Muppets

Christoph Winder
20. März 2012, 16:59
  • "Zu nichts nutze ist, außer man schiebt die Faust in ihn hinein."
    foto: epa /mick tsikas

    "Zu nichts nutze ist, außer man schiebt die Faust in ihn hinein."

Wer mit uns Geschäfte macht, muss ein schöner Esel sein: Dem Bärendienst am Kunden verpflichtet

Vergangene Woche hat ein öffentlicher Kündigungsbrief eines Mitarbeiters das Goldman-Sachs-Management ordentlich aufgescheucht. Greg Smith demissionierte wegen des seiner Meinung nach zynischen Umgangs der Investmentbanker mit ihren Klienten, die firmenintern auch gerne einmal als "Muppets" bezeichnet würden. Was damit gemeint ist? Laut dem Urban Dictionary eine "ignorante Person, die von nichts eine Ahnung hat" oder, um einiges derber, jemand, "der zu nichts nutze ist, außer man schiebt die Faust in ihn hinein, genau wie bei Kermit" ("Someone who is useless until you shove your fist up them - Just like Kermit!"). Leo bietet "Depp", "Dödel" und "Vollidiot" als Übersetzung an. Wen das Wort besonders interessiert, der findet auf der BBC-Homepage "die Details".

Wie immer man die Bedeutungsnuancen des Wortes nun im Einzelnen empfindet (hoffe auf klärende Erläuterungen von Sir SterzinOz!): Es ist und bleibt eine Bezeichnung, mit der man als Kundschaft nicht traktiert werden möchte. Und doch: Der abschätzige Umgang mit Leuten, die einem etwas abkaufen, scheint keineswegs selten und keineswegs auf Goldman Sachs beschränkt zu sein. In der New York Times hat Julie Creswell eine Liste einschlägiger Codenamen zusammengestellt. So nennt man etwa in der Werbewirtschaft Kunden, die zu allem Ja und Amen sagen, "Bobblehead", also "Wackeldackel". Als "Platin-Trash" bezeichnen Flugbegleiter jene Passagiere, die als Vielflieger völlig überzogene Ansprüche an den Bordservice geltend machen. Die texanische Firma Stratfor, die geopolitische Analysen für Geschäftsleute erstellt, bezeichnete einen gewissen Kundentypus in internen Mails als "Clancy", d.h. als jemanden, der viele Romane von Tom Clancy gelesen hat und glaubt, ein Auskenner zu sein, in Wahrheit aber ahnungslos ist, was sich auf der Welt abspielt. Im Französischen gibt es den Ausdruck "Cochon payant", "zahlendes Schwein", für Kunden, die den regulären Tarif zahlen (im Gegensatz zu geladenen Gästen). Mit dem (deutschen) DAU, dem "Dümmsten anzunehmenden User" haben wir uns in diesem Wörterbuch schon einmal beschäftigt - und mit dem Auftauchen des "Muppets" im öffentlichen Diskurs gibt es nach meinem Dafürhalten jetzt einen guten Anlass, diesen Faden weiterzuspinnen. Ich ersuche daher die p.t. Leserschaft, alles was ihr an Schmähbezeichnungen für Kunden und Muppet-Assoziationen durch den Kopf geht, der Allgemeinheit in Postingform zur Verfügung zu stellen.

Von Christoph Winder
Winders Wörterbuch zur Gegenwart ist ein Work in Progress.
Zweckdienliche Hinweise auf bemerkens- und erörternswerte Wörter sind erbeten an christoph.winder@derStandard.at.

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Meine Kunden werden alle gleich behandelt

nur Pensionisten bekommen einen handelsüblichen Pensionistenrabatt +25%, ich nenne Sie cash-cow.

Und,

womit handeln Sie, wenn ich fragen darf?

Hatte eine tolle Geschäftsidee!

Ich kaufe abgelaufenes Fleisch von Lebensmittelhändlern, verpacke dieses wieder ganz frisch, und verkaufe es an Seniorenheime weiter, die mögen es ein wenig mürber.

Ah!

Sie arbeiten also mit dem W-schmaeh: Altes auflesen, abstauben und als Neues praesentieren... Igitt.

apropos muppets

deren schöpfer jim henson war laut zib3 heute PERSÖNLICH anwesend, als die muppets einen stern im walk of fame bekamen. das ist medizinisch interessant, da henson 1990 verstorben ist. oder ist er das doch nicht und wurde bisher vom cia versteckt? oder vom mossad gefangen gehalten? oder von ufos entführt?
ich bitte die forumsspezialisten um entwicklung einer passenden verschwörungstheorie. danke im voraus.

im anflug auf den callcenter-agent!

warteschleifengeier!

Förderschweindeln oder Freier (nicht nur im Rotlicht) gibts öfter mal.

Mir ist leider nicht bekannt ob der Begriff allgemein gebräuchlich oder nur in dem von mir durchschwommenen lokalen Biotop gebräuchlich war, aber gefallen hat er mir allemal.
Die Herrschaften bezeichneten dort ihre Kunden/Klienten, allesamt in der Baubranche tätig, als Doozers - jenen kleinen gelbbehelmten Männchen die in der Fernsehserie "Fraggles" ständig mit irgendwelchen Baumaschinen in der Gegend herumgewuselt sind.

als Fraggles

haben wir früher mal junge Teenager in Nachtlokalen bezeichnet...
PS "hat's dir nicht gefallen, dann bohr dir doch ein Loch ins Knie..."

Kein Grund zur Beschwerde!

http://orf.at/#/stories/2111109/

Der Kermit is aber blad 'word'n

Wahrscheinlich ein Puppenspieler

mit fetter Faust.

Ja, ja Fisting wird auch immer feister

Ein großes unternehmen ...

... mit sitz in rom nennt seine kunden "schäfchen".

und der böse wolf(g..g) ist geschäftsführer einer zeitung!

Tipp an Hrn. Winder!

fragen Sie doch bitte einmal in marketing-abteilung ihrer zeitung nach, wie man dort jene kunden nennt, die alle 6 monate das 3-wochen-gratis-test-abo bestellen.

btw: gratulation an Sterz, der vom souverän mit dem schlag auf den wörterbuchrücken zum 1.styrian knight bachelor ernannt wurde.

Aus einem meeting ...

... mit managern eines stromversorgungsunternehmens zur zeit der deregulierung des marktes:

"kunden? wir haben keine kunden. wir haben zahler und zähler!"

So einer freundlichen Aufforderung komme ich gerne nach, Herr Winder,

auch wenn ich wette, dass dieses wie jedes meiner Postings sogleich ein Rotstricherl von meinem dalkerten Stalker einsammelt…
Für die, die es im Text nicht gemerkt haben, vielleicht zunächst der Hinweis darauf, dass die Präposition “up them” der Urban-Dictionary-Definition von “Muppet” in ihrem Anklang an den Fluch “up yours!” physiologisch viel a-tergo-spezifischer ist als ihre deutsche Übersetzung.
Wie werden Kunden im australischen Englisch (vulgo: Strine) beschimpft? Zunächst haben wir die Schwierigkeit, dass in Strine, das gerne mit Paradoxien arbeitet (so werden Rothaarige gern “Bluey” gerufen; was Virgin Airlines dazu bewegt hat, ihre rotlackierte Flotte der australischen Tochter zunächst “Virgin Blue” zu nennen), - Fortsetzung-

Fortsetzung

Schimpfwörter wie die Klassiker “bastard” oder “bugger” auch als Kosenamen verwendet werden können. Analog ist auch schon das scheinbar neutrale “Kunde” (customer, oder das viel schickere “client” in corporate Neusprech ) zur Beleidigung geeignet. Ein ungenannt bleiben wollender Kollege an einer australischen Universität reagierte auf die Aussendungen der Managerebene seiner Uni, die Studierende als “clients” bezeichnete, dass dies nicht zufällig die Wortwahl von Rechtsanwaltskanzleien und gehobenen Bordellen wiederspiegele und signalisiere “If you’re called a client, you will get effed”.
Fortsetzung -

Bedanke mich

herzlich. Auch lehrreich für mich, außer Codger, Bastard, Bugger und Dingbat war mir wenig bekannt. Zur Rotstrichlerfraktion: Ich halte mich an die alte Kaufmannsweisheit "Wer schimpft, der kauft".

Ihr Wörterbuch ist elendig!

Das

ist aber nicht ihr ernst?! Geld? Dafuer??

Selber schuld.

Mitleid brauchen S' von mir keines erwarten.

Kaufen??!!

Sie sind wirklich lustig. :))

Auch die Muttersprache des Ozischen

verwendet Schimpfworte positiv. "Lucky bugger" oder "handsome bastard" (und der mit ihm verwandte, aber hauptsächlich im Internet wohnhafte "GQMF") sind auch im britischen Komplimente :-)

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