Das Modell des Fadenwurms

20. März 2012, 19:16
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Die Biochemikerin Verena Jantsch-Plunger erhielt eine Berta-Karlik-Professur

Passend zum Internationalen Frauentag am 8. März wurden an der Universität Wien drei Berta-Karlik-Professuren an ausgezeichnete Wissenschafterinnen verliehen. Eine davon ist Verena Jantsch-Plunger, Biochemikerin an den Max F. Perutz Laboratories der Universität Wien und der Med-Uni Wien.

Ihre Arbeit dreht sich zu einem guten Teil um einen winzigen Wurm, nämlich den nur ein Millimeter großen Fadenwurm Caenorhabditis elegans. Als genetischer Modellorganismus gehört er mittlerweile zu den am besten untersuchten Organismen der Welt. Als Jantsch-Plunger Anfang der 1990er-Jahre ihre Doktorarbeit schrieb, stellte er ein relativ neues genetisches Modellsystem dar. "Ich habe damals in den USA, in Baltimore, bei einem ganz jungen Forscher gelernt, an C. elegans zu arbeiten", erinnert sich die in Linz geborene Biochemikerin. Über die Jahre hat ihr der Winzling gute Dienste geleistet: An der Carnegie Institution of Washington in Baltimore erforschte sie an ihm die Entwicklung von Muskelzellen, am Wiener Institut für Molekulare Pathologie IMP die Mitose (Zellteilung) und an der Abteilung für Chromosomenbiologie der Universität Wien die Meiose.

Bei Letzterer handelt es sich um die spezialisierte Zellteilung während der Keimzellentwicklung - ein Thema, mit dem sich Jantsch-Plunger 2008 habilitiert hat. In der Meiose kommt es zu einer Durchmischung mütterlichen und väterlichen Erbmaterials.

Dazu müssen sich die elterlichen Chromosomen allerdings finden, erkennen und richtig verbinden - ein Vorgang, der keineswegs immer problemlos abläuft: "Fehler in der Meiose führen dazu, dass Eizellen bzw. Spermien zu viele oder zu wenige Chromosomen enthalten. Zehn bis 30 Prozent der befruchteten Eizellen beim Menschen haben nicht die richtige Anzahl an Chromosomen", wie Jantsch-Plunger ausführt.

Diesen Vorgängen geht sie "im Kleinen" auf den Grund, mit dem Ziel, die so gewonnenen Erkenntnisse irgendwann auf höhere Wirbeltiere wie etwa den Menschen zu übertragen. Immerhin sind schiefgelaufene Meiosen die Hauptverantwortlichen für Fehlgeburten, Sterilität und Krankheitsbilder, die mit geistiger Behinderung einhergehen.

Auf die Frage, was sie an ihrem Beruf mag, sagt sie: "Die Interaktion mit klugen Menschen, vor allem mit den Studierenden. Das ist etwas ganz Besonderes an unserer Arbeit." Jantsch-Plunger denkt, dass derzeit positive Signale für junge Menschen fehlen: "Die Jungen sollten hören, dass sie super sind, dass wir an sie glauben und dass sie uns alles wert sind.

"Dass junge Menschen für vieles zu gewinnen sind, wenn man ihnen Zuwendung und Interesse entgegenbringt, hat sie hautnah erlebt, als ihre beiden Söhne noch in der Schule waren: "Dort, wo sie ernst genommen wurden und man ihnen signalisiert hat, dass man neugierig auf ihren Beitrag war, waren sie auch für alles zu gewinnen."

Für die Biochemikerin ist die Karlik-Professur der vorläufige Höhepunkt einer stattlichen Liste wissenschaftlicher Exzellenzförderungen: So war sie eine der ersten Elise-Richter-Stipendiatinnen des Wissenschaftsfonds FWF und baute als solche ihre eigene Forschungsgruppe auf, und auch durch den Wiener Wissenschaftsfonds WWTF wurde ihre Arbeit unterstützt. (Susanne Strnadl, DER STANDARD, 21.3.2012)

  • Verena Jantsch-Plunger schätzt die Arbeit mit Studenten.
    foto: mfpl

    Verena Jantsch-Plunger schätzt die Arbeit mit Studenten.

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