Wieder Klage gegen das Kloster Mehrerau

  • Kein Schnee von gestern: Frühere Schüler des Bregenzer Eliteinternats Mehrerau klagen die Abtei wegen sexueller Gewalt auf Schadenersatz und Schmerzensgeld.
    foto: apa/dietmar stiplovsek

    Kein Schnee von gestern: Frühere Schüler des Bregenzer Eliteinternats Mehrerau klagen die Abtei wegen sexueller Gewalt auf Schadenersatz und Schmerzensgeld.

Abtei Mehrerau mit der zweiten Klage eines früheren Internatsschülers konfrontiert- Opfer wird von 20 Mitschülern unterstützt

Bregenz - Johannes B., langjähriger Lehrer und Erzieher im elitären Collegium Bernardi der Zisterzienserabtei Mehrerau machte im September 1981 einen bedeutenden Karriereschritt: Er wurde Regens, Leiter des Internats. Doch schon zu Ostern 1982 bekamen die Schülereltern einen Brief: Pater Johannes müsse aus gesundheitlichen Gründen das Amt niederlegen, das Kloster verlassen.

30 Jahre später ist die Abtei mit der zweiten Klage eines früheren Internatsschülers konfrontiert. Bruno G. (Name geändert), unterstützt von 20 früheren Schülern, klagt das Kloster wegen sexueller Gewalt auf 135.000 Euro Schmerzensgeld und Verdienstentgang. Denn der Grund für den schnellen Abgang des Regens war nicht eine plötzliche Erkrankung, sondern sexuelle Gewalt gegen den Schüler G. "Pater Joe", Begründer der Pfadfindergruppe "Mehrerau-Schalom" soll den Buben bereits mehrfach belästigt haben, bevor er ihn im März 1982 zwang, ins Bauernhaus der Pfadis mitzukommen, und ihm dort Gewalt antat. Zurück im Internat soll er dem Kind gedroht haben, es werde die Klostermauern nie mehr verlassen, sollte es über das Vorgefallene reden. Der Bub flüchtete nachts aus dem Internat zu seinen Eltern.

Pater war bereits einschlägig verurteilt

Die Eltern verzichteten nach einem Gespräch mit Abt Kassian Lauterer auf eine Klage. Bub und Pater verließen das Kloster. Dass der Pater bereits 1967 einschlägig verurteilt worden war, habe er nicht gewusst, sagt Altabt Lauterer heute. Sein Vorgänger habe sein "mögliches" Wissen nicht weitergegeben. Er, Lauterer, hingegen habe unverzüglich gehandelt und B. als Priester suspendiert und nach Tirol versetzt. Dort war der Pater 28 Jahre in Sautens Pfarrer. Legal, denn der Bischof von Innsbruck hatte die Suspension wieder aufgehoben. Weil Pater Johannes erfolgreich eine Therapie gemacht habe, heißt es aus dem Kloster.

Eine Gruppe früherer Schüler, deren Sprecher der Wiener Psychologe Philipp Schwärzler ist, finanziert die Klage mit. "Wir finden es an der Zeit, Solidarität zu zeigen. Wir alle waren der Gefahr sexueller Übergriffe ausgesetzt und hatten einfach nur Glück, wir stellen uns auf die Seite jener, die gelitten haben und immer noch leiden." Schwärzler schätzt die Zahl der Opfer auf 30. Das Kloster habe den verurteilten Sexualstraftäter mit Kindern und Jugendlichen arbeiten lassen und stehe deshalb auch in der Verantwortung.

Die Klage wurde vor Ablauf der 30-jährigen Verjährungsfrist eingebracht. Ein unabhängiges Gericht soll nun die mögliche Haftung des Klosters klären. Auf die Klage eines anderen Opfers reagierte Abt Anselm van der Linde im Februar mit Ablehnung. Die Causa sei verjährt, das Kloster hafte nicht. Opfer sollten sich an die Klasnic-Kommission wenden. (Jutta Berger, DER STANDARD, 20.03.2012)Wissen

Wissen: Kloster und Recht

Gegen das Kloster Mehrerau wurde beim Landesgericht Feldkirch im Jänner die erste zivilrechtliche Klage eingebracht. Das Kloster machte Verjährung geltend. In der Klagebeantwortung wurde festgestellt, dass keine Haftung des Klosters nach § 1313a ABGB für vorsätzliches Handeln einzelner Mitglieder besteht. Bei der Klage des zweiten Opfers ist die absolute Verjährungsfrist von 30 Jahren noch nicht abgelaufen. Auch hier kommt laut Klägervertreter der § 1313a Erfüllungsgehilfenhaftung zur Anwendung, ebenso die Besorgungsgehilfenhaftung und die Verletzung der Schutz- und Sorgfaltspflicht.

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