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Durch die Schmerzen sind Menschen mit Schaufensterkrankheit gezwungen, stehen zu bleiben.
Wien - Sie bleiben scheinbar interessiert vor Schaufenstern stehen und warten. Patienten mit peripherer arterieller Verschlusskrankheit (pAVK, Anm. Red.), auch als Schaufensterkrankheit bezeichnet, versuchen vor ihrer Umgebung die Schmerzen zu verbergen, die sich beim Gehen einstellen. Anfangs sind die Betroffenen gezwungen nach etwas 200 Metern stehen zu bleiben, danach werden die Strecken immer kürzer.
Das Risiko der pAVK, die infolge einer Verengung der Beinarterien auftritt, ist weit unterschätzt. „Noch vor wenigen Jahrzehnten verniedlicht und verharmlost, weiß man heute, dass Betroffene eine deutlich reduzierte Lebenserwartung und Lebensqualität haben", weiß Andreas Franczak, Viszeral- und Gefäßchirurg am Evangelischen Krankenhaus-Wien. Kommt der typische Wadenschmerz in zunehmender Intensität oder treten die Beschwerde bereits im Ruhezustand oder beim Schlafen auf, ist die Gefahr einer drohenden Amputation groß.
Innerhalb von fünf Jahren nach Diagnosestellung stirbt etwa jeder Dritte an einer Gefäßerkrankung wie Herzinfarkt oder Schlaganfall. „Dabei wäre ausreichend Zeit, um im Rahmen von Vorsorgeuntersuchungen noch rechtzeitig als Risikokandidat oder als Patient im Frühstadium erkannt zu werden", warnt der Wiener Internist und Angiologe Luca Girardi. Die Beindurchblutung kann mit einer einfachen, schmerzlosen Gefäßuntersuchung (Ultraschall-Doppler) gemessen werden. Dabei lässt sich die Wahrscheinlichkeit eines erhöhten Gefäßrisikos gut bestimmen.
Liegt eine Schaufensterkrankheit vor, sollten unbedingt auch die Herzarterien sowie die Durchlässigkeit der Halsschlagadern näher untersucht werden. Denn dort kündigen sich gefährliche Verschlüsse - im Gegensatz zu den Beinarterien - oft nicht vorher an.
Schleichende Symptome
Arteriosklerotische Gefäßveränderungen an den Beinarterien können schon in jungen Jahren beginnen. Sie bleiben oft lange unerkannt, da sich die schmerzhaften Durchblutungsstörungen schleichend und in größeren Intervallen einstellen. Daher finden viele erst spät den Weg zum Arzt. „Dazu kommt, dass die Frühsymptome - kalte Füße, auffallend weiße Unterschenkel, geringer werdende Beinbehaarung - so harmlos anmuten, dass Betroffene sie beim Arztbesuch nicht ansprechen", weiß Girardi.
Arteriosklerose ist zwar unheilbar, lässt sich aber bei rechtzeitiger Diagnose gut kontrollieren. Neben medikamentösen Therapien werden heute schon sehr gute Ergebnisse mit Gefäßdehnungen, gegebenfalls mit Einbringung eines speziell beschichteten Stents, erzielt. Franczak: „In fortgeschrittenen Fällen kann heute durch das Legen eines Arterienbypasses oder durch Ausschälung eines verstopften Gefäßes eine Amputation noch abgewehrt werden. Dank der Fortschritte der Mikrochirurgie können mittlerweile auch Gefäßumleitungen auf die Fußarterien erfolgreich gelegt werden."
Gezieltes Gehtraining
Wesentlich ist die Mitarbeit des Patienten: Gezieltes Gehtraining unterstützt die therapeutischen Maßnahmen erheblich, indem die Bildung von Umgehungsgefäßen angeregt wird und die Muskulatur lernt, mit weniger Sauerstoff zurecht zu kommen. Dadurch werden auch die Belastungsschmerzen in der Wade immer geringer und die Betroffenen können wieder längere Wegstrecken zurücklegen.
Gehtraining ist zudem keine Altersfrage: Auch Menschen jenseits der 80 profitieren davon. Gefäßchirurg Franczak: „Wir Ärzte können heute vieles tun. Die halbe Miete aber muss der Patient aber selbst zahlen, indem er drei Dinge tut: gehen, gehen und gehen. (red, 20.3.2012)
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