Burma: Regierung will Suu Kyi "vor Attentat schützen"

16. Juni 2003, 08:53
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Begründung für Festnahme: "Schutzhaft" - ASEAN-Staaten lehnen Druck auf Burma ab

Phnom Penh - Der burmesische Außenminister Win Aung hat die Verhaftung von Oppositionsführerin Aung San Suu Kyi erstmals mit der Notwendigkeit begründet, die Friedensnobelpreisträgerin vor einem Mordanschlag schützen zu müssen. Vor einer Konferenz des Verbands Südostasiatischer Staaten (ASEAN) in Phnom Penh sagte Aung am Sonntag, es gebe Informationen, dass Attentäter mit einer Ermordung Suu Kyis Unruhen schüren wollten. "Wir wissen, dass alles, was ihr zustößt, uns große Probleme bereiten würde", erklärte er vor Journalisten. "Weil alles uns angelastet würde und es Versuche geben würde, eine Lage zu schaffen, in der das Land in tiefer Anarchie versinkt."

Suu Kyi wurde am 30. Mai nach Zusammenstößen zwischen ihren Anhängern und einer regierungsfreundlichen Menge in Nordburma festgenommen. Seitdem befindet sie sich in Isolierungshaft. Die Militärregierung, die seit 1988 an der Macht ist, hat dies von Anfang an als "Schutzhaft" bezeichnet. Aung ist aber das erste Regierungsmitglied, das von einem Mordkomplott regierungsfeindlicher Kräfte gegen die Friedensnobelpreisträgerin mit dem Ziel sprach, das Land zu destabilisieren. Er könne nicht sagen, wann Suu Kyi freikommen könne, fügte er hinzu.

Druck abgelehnt

Die Südostasiatische Staatengemeinschaft (ASEAN) lehnt indessen den von den USA geforderten Druck auf das Militärregime ab. Die Staatengemeinschaft kenne keine Einmischung in die inneren Angelegenheiten ihrer Mitglieder und wünsche keine Konfrontation, die eine Destabilisierung bewirken könnte, erklärte ASEAN-Exekutivsekretär Ong Keng Yong (Singapur) am Montag zum Auftakt des Jahrestreffens der ASEAN-Außenminister in der kambodschanischen Hauptstadt Phnom Penh.

Zur ASEAN gehören Thailand, Indonesien, Malaysia, die Philippinen, Singapur, Brunei, Vietnam, Laos, Kambodscha und Burma. Nach ihrer zweitägigen Jahreskonferenz wollen die Minister am Mittwoch mit ihren Kollegen aus 13 Partnerländern des ASEAN-Regionalforums zusammentreffen. Dazu wird auch US-Außenminister Colin Powell in Phnom Penh erwartet. Die Europäische Union gehört dem Regionalforum ebenfalls an.

Alle ASEAN-Mitglieder wünschten die Freilassung der burmesischen Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi, erklärte Ong Keng Yong. Doch müsse man in dieser Angelegenheit jegliche "Konfrontation" vermeiden. US-Außenminister Powell hat schwere Vorwürfe gegen die herrschende Militärjunta in Rangun erhoben und scharfe Sanktionen gegen das Land gefordert. Die burmesischen Staatsführer bezeichnete Powell in der vergangenen Woche als "Verbrecher". Nach seinen Angaben war der Überfall auf einen Konvoi von Suu Kyi am 30. Mai im Norden des Landes vom Regime inszeniert worden. (APA/AP)

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