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"Zu nichts nutze ist, außer man schiebt die Faust in ihn hinein."
Vergangene Woche hat ein öffentlicher Kündigungsbrief eines Mitarbeiters das Goldman-Sachs-Management ordentlich aufgescheucht. Greg Smith demissionierte wegen des seiner Meinung nach zynischen Umgangs der Investmentbanker mit ihren Klienten, die firmenintern auch gerne einmal als "Muppets" bezeichnet würden. Was damit gemeint ist? Laut dem Urban Dictionary eine "ignorante Person, die von nichts eine Ahnung hat" oder, um einiges derber, jemand, "der zu nichts nutze ist, außer man schiebt die Faust in ihn hinein, genau wie bei Kermit" ("Someone who is useless until you shove your fist up them - Just like Kermit!"). Leo bietet "Depp", "Dödel" und "Vollidiot" als Übersetzung an. Wen das Wort besonders interessiert, der findet auf der BBC-Homepage "die Details".
Wie immer man die Bedeutungsnuancen des Wortes nun im Einzelnen empfindet (hoffe auf klärende Erläuterungen von Sir SterzinOz!): Es ist und bleibt eine Bezeichnung, mit der man als Kundschaft nicht traktiert werden möchte. Und doch: Der abschätzige Umgang mit Leuten, die einem etwas abkaufen, scheint keineswegs selten und keineswegs auf Goldman Sachs beschränkt zu sein. In der New York Times hat Julie Creswell eine Liste einschlägiger Codenamen zusammengestellt. So nennt man etwa in der Werbewirtschaft Kunden, die zu allem Ja und Amen sagen, "Bobblehead", also "Wackeldackel". Als "Platin-Trash" bezeichnen Flugbegleiter jene Passagiere, die als Vielflieger völlig überzogene Ansprüche an den Bordservice geltend machen. Die texanische Firma Stratfor, die geopolitische Analysen für Geschäftsleute erstellt, bezeichnete einen gewissen Kundentypus in internen Mails als "Clancy", d.h. als jemanden, der viele Romane von Tom Clancy gelesen hat und glaubt, ein Auskenner zu sein, in Wahrheit aber ahnungslos ist, was sich auf der Welt abspielt. Im Französischen gibt es den Ausdruck "Cochon payant", "zahlendes Schwein", für Kunden, die den regulären Tarif zahlen (im Gegensatz zu geladenen Gästen). Mit dem (deutschen) DAU, dem "Dümmsten anzunehmenden User" haben wir uns in diesem Wörterbuch schon einmal beschäftigt - und mit dem Auftauchen des "Muppets" im öffentlichen Diskurs gibt es nach meinem Dafürhalten jetzt einen guten Anlass, diesen Faden weiterzuspinnen. Ich ersuche daher die p.t. Leserschaft, alles was ihr an Schmähbezeichnungen für Kunden und Muppet-Assoziationen durch den Kopf geht, der Allgemeinheit in Postingform zur Verfügung zu stellen.
Von Christoph Winder
Winders Wörterbuch zur Gegenwart ist ein Work in Progress.
Zweckdienliche Hinweise auf bemerkens- und erörternswerte Wörter sind erbeten an christoph.winder@derStandard.at.
Sieben Jahre nachdem die ersten Einträge erschienen sind, stellt Christoph Winder sein Online-Projekt in der gewohnten Form ein
Wenn die Araber aufmucken
Ein Drink zu guter Letzt
Würzige Worte über Weine
Handfeste Hinweise
Nüchterne Zusammenarbeit
Mit dem Kopf gegen die Wand
Wenn Mimen in die Jahre kommen
Preise als Parodien
Himmlische Wortbildungen
Verzicht, einmal anders
Unaussprechlich von A bis Z
Reflexiver und sonstiger Alkoholgenuss
Schamhafte Schreibungen (Fortsetzung)
Landsmannschaftlicher Sprachstolz
Zorn im Sesambrötchen
Betagte Vorfahren
Knappe Charakteristiken vom Adabei
Ein billiger Pizzabelag
Pars pro toto
Verbalisiertes Kleingebäck
Unliebsame Überraschungen
Schleichwerbung von unten
Talk unter Investmentbankern
Das Geheimnis der Unwiderstehlichkeit
Widerwilliges Geldausgeben
Unter dem Einfluss von Kalorien oder Alkohol
Ein aufdringliches Medienparadoxon
Ein brünstiges Verbum
Nationale Pendants zu Germano-Promis
Schmückende Beiworte
Ein Wort für den Whirlpool
Metaphorisch verwendete Geräte
Eine uralte Formulierung im Computermilieu
Ein Mittel gegen Kopfbeschwerden
Süchtigmachende Silbenkombinationen
Eine Metapher geht in die Luft
Aus dem Mundwerk der Handwerker
Urlaub auf poetisch
Was ist daran böse?
Schamvolle Schreibweisen
Ein Rückwanderer
Man spürt den Frühling
Ein Prachtformulierung im Radio
Entspannende Aktivitäten aller Art
Verwirrend am Schutzweg und anderswo
Nicht nur zu den Frankfurtern
... ist derb, aber anschaulich
Ironischer Tribut an sprachliche Anstandsvorschriften
In nicht alltäglicher Gewandung
Spannt im Märzen die Rösslein ein
Eine deutsch-griechische Volkskrankheit
Nicht mehr ganz taufrisch
Kein Land wie jedes andere
Jetzt mit erweiterter Bedeutung
Wenn etwas auf die Nerven geht
Ein zeitweiliger Verlust der Contenance
In der Vorauswahl zur Preisvergabe 2006
Es darf ein bisschen weniger sein
Hinweis auf ein kleines Übersetzungsproblem
Amtshandlung mit einem neuen Begriff
Aversionen kann man gegen alles Mögliche haben - auch gegen Aussprüche
Eine hübsche neue Wortkreation aus dem Umfeld der Bildzeitung
ist faustdick im Trend
Die Diversifizierung der Warenwelt schreitet unaufhörlich voran ...
... steht eine dicke fette Phrase
deren schöpfer jim henson war laut zib3 heute PERSÖNLICH anwesend, als die muppets einen stern im walk of fame bekamen. das ist medizinisch interessant, da henson 1990 verstorben ist. oder ist er das doch nicht und wurde bisher vom cia versteckt? oder vom mossad gefangen gehalten? oder von ufos entführt?
ich bitte die forumsspezialisten um entwicklung einer passenden verschwörungstheorie. danke im voraus.
Mir ist leider nicht bekannt ob der Begriff allgemein gebräuchlich oder nur in dem von mir durchschwommenen lokalen Biotop gebräuchlich war, aber gefallen hat er mir allemal.
Die Herrschaften bezeichneten dort ihre Kunden/Klienten, allesamt in der Baubranche tätig, als Doozers - jenen kleinen gelbbehelmten Männchen die in der Fernsehserie "Fraggles" ständig mit irgendwelchen Baumaschinen in der Gegend herumgewuselt sind.
fragen Sie doch bitte einmal in marketing-abteilung ihrer zeitung nach, wie man dort jene kunden nennt, die alle 6 monate das 3-wochen-gratis-test-abo bestellen.
btw: gratulation an Sterz, der vom souverän mit dem schlag auf den wörterbuchrücken zum 1.styrian knight bachelor ernannt wurde.
auch wenn ich wette, dass dieses wie jedes meiner Postings sogleich ein Rotstricherl von meinem dalkerten Stalker einsammelt…
Für die, die es im Text nicht gemerkt haben, vielleicht zunächst der Hinweis darauf, dass die Präposition “up them” der Urban-Dictionary-Definition von “Muppet” in ihrem Anklang an den Fluch “up yours!” physiologisch viel a-tergo-spezifischer ist als ihre deutsche Übersetzung.
Wie werden Kunden im australischen Englisch (vulgo: Strine) beschimpft? Zunächst haben wir die Schwierigkeit, dass in Strine, das gerne mit Paradoxien arbeitet (so werden Rothaarige gern “Bluey” gerufen; was Virgin Airlines dazu bewegt hat, ihre rotlackierte Flotte der australischen Tochter zunächst “Virgin Blue” zu nennen), - Fortsetzung-
Schimpfwörter wie die Klassiker “bastard” oder “bugger” auch als Kosenamen verwendet werden können. Analog ist auch schon das scheinbar neutrale “Kunde” (customer, oder das viel schickere “client” in corporate Neusprech ) zur Beleidigung geeignet. Ein ungenannt bleiben wollender Kollege an einer australischen Universität reagierte auf die Aussendungen der Managerebene seiner Uni, die Studierende als “clients” bezeichnete, dass dies nicht zufällig die Wortwahl von Rechtsanwaltskanzleien und gehobenen Bordellen wiederspiegele und signalisiere “If you’re called a client, you will get effed”.
Fortsetzung -
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