Böser Euro

15. Juni 2003, 19:58
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531 Tage nach der geglückten Umstellung von Schilling auf Schilling (vom echten auf den getarnten, den man sich erst mühsam mit 14 herbeimultiplizieren muss), 531 Tage danach gilt es leider, eine Warnung auszusprechen: Vorsicht, da gibt es eine gemeine Eurofalle, bei der Sie viel Geld verlieren können (bzw. verloren haben). Betroffen sind all jene, die beim Bezahlen von Summen unter 20 nicht daran denken mitzudenken, wie viel das eigentlich gerade ausgemacht hat in Relation zu dem, was sie dafür bekommen haben.

Gefährlich sind exakt fünf Summen: 3,10, 4,10, 5,10, 8,10 und 9,10. In Worten wären das "drei Euro, zehn Cent", usw., aber die Kellnersprache spart sich die Währung. Und so kam es jüngst zu folgendem Vorfall. Ich verlangte für Pizza und Spritzer die Rechnung. Der Preis: 9,10. Kellner: "Neun-zehn". Ich: "Zwanzig. Stimmt schon." Er: "Ah, oh, danke!" Er verbeugte sich und ging. Aber er war ein guter Mensch. Er kehrte um, sagte: "Äh, ich glaube, das war zu viel" und händigte mir einen Zehn-Euro-Schein aus. Ich, verschämt: "Danke, dachte ich mir gleich, dass das ein bisschen teuer gewesen wäre." (Lüge.) Jetzt frage ich Sie: Wie viele Kellner geben freiwillig Trinkgeld zurück? (DER STANDARD Printausgabe 16.6.2003)

Von Daniel Glattauer
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