Fiat verkauft die Flugtechniktochter

15. Juni 2003, 21:17
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Konsolidierung des Konzerns schreitet voran

Der Verkauf der Fiat-Flugmotorentochter Fiat Avio ist so gut wie abgeschlossen. Nach wochenlangen Verhandlungen wurde am Wochenende der Verkaufspreis definitiv mit 1,55 Milliarden Euro, drei Prozent unter den ursprünglichen Erwartungen, festgesetzt. Der Verkaufsvertrag soll laut unternehmensnahen Kreisen in den nächsten Tagen unterzeichnet werden.

Käufer sind die US-Fondsgesellschaft Carlyle (70 Prozent) und die staatliche italienische Raumfahrtgruppe Finmeccanica. Durch den Verkauf der profitablen Flugmotorentochter kommt Fiat zwar mit dem Abbau seiner Schulden (3,6 Mrd. Euro) voran, jedoch werde dadurch die Rentabilität der Gruppe beeinträchtigt, kommentieren Mailänder Finanzkreise den Verkauf.

Sanierungsplan beginnt zu greifen

Inzwischen nimmt der neue Fiat-Sanierungsplan des seit März amtierenden Vorstandsvorsitzenden Giuseppe Morchio Gestalt an. Der Geschäftsplan soll Ende Juni präsentiert werden und die eigentliche Sanierung des angeschlagenen Autokonzerns einleiten. Durch jährliche Investitionen in Höhe von 2,6 Mrd. Euro soll in den kommenden Monaten rund ein Drittel der Modellpalette ausgetauscht werden. Bis 2005 sollen 80 Prozent der Autos einer neuen Generation angehören. Zu diesem Zweck will Fiat gemeinsam mit Partner General Motors auch einen Wagen in der besonders umkämpften Golfklasse entwickeln.

Bislang beschränkt sich die Plattformstrategie der beiden Unternehmen auf das Kleinwagensegment. Dort wird heuer mit dem Fiat Gingo das seit 23 Jahren gefertigte Miniauto Panda ersetzt. Bereits in den nächsten Wochen kommt ein neuer City-Wagen auf Basis des Punto auf den Markt. Parallel wird mit dem neuen Lancia Ypsilon ein hochwertiger Kleinwagen lanciert.

Kündigungswelle

Der ehemalige Pirelli-Manager Morchio hat nach den knapp 11.000 Jobstreichungen 2002 eine weitere Kündigungswelle bei Angestellten und im Management vor. Angeblich soll auch Fiat-Auto-Chef Giancarlo Boschetti gehen. Da Fiat das mit Abstand größte Industrieunternehmen des Landes ist, ist das Thema von größter Relevanz für die Regierung Berlusconi.

Für die Partnerschaft mit GM ist das ein kritischer Faktor, da die Amerikaner keinesfalls in den innenpolitischen Sumpf Italiens gezogen werden wollen. Daher hat GM bisher auch nicht in die zur Diskussion stehende Kapitalaufstockung bis zu drei Mrd. Euro eingewilligt. Angeblich sei GM bereit, sich an der Operation durch "Sachwerte", durch weitere gemeinsame Plattformen zu beteiligen. (Thesy Kness-Bastaroli aus Mailand, DER STANDARD Print-Ausgabe, 16.6.2003)

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