"Ich glaube, wir haben ein Problem mit Sharon"

15. Juni 2003, 20:46
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George Bush einmal anders - Ein Nachtrag zum Nahost-Gipfel in Akaba

Die folgende Szenen stammen aus einem Bericht des angesehenen Publizisten und Korrespondeten der israelischen Tageszeitung "Haaretz", Akiva Eldar (unter Berufung auf einen namentlich nicht genannten Konferenzteilnehmer), die nicht so recht ins Weltbild eingefleischter Anti-Bushisten passen wollen. Markus Bernath hat in einem STANDARD-Kommentar vom vergangenen Freitag schon kurz darauf Bezug genommen, die von Eldars Zeugen weitergegebenen Zitate und Beobachtungen weichen jedoch derart von der medial üblicher Weise kolportierten Haltung des US-Präsidenten zu Israel ab, dass uns eine etwas ausführlichere Dokumentation angemessen erscheint:

Auf Drängen der israelischen Regierung hatte die Bush-Administration das Sicherheitsproblem an die Spitze der Gipfel-Agenda gesetzt. Also bat Bush Dahlan (den neuen palästinensischen Sicherheitschef, Anm.) um ein kurzes Briefing.

Nach Angaben des Beobachters hielt Dahlan ein exzellentes fünfminütiges Kurzreferat, wandte sich abschließend mit den Worten an Bush: "Es gibt einige Dinge, die wir tun können, und es gibt andere, die wir nicht tun können. Wir werden unser Bestes tun, aber wir brauchen Hilfe."

Kaum hatte Dahlan geendet, explodierte Verteidigungsminister Mofaz: "Von uns werden sie sicher keine Hilfe kriegen. Sie haben ihre eigenen Sicherheitseinrichtungen." Bush wirkte sichtlich irritiert, erzählt der Teilnehmer, und wandte sich dann verärgert an Mofaz: "Ihre eigenen Sicherheitseinrichtungen? Die haben Sie doch zerstört."

Mofaz schüttelte den Kopf: "Ich glaube nicht, dass wir ihnen helfen können, Mr. Präsident." Darauf Bush: "Oh, doch, ich denke, das können sie, und das werden sie."

Dann wandte sich der Präsident an Premier Abbas - wieder in Übereinstimmung mit dem Drehbuch, auf dem die Israelis bestanden hatten - und sagte: "Vielleicht könnten Sie uns nun einen Überblick über die Situation in Westbank und Gaza geben, Premierminister?"

Abbas erklärte, dass die Situation in den besetzten Gebieten - vor allem in humanitärer Hinsicht - immer auswegloser werde und dass, obwohl erste Schritte des Finanzministers die Lage etwas erleichtert hätten, dringend die Aufbringung neuer Staatsgelder (die derzeit von den Israelis verwaltet werden, Anm.) notwendig wäre.

An dieser Stelle unterbrach Sharon. "Ob es dazu kommen kann, hängt nur davon ab, ob Sie sich künftig gut benehmen." Darauf Bush, erneut ziemlich irritiert: "Sie sollten ihr Geld so schnell wie möglich frei geben. Das wird die Lage erleichtern."

Sharon schüttelte den Kopf: "Erst müssen wir über das Thema Sicherheit reden, und einzig daran wird sich entscheiden, ob sie das Geld kriegen oder nicht." Bush sah Sharon unverwandt an: "Aber es ist ihr Geld ...", "trotzdem, Mr. President ...", sagte Sharon, aber Bush unterbrach erneut: "Es ist ihr Geld, geben Sie es ihnen."

Als das Meeting dann zu Ende war, wandte sich Bush an seine Beraterin Condoleezza Rice und sagte:

"Ich merke schon, wir haben ein Problem mit Sharon, aber ich mag diesen jungen Mann (Dahlan) und ich glaube, ihr Premier ist ein Mensch, der nicht lügen kann. Ich hoffe, sie können sich durchsetzen. Wir können mit ihnen arbeiten." (DER STANDARD, Printausgabe, 16.6.2003)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Ariel Sharon, Premier

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