Neuer Streit zwischen EU und USA

16. Juni 2003, 08:05
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US-Regierungsberater Perle fordert deutsche Unterstützung für iranische Oppositionelle

Berlin/Teheran - Zwischen den USA und Europa droht nach Einschätzung des deutschen Botschafters in Washington, Wolfgang Ischinger, ein heftiger Streit über das Atomprogramm des Iran. "Ein Streit mit Amerika über Iran könnte die transatlantischen Beziehungen noch wesentlich stärker belasten, als dies der Irakkrieg bereits getan hat", meinte Ischinger während eines Besuchs in Berlin. Aus Sicht der amerikanischen Regierung müsse Europa darstellen, welchen Preis es zahlen wolle, um die Regierung in Teheran zu zwingen, ihr Atomprogramm offen zu legen.

Der US-Regierungsberater Richard Perle hat Deutschland zu einer offenen Unterstützung der Oppositionskräfte in Iran und zur Einstellung der Kontakte zur Teheraner Regierung aufgefordert. "Deutschland sollte durch öffentliche Unterstützung dazu beitragen, dass die Stimme der Opposition in Iran lebendig bleibt", sagte Perle am Samstag in Berlin auf einer Veranstaltung der Alfred-Herrhausen-Gesellschaft. Perle forderte zudem, Deutschland solle nicht mehr mit der politischen und religiösen Führung Irans zusammenarbeiten und darauf verzichten, hohe Diplomaten nach Teheran zu schicken.

Auch gegen Khatami

In seine Forderung der Einstellung der Kontakte bezog der einflussreiche Außenpolitiker ausdrücklich auch den als relativ gemäßigt geltenden iranischen Präsidenten Mohammed Khatami und dessen politische Freunde ein. Perle ist Mitglied eines Beratergremiums des US-Verteidigungsministeriums und war einer der Planer des Irakkrieges.

Die EU-Außenminister wollen heute, Montag, bei ihrem Treffen in Luxemburg auch über die Lage im Iran beraten. (Reuters/DER STANDARD, Printausgabe, 16.6.2003)

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