnung, Kure vor der nächsten Wahl im Jahr 2007 aus dem Amt zu entfernen. Nicht erreichbare Dienststellen können nicht befragt werden und können keine unmittelbaren Anweisungen erhalten. Auch mit Presseanfragen braucht sich die Lokalregierung nicht mehr herumschlagen, da auch das Pressebüro betroffen ist. Lediglich eine einzelne Telefonleitung bleibt in Betrieb, nämlich jene des Staatssekretärs. Damit bleibt der Kontakt zu anderen Bundesstaaten und der Bundesregierung pro Forma aufrecht. Informationen an die eigenen Dienststellen können aber auch damit nicht weitergegeben werden - diese haben ja nun kein Telefon mehr.

Vergleich

Niger ist mit über 74.000 Quadratkilometern fast so groß wie Österreich. Von den rund drei Millionen Einwohnern sind etwa 45 Prozent Christen.

Der staatliche Telefonanbieter NITEL ist selbst von Skandalen und Missmanagement erschüttert. Im März hat das niederländische Unternehmen Pentascope die Führung des Unternehmens übernommen. Dadurch soll ein Verkauf von 51% der NITEL-Aktien im Jahr 2006 ermöglicht werden. (pte)

Share if you care.