Die neuen Wege fangen vor der Haustür an

15. Juni 2003, 20:31
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Österreich als Land der Innovationen - trotz innovationsfeindlichen Klimas

Nur knapp mehr als die Hälfte der Manager aus Deutschland, der Schweiz und Österreich bezeichnen Innovationen als "extrem wichtig". Das ist das Ergebnis einer aktuellen Studie von "Advanced Innovation". Die Gründe für die relativ geringe Überzeugung in den Unternehmen, in neue Produkte oder Produktionsmethoden investieren zu müssen, scheinen zu allererst in der weltweiten Wirtschaftsflaute zu liegen.

Zumindest was Österreich betrifft, kommen noch weitere dazu: die Tatsache, dass nahezu 100 Prozent aller Firmen Klein- und Mittelbetriebe sind, einerseits also über wenig Mittel für Forschung und Entwicklung verfügen; und andererseits aufgrund der traditionellen Branchen, die sie vertreten, Innovationen auch gar nicht so sehr im Mittelpunkt der Unternehmensstrategie stehen. Mangelnde Kooperationsbereitschaft innerhalb der Betriebe, fehlendes Bewusstsein für den Markt - der durch Innovationen natürlich schon positiv beeinflussbar wäre -, eine große Portion Bürokratie und die viel beklagte österreichische Mentalität, lieber im Status quo zu verharren, sollen aber auch ausschlaggebend sein für die fehlende Bereitschaft, neue Wege zu bestreiten.

Dabei scheint hierzulande das kreative Potenzial zur "Durchsetzung neuer Kombinationen", wie der österreichische Ökonom Joseph Schumpeter die Innovation bezeichnet hat, schon gegeben. Eines der jüngsten Beispiele: ein Task Force Monitor, das weltweit einzigartige Diagnose-und Monitoringsystem von CNSystems, das ohne Eingriff und schmerzfrei zum Beispiel die Einstellung von Herzschrittmachern ermöglicht. Das Grazer Medizintechnik-Unternehmen hat dafür im vergangenen Jahr den vom Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit (BMWA) initiierten Staatspreis für Innovation erhalten - und will nun am US-Markt Fuß fassen.

Weg zum Welterfolg

Manche Innovationen sind also trotz zukunftsfeindlichen Klimas auf dem Weg, ein Welterfolg zu werden. Manche sind es bereits, wie Karl-Heinz Leitners "Von der Idee zum Markt: Die 50 besten Innovationen Österreichs" (Böhlau-Verlag, Wien, 2003) dokumentiert. Voestalpine Schienen erfand zum Beispiel die ultralange Schiene und revolutionierte damit den Bahnbau. Die Best Water Technology (BWT) ermöglichte mit dem Gerät AQAtotal Wasserentkalkung ohne schädliche Chemikalien. Novartis schließlich entwickelte das Präperat Lamisil zur Behandlung von Pilzerkrankungen der Haut, Haare und Nägel.

Diese 50 sind aber nicht die einzigen Innovationen gewesen, es waren aber, so der Untertitel, die "Erfolgsgeschichten der österreichischen Industrie zwischen 1975 und 2000". Leitners Ausgangsmaterial war eine Sammlung von 600 neuen Produkten oder Produktionsmethoden. Das hätte aber kein Buch von 400, sondern von 4500 Seiten ergeben. (pi/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 16 .6. 2003)

Präsentation des Buches am 26. 6., 10 Uhr in der Wiener Sky-Bar

Staatspreis.co.at
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