Klein­bauern bangen um Förderung

Thomas Mayer
19. März 2012, 17:31

Bis zum Sommer sollen die Grundlinien zur neuen Vergabe von Förderungen stehen. Die Kürzungen im Budget werden darüber entscheiden, wer verliert

Bei der Reform der gemeinsamen Agrarpolitik der EU wird es ernst: Bis zum Sommer sollen die Grundlinien zur neuen Vergabe von Förderungen stehen. Die Kürzungen im Budget werden darüber entscheiden, wer verliert.

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Brüssel - Die EU-Agrarminister treffen am Dienstag in Brüssel zu einer wichtigen Aussprache über die Verteilung und Neubemessung der Förderungen an die Bauern nach der geplanten Reform der gemeinsamen EU-Agrarpolitik (GAP) zusammen. Diese soll im Zuge der Erstellung der langfristigen Budgetvorausschau der Union (2014 bis 2020) umgesetzt werden.

Die EU-Kommission hat als Kern der Veränderungen ein "Greenig", eine Umweltkomponente für alle Fördermaßnahmen, auch bei Hektarprämien, vorgeschlagen. Einzelnen Bauerngruppen in Europa drohen nun durch die strikten Sparvorgaben der nationalen Regierungen an Brüssel empfindliche Kürzungen.

Das sind vor allem die großen "Flächenländer" in der alten EU, wie Spanien, Frankreich, Ostdeutschland oder die Niederlande, die im Vergleich zu den neuen EU-Staaten im Osten sehr hohe Zuwendungen über Flächenprämien haben. Und es trifft (möglicherweise) jene Bauern hart, die bisher sehr stark von Umwelt- und Ungunstsubventionen profitiert haben - wo bei die Kommission Verlustobergrenzen vorsieht.

Zu dieser Gruppe gehört auch Österreich, das in der Vergangenheit einerseits durch Verhandlungsgeschick in Brüssel, andererseits durch besondere Konzentration auf Umweltprogramme, die auf nationaler Ebene verdoppelt werden, im EU-weiten Vergleich überdurchschnittlich gefördert wurde. Werden nun die Agrargelder für die gesamte Union insgesamt gekürzt, trifft es naturgemäß die am härtesten, die am meisten profitiert haben.

Landwirtschaftsminister Nikolaus Berlakovich wird daher den Vorschlag der dänischen EU-Ratspräsidentschaft ablehnen, der auf eine Zusammenlegung der beiden größten Agrarfördertöpfe (1. und 2. Säule, entspricht Flächenprämien und Umwelt/Förderung von Ungunst- und Berglagen) bei der Neuberechnung abzielt. So heißt es in Wien. Deutschland, Frankreich, Spanien drängen aber darauf, eine verschränkte Berechnung vorzunehmen. Finnland oder etwa Portugal und Slowenien, deren Landwirtschaften auch eher klein strukturiert sind, halten dagegen.

Vom Budget hängt alles ab

Eine Entscheidung wird am Dienstag noch nicht fallen, aber eine gewisse Orientierung. Die wirkliche Gefahr und Stunde der Wahrheit für die heimischen Bauern stehe erst bevor, wenn die EU-Staaten im Sommer ihre globalen Budgetvorstellungen auf den Tisch legen, sagt die EU-Abgeordnete Elisabeth Köstinger (VP), eine Agrarexpertin. Das Europaparlament steht mehrheitlich auf der Seite der Bewahrung der zweiten Säule der GAP.Neben der Neubewertung der Förderungen strebt der EU-Vorsitz auch eine Orientierungsaussprache für über die angepeilte Vereinfachung der Agrarbürokratie an. Die Staaten sind diesbezüglich ebenfalls zerstritten. Deutschland gehen die Vereinfachungen zum Beispiel nicht weit genug. Andere Länder fürchten, dass im Zuge vorgeblicher Vereinfachung erst recht wieder neue Bürokratie entsteht, indem Kontrollen und Sanktionen für einzelne Maßnahmen sogar ausgeweitet werden - wie bei der Almflächenmessung. (Thomas Mayer aus Brüssel, DER STANDARD, 20.3.2012)

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Um diese Diskussion in den richtigen Rahmen zu setzen:

Die Landwirtschaft macht in Österreich 2% vom BIP und 1% der Beschäftigten aus. Das ist eigentlich nicht mehr als eine kleine Randnotiz wert.

Wenn wir die Almen und Wiesen betonieren,

haben wir Fremdenverkehr auch keinen mehr. Außerdem sind wir dann auf die spanischen Gewächshäuser angewiesen, bei denen die Pflanzen nicht ein Korn Erde sehen und auf die holländischen Tierfabriken, die oft mehrere Tausend Rinder oder Schweine halten. Also lass es bitte, über Dinge zu posten, von denen du keine Ahnung hast.

Ostdeutschland ist doch kein Land.

Wir machen aus den Bauern ein zweites Griechenland

Analog wie in Griechenland billiges Geld und Subventionen nicht in Investitionen und Produktivitätssteigerungen, sondern in die Verkrustung der nicht lebensfähigen Strukturen geflossen sind sind die hunderten Milliarden, die jährlich an die EU-Landwirte fließen verlorenes Geld. Die Anpassung an den internationalen Wettbewerb bleibt aus. Auch wenn man die Dauer-Subventionen "Leistungsabgeltungen" nennt. Was ist das Ergebnis? Teure Immer wieder Skandale um Gammelfleisch, Bioschwindel oder hygienische Mängel. Verlust von Artenvielfalt etc. Und ob in einem Betrieb 10.000 (Kleinbetrieb) oder 500.000 Hendln gemästet werden, machen für Tierschutz, Nitrat, Antibiotika und Fleichqualität keinen Unterschied.

Und Sie glauben wirklich, dass bei noch größeren Strukturen keine Lebensmittelskandale vorkommen können oder dass z.B. Betiebe mit 5 Mio. Masthühnern und 50.000 Mastschweinen dann alles Bio, ökologisch, tiergerecht, nicht nitratbelastend, usw. ist.?

Natürlich gibt es überall Probleme.
Aber größere Betriebe können zumindest von ihrer Arbeit leben, ohne dass wir sie mit Förderungen bis zum Rentenalter tragen müssen.

lesetipp:

Schwarzbuch Landwirtschaft von Hans Weiss

http://www.suedwind-buchwelt.at/start.asp... &dbid=6349

für alle die sich einmal einlesen wollen, ein artikel in der Zeit über Raiffeisen.:

http://www.zeit.de/2010/35/A... chwarzbuch

mit freundlicher genehmigung von user ad vocem;)

lesetipp:

Ab wann ist man Kleinbauer?

Ich kenn´ einen landwirtschaftlichen Betrieb mit 15 ha Ackerland und der hat in den letzten beiden Jahren eine Kostenkalkulation für seinen Betrieb berechnet. Obwohl die Erntejahre gut waren, er die Zahlungen zum Flächenausgleich und für die Umweltbewirtschaftung (ÖPUL) erhielt, blieben ihn nach Zahlung in die Sozialversicherung der Bauern, keine 3000,- € im Jahr zum Leben übrig. Er sagte nur, wenn er und seine Frau nicht im Nebenerwerb dazu verdienen würden und er nicht bald in der Pension gehen würde, hätte er das Ganze schon längst aufgegeben. Also noch einmal die Frage, ab wann ist man Groß- oder Kleinbauer?

15 Hektar? Gräbt er die mit dem Spaten um und erntet das Getreide mit der Sense?

Mit Maschinen ist das nicht mal eine Teilzeitarbeit, so schnell ist das erledigt.

So jemand ist ein Arbeitsloser ohne es zu wissen.
Wir sollten nicht auf solche Schilderungen hereinfallen, zumindest nicht als Argument für höhere Förderungen. Und schon gar nicht meinen, diesem 15-Hektar-Kleinbauern helfen zu müssen.

Endlich, endlich,

hat jemand das Kernproblem erfasst. Gerade in Österreich, aber in Europa generell, sind die Betriebsstrukturen viel zu klein. 15 Ha Ackerbau mache ich ihnen als Hobby und zwar so, dass es weniger Zeit in Anspruch nimmt, als etwa Skifahren oder Rennrad Fahren.
Zu ihrer Frage: Im Ackerbau gibt es eine sog. optimale Betriebsgröße, die jedoch stark variiert. Das soll hier aber nicht das Thema sein, darum bekommen sie klare Zahlen: Ab 150 ha wird es wichtig interessant und unter idealen Voraussetzungen geht das rauf bis 1.000 ha. Diese Flächen schaffen sie noch locker alleine bzw. mit ein, zwei AK. Das ist noch gut überschaubar. Damit sind sie aber noch immer Kleinbetrieb. AK also 1 bis 3, Umsatz so an die 225 tsd bis 1,5 Mio Euro.

ich erzähl euch jetzt wie es wirklich ist:
die konzerne kaufen das getreide von den getreidesammelstellen. bei uns ist das erstmals das lagerhaus, dann gehts noch in ein zentrallager. die konzerne (betriebe die den weizen verarbeiten) kaufen diesen billigst. zB 2009 der gleiche preis für das kilo wie 1960. preisanstieg seit 1960 -> 0%. dafür preisanstieg zB bei kunstdünger einige 100%. jetzt haben die konzerne billige rohstoffe. dafür zahlt die eu den bauern den rest auf den preis den mal normal verlangen könnte als ausgleichszahlung (förderung). dh das ganze system nutzt nur den konzernen wie nestle usw. die bauern bekommen nur den rest auf den preis der das produkt wert ist. dh der bürger zahlt sich das selbst (mit steuern).

Wieso sollte der Weizenpreis steigen, wenn doch immer weniger Arbeit damit verbunden ist?
Fragen Sie mal, wie viele Arbeitsstunden 1960 für eine Tonne Weizen nötig waren, und wie viel heute. Dann wissen Sie, warum Getreide so billig ist und gute Betriebe trotzdem ganz gut damit verdienen.

ok. warum kostet die semmel heute ca. 30 cent und wieviel hat sie 1960 gekostet? fragen sie ihre eltern (oder großeltern)

Da müsste man besser einen Bäcker fragen.
Am Rohstoff kann es nicht liegen, dann die 56 Gramm Mehl für eine Semmel sind kaum der Erwähnung wert.

Wird halt vermutllich mit Verarbeitung, Vertrieb und Verkauf zu tun haben. Jenen Dingen, wie Arbeitszeiten, die sich nicht automatisieren lassen.
Es gibt ja auch Semmel um 10 Cent, die werden halt dann nicht einzeln aus dem Körberl gezählt und von einer Verkäuferin über die Theke gereicht.

Agrarförderungen ersatzlos streichen. Die Landwirtschaft muss weg

vom staatlichen Dauertropf, dagegen ist ja das was bei der Stahlindustrie einst passierte harmlos.

Aus dem Grunde hat die voestalpine in der 1. Finanzkrise Kurzarbeit in Ö angemeldet und gefördert bekommen ... und gleichzeit wegen der weltweiten gestiegenen Nachfrage die Werke in Südamerika in der Produktion hochgefahren!!

Warum gibt es hier keine Transparenzdatenbank für ALLE, die Steuervergünstigungen oder Förderungen aus dem Finanztopf des Staates / der EU bekommen. Ihr werdet dann schon sehen, wieviel Steuergelder in vielen Bereichen in die Luft geschossen werden!!!!

Sehr geehrter Herr Müller - Teil 2

Würden die Förderungen wegfallen würde viele Betriebe verpachtet und die Bauern würden noch mehr auf den Arbeitsmarkt drängen. Wer würde in den Bergregionen die Landschaft pflegen? Der Tourismus profitiert massiv von der bäuerlichen Landschaftspflege. Die Touristen lieben die ach so schön gepflegte Landschaft.
Wollen Sie dass dann Firmen übergeben -
wer zahlt dann diese Firmen für die Landschaftspflege - die Hoteliers in den schönen Tiroler Bergdörfern?
Im übrigen, wenn die Zeiten schwieriger werden, wird vielleicht die bäuerliche Nahversorgung wieder an Wert gewinnen.
Und in Krisenzeiten 30er Jahre des letzten Jahrhunderts /lt. meinen Grosseltern/ waren Städter froh beim Bauern Lebensmittel zu bekommen.
Bitte differnziert denken.

mein Großvater hat heute noch eine Wut auf die Bauern die in den 20ern verzweifelt nach Abnehmern für ihre Produkte gesucht haben und dann in den späteren Krisenzeiten nichts rausgerückt haben...

Sehr geehrter Herr Müller

Es gibt natürlich grundsätzlich immer berechtigte Kritik an Förderungen mit Steuergeld, egal welcher Bereich gefördert wird. So auch die Landwirtschaft.
Ich kenne einen Landwirt, der mir gesagt hat, er wäre sofort bereit auf die Förderungen zu verzichten, wenn der Produktpreis zum Leben ausreichen würde. Aber - durch den EU Beitritt kam es zu einer Reduzierung der Produktpreise um ca 30 % oder mehr. Würden Sie auf 30 % Ihres Einkommens verzichten? Die Preise für Betriebsmittel - Agrartechnoligie, Treibstoff, Agrarchemie, Saatgut, Versicherungen, Baukosten etc. werden nicht billiger. Wo liegt die Lösung? Wollen Sie eine ausgräumte Landschaft, die mit Grossmaschinen bewirtschaftet werden - siehe Ostblock?

Der Landwirt, der gerne bereit wäre zu verzichten, der wird sowieso verzichten müssen. Was will er denn tun, wenn die Fördergelder wegfallen? Bei der Caritas anklopfen?

Produkterträge sind übrigens kein Einkommen. Hier hapert es an betriebswirtschaftlichen Kenntnissen. Außerdem muss man erwähnen, dass vor dem EU-Beitritt viele Förderungen im Produktpreis verpackt war, der Preis war damals also auch nicht echt.

Sie haben es auf den Punkt gebracht:

"Ich kenne einen Landwirt, der mir gesagt hat, er wäre sofort bereit auf die Förderungen zu verzichten, wenn der Produktpreis zum Leben ausreichen würde." Wenn man nicht profitabel produziert geht man pleite.

Ein Problem u.a.

alle Bauern in Europa bekommen Förderungen. Würden sie jetzt nur den öster. Bauern die Förderungen abstellen, würde das zu einem Disaster führen - nehme an sie können sich das einigermaßen vorstellen. Ihre Forderung auf alle Landwirte in der EU umgelegt, bedeutet eine massive Verteuerung der Grundnahrungsmittel - logisch oder nicht? Mir wäre letzteres recht, warum soll ich als Bauer für irgendwelche Sozialtransfers herhalten? Wenn die Gesellschaft statt ein paar Minuten wieder Stunden für ein Kilo Schweinefleisch arbeiten muss, finde ich das als "Wirtschaft". Und dann sind wir beide zufrieden. Sie haben ihre Marktwirtschaft und die Bauern leben wieder als Unternehmer. Den Sozialtransfer kapieren sie?

Nein, nicht logisch.
wenn die Förderungen wegfallen dann geht der Strukturwandel sehr viel schneller. Große Betriebe, in einer Größenordnung die eine Arbeitskraft wirlich auslastet, die wirtschaften auch heute schon sehr gut und bei niedrigen Preisen mit guten Gewinnen.

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