Erster Waschgang entfernt Großteil giftiger Chemikalien

  • Beim Waschen von in Asien gefertigter Kleidung gelangen giftige Substanzen in heimische Gewässer.
    foto: apa/holger hollemann

    Beim Waschen von in Asien gefertigter Kleidung gelangen giftige Substanzen in heimische Gewässer.

Insgesamt entfernte die erste Wäsche in der Hälfte der Stoffproben mehr als 80 Prozent der Nonylphenolethoxylate - diese vergiften die heimischen Gewässer

Hamburg  - Giftige Chemikalien aus importierten Textilien belasten nach einer Greenpeace-Untersuchung auch heimische Gewässer. Beim Waschen von in Asien gefertigter Kleidung würden Nonylphenolethoxylate (NPE) freigesetzt, die sich beim Einleiten in Fluss, See oder Meer in die hormonell wirksame Chemikalie Nonylphenol (NP) umwandele. Zwar gebe es für Menschen keine gesundheitsschädlichen Auswirkungen, sagte der Chemieexperte der Umweltorganisation, Manfred Santen,"doch für Wasserorganismen wie Fische, Schnecken und Muscheln ist das hochtoxisch."

Erste Wäsche ist die giftigste

Bereits bei einer Studie im Sommer 2011 hatte Greenpeace in 52 von 78 Produkten NPE festgestellt und darauf aufmerksam gemacht, dass in Herstellerländern wie China nonylphenolhaltiges Abwasser das Trinkwasser von Millionen Menschen belaste. Nun untersuchten die Experten noch einmal 14 dieser Proben. Sie wollten wissen, wie sich der NPE-Gehalt der Kleidung verändert hat, wenn sie aus der Waschtrommel kommt. Das Ergebnis: In allen Proben verringerte sich die Konzentration der Chemikalien durch das Waschen deutlich. Insgesamt entfernte die erste Wäsche in der Hälfte der Stoffproben mehr als 80 Prozent der Nonylphenolethoxylate. Es ist davon auszugehen, dass über die gesamte Lebensdauer eines Textilproduktes alle Rückstände von NPE ausgewaschen werden, ein Großteil bereits in den ersten beiden Waschvorgängen.

Über die Waschmaschine in Gewässer

Die Chemikalien gelangen mit dem Waschwasser in die Kanalisation und somit in Kläranlagen, die NPE nicht effektiv filtern könnten. Mehrere große Modefirmen hätten inzwischen eine Obergrenze für NPE-Rückstände festgelegt. "Das ist zwar schon einmal eine Verbesserung, aber der Wert ist unserer Meinung nach noch immer viel zu hoch", sagte Greenpeace-Experte Santen.

Die Unternehmen Nike, Adidas, Puma, Li Ning, H&M und C&A haben zugesagt, gefährliche Chemikalien bis 2020 aus ihrer Produktion zu verbannen. Ungefährliche Alternativen sind schon lange auf dem Markt. Die großen Bekleidungsmarken müssten ihre Zulieferer sofort dazu bewegen, solche giftigen Substanzen auszuschließen, forderte Greenpeace.

In der EU sei die Verwendung von NPE und NP verboten oder stark eingeschränkt. Allerdings gebe es keine Regelungen für den Import von NPE-haltigen Textilien. Import-Textilien sind in Deutschland die größte Quelle für NPE und NP, so das deutsche Umweltbundesamt. Dies ist auch auf Österreich umlegbar. Rund 138.000 Tonnen Textilien aus dem Ausland werden jährlich importiert. Greenpeace geht davon aus, dass deutlich mehr als 13,8 Tonnen NPE pro Jahr in österreichische Gewässer geleitet werden. (APA/red, 20.3.2012)

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