Immer nach Strich und Pinsel

  • Nach Luzern kommt man am besten über Zürich. Dorthin gibt es Direktflüge
 von Wien, etwa mit Swiss. Danach gelangt man in etwa 45
 Minuten Bahnfahrt direkt nach Luzern. Der Swiss Pass bietet freie Fahrt
 für Bahn, Bus und Schiff samt zahlreicher Ermäßigungen. Neben mondänen Grand Hotels wie 
Schweizerhof, National und Montana gibt es eine große Auswahl an 
Unterkünften, z. B. das Design-Hotel Cascada oder auch 
das Jailhotel in einem ehemaligen Gefängnis. Weitere 
Infos gibt es auf MySwitzerland.com oder bei der Gratishotline 00800 100
 200 30.
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    Nach Luzern kommt man am besten über Zürich. Dorthin gibt es Direktflüge von Wien, etwa mit Swiss. Danach gelangt man in etwa 45 Minuten Bahnfahrt direkt nach Luzern. Der Swiss Pass bietet freie Fahrt für Bahn, Bus und Schiff samt zahlreicher Ermäßigungen. Neben mondänen Grand Hotels wie Schweizerhof, National und Montana gibt es eine große Auswahl an Unterkünften, z. B. das Design-Hotel Cascada oder auch das Jailhotel in einem ehemaligen Gefängnis. Weitere Infos gibt es auf MySwitzerland.com oder bei der Gratishotline 00800 100 200 30.

  • Alles Comic: Wenn Fumetto in Luzern ist, spiegelt die ganze Stadt die Freude am gezeichneten Bild wider. Geschäftsleute und Restaurants beteiligen sich genauso wie Galerien und Museen.
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    foto: karin krichmayr/der standard

    Alles Comic: Wenn Fumetto in Luzern ist, spiegelt die ganze Stadt die Freude am gezeichneten Bild wider. Geschäftsleute und Restaurants beteiligen sich genauso wie Galerien und Museen.

  • Das 21. internationale Comic-Festival Fumetto findet von 24. März bis 1.
 April an verschiedenen Orten in Luzern statt und verbindet 
Comic-Weltstars mit künstlerischer Avantgarde. Das gesamte Programm ist 
auf www.fumetto.ch abrufbar. Es werden auch Tages- und Nachführungen 
angeboten. Weitere Führungen, wie etwa zur Luzerner Fassadenmalerei, 
können auf www.luzern.com gebucht werden. Infos über das 
Bourbaki-Panorama können auf www.bourbaki.ch abgerufen werden. Das 
Museum Sammlung Rosengart feiert heuer mit mehreren Veranstaltungen sein
 zehnjähriges Bestehen.
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    foto: fumetto 2012

    Das 21. internationale Comic-Festival Fumetto findet von 24. März bis 1. April an verschiedenen Orten in Luzern statt und verbindet Comic-Weltstars mit künstlerischer Avantgarde. Das gesamte Programm ist auf www.fumetto.ch abrufbar. Es werden auch Tages- und Nachführungen angeboten. Weitere Führungen, wie etwa zur Luzerner Fassadenmalerei, können auf www.luzern.com gebucht werden. Infos über das Bourbaki-Panorama können auf www.bourbaki.ch abgerufen werden. Das Museum Sammlung Rosengart feiert heuer mit mehreren Veranstaltungen sein zehnjähriges Bestehen.

  • Für alle, die sich in Luzern nicht so gut oder garnicht auskennen, gibt es heuer erstmals eine eigene App zum Festival. "Fumetto" enthält Informationen zu Ausstellungen und Lagepläne. Durch einen Kalender lassen sich die Besuche planen. Die App gibt's auf Deutsch, Französisch und Englisch gratis im App-Store.
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    foto: screenshot

    Für alle, die sich in Luzern nicht so gut oder garnicht auskennen, gibt es heuer erstmals eine eigene App zum Festival. "Fumetto" enthält Informationen zu Ausstellungen und Lagepläne. Durch einen Kalender lassen sich die Besuche planen. Die App gibt's auf Deutsch, Französisch und Englisch gratis im App-Store.

Das Comicfestival Fumetto gibt Luzern alljährlich einen frischen Anstrich. Wer den Spuren durch die Stadt folgt, kann einiges entdecken

Hübsch geschwungene Seen, bunt getupfte Heidi-Wiesen und proper herausgeputzte Dörfer. "Malerisch", ein No-go-Wort für einen Reisebericht, passt dummerweise exakt zu der Szenerie, die auf dem Weg von Zürich nach Luzern hinter dem Zugfenster vorbeirauscht. Kinderträume, von Bilderbüchern genährt, materialisieren sich.

Angekommen am Kopfbahnhof mitten in Luzern, in der Mitte der Schweiz, breitet der Vierwaldstättersee seine Ufer aus. An der Flussmündung der Reuss werden sie von alten und neuen Brücken zusammengehalten, die die Altstadt mit der Neustadt verbinden. Auf dem Bahnhofsplatz empfängt ein Infostand mit dem riesenhaften Aufdruck eines grimmig grinsenden Eierschädels die Ankommenden: Das erste Anzeichen dafür, dass Fumetto in der Stadt ist - und "malerisch" für eine gute Woche anders interpretiert wird. Das internationale Comic-Festival feierte im Vorjahr 20-jähriges Bestehen und hat sich mittlerweile nahtlos ins Stadtbild eingewebt. Fumetto ist die italienische Bezeichnung für Comic und heißt wörtlich übersetzt "Rauchwölkchen", also Sprechblase.

Das Festival nimmt auch in diesem Frühjahr, genauer gesagt zwischen 24. März und 1. April, wieder ganz beiläufig das gesamte Städtchen in Beschlag. An allen Ecken legen Zeichnungen, Bilder und grafische Kunstwerke die Fährte: Filigrane Schwarz-Weiß-Zeichnungen zieren Restaurantwände, knallige Pop-Art hängt über Laptops und Druckern im Elektrogeschäft, in der Luzerner Kantonalbank werden krakelige Bleistiftskizzen ausgestellt und im Pfarreizentrum fantastisch angehauchte Comics in bunten Farben. Das Aufmüpfige streckt hier ganz selbstverständlich seine Fühler in jedes noch so finanzkräftige Nest aus. Juweliere, Optiker, Schuhgeschäfte, Pizzadienst - insgesamt 40 sogenannte "Satelliten" beteiligen sich am Festival, hängen Bilder in ihre Schaufenster und schmücken ihre Geschäfte damit.

So wie der Möbeldesigner Hanspeter Meyer, der in seiner alten Innenhofwerkstatt großformatige Zeichnungen unters stylische Mobiliar mischt. "Man muss kein Comicfan sein, um mitzumachen", sagt Meyer, der im Vorjahr zum ersten Mal als Satellit teilnahm und dessen Schmiede Neustahl heuer zu einem der Hauptausstellungsorte gehört. "Fumetto ist ein fixer Bestandteil des Kulturlebens. Es ist tief mit der Stadt verwurzelt."

Alternativer Reiseführer

So erweist sich Fumetto als alternativer Reiseführer, der von den zentralen Sehenswürdigkeiten bis in entlegene Winkel führt. Und die sind in der 78.000-Einwohner-Stadt ohnedies nicht allzu weit voneinander entfernt. Wenn man zumindest einen Teil der Festival-Locations abklappert, kommt man bequem von der Altstadt mit dem Luzerner Wahrzeichen, dem Wasserturm, bis in die geschäftige Pilatusstraße, das Hirschmattquartier mit seinen Bars, Cafés und Secondhand-Geschäften und in das trendige Bruchquartier. Abgesehen von gemütlichem Bummeln bietet es sich auch an, ein Fahrrad zu mieten und auf eigenen Radspuren erstaunlich gleichberechtigt mit anderen Verkehrsteilnehmern durch die Straßen zu cruisen.

Das Fumetto-Zentrum liegt im Herzen der Stadt, im Rathaus aus der Spätrenaissance, dessen Front sich der fast mediterranen Promenade an der Reuss zuwendet und rückseitig auf den Kornmarkt schaut, einem der sonnigen Altstadtplätzchen in der Fußgängerzone. Wenn man den Blick auf die Fassaden rundum richtet, wird deutlich: Die Luzerner hatten offensichtlich schon immer eine besondere Beziehung zu Pinsel und Zeichenstift. Im 16. Jahrhundert begannen namhafte Künstler und Dekorationsmeister, unzählige Wände zu bemalen. Heute sind noch etwa 200 farbkräftige Fresken übrig. Die meisten illustrieren Szenen aus der Stadtgeschichte und dem Gewerbe, jüngere Exemplare knüpfen an Surrealismus ebenso wie an moderne Street-Art an.

Zarte, pastellfarbene Fresken älteren Semesters zieren die Gewölbedecken im Am-Rhyn-Haus, einem stattlichen Patrizierhaus aus dem 17. Jahrhundert, nahe des Rathauses. Darunter sonnen sich gerahmte Comicseiten und Originalzeichnungen im richtigen Licht und einer Aufmerksamkeit, die ihnen eher selten zuteilwird. Heuer stellen dort Yves Chaland, Schöpfer des Kult-Magazins Spirou, und sein Kollege Serge Clerc aus, die in den 1980ern dem Ligne-Claire-Stil eine neue Dimension gaben.

Weitere zentrale Schauräume für die elf Hauptausstellungen befinden sich im Foyer des mondänen Hotel Schweizerhof, in einer langen Unterführung am Hauptbahnhof, in Galerien, der Hochschule für Design und Kunst in der Altstadt, wo in diesem Jahr unter anderem kolumbianische Zeichner vorgestellt werden und auch im gläsernen Kunstmuseum Luzern. In dem prägnanten Jean- Nouvel-Bau, der wie ein Ozeandampfer in den Vierwaldstättersee ragt, ist heuer der US-Punk- und Pop-Künstler Ray Pettibon zu Gast.

Ein weiterer Fixstern am Fumetto-Fahrplan ist das Bourbaki-Panorama, unweit des in den Fels geschlagenen Löwendenkmals und des illustren Gletschergartens. In einem Rundbau befindet sich eines der ganz wenigen noch erhaltenen Riesenrundgemälde weltweit. Das 112 Meter lange Panoramabild aus dem Jahr 1881 wurde mit seinen Szenen aus dem bitterkalten Deutsch-Französischen Krieg zu einem aufwühlenden Vorläufer des Antikriegsfilms. Dem Gemälde vorgelagert ist ein plastisch gestaltetes Gelände, das in seiner 3-D-Wirkung auch für medienverwöhntes Publikum eine spektakuläre Illusion erzeugt. Im Bourbaki, das außerdem ein drehbares Bistro, die Kunsthalle Luzern und ein Kino beherbergt, lässt sich Fumetto mit einer Comicbörse und einer Animationsfilmreihe nieder. Im reichhaltigen Rahmenprogramm des Festivals finden sich darüber hinaus Partys an den verschiedensten Orten, Vorträge, Workshops und Zeichenkurse.

Spannungsmomente

Das Konzept zieht: Nicht nur beim hippen Künstlervolk, sondern auch bei Familien mit Kindern, bei Teenies, bei Pensionisten. Für Menschen, die aus einem wenig Bildliteratur-affinen Land wie Österreich kommen, in dem man noch immer rechtfertigen muss, dass Comics nicht zwangsläufig Schund oder Kinderkram sind, eine wohltuende Bestätigung. Immerhin setzt Fumetto nicht nur auf große Namen, sondern verbindet geschickt Underground mit zeitgenössischer Kunst und bringt unerwartete Spannungsmomente in den Spaziergang durch das traditionell erzkonservative Städtchen. Das im Übrigen erfolgreich den Reformatoren Widerstand und tiefkatholisch geblieben ist.

"Obwohl Luzern sehr klein ist, ist es sehr weltoffen und wirkt dadurch größer, als es ist", lautet die Diagnose von Angela Rosengart. An deren Kunstsammlung, die Sammlung Rosengart, sollte für grafisch Versierte kein Weg vorbeiführen. In den Kassen- und Tresorräumen des ehemaligen Nationalbankgebäudes aus den 1920-Jahren hegt und pflegt die herzliche 80-Jährige eine private Sammlung von 300 Werken moderner Kunst, allen voran mehr als 130 Picassos, insbesondere aus dessen Spätwerk. Angela Rosengart erzählt dort mit leuchtenden Augen von der freundschaftlichen Beziehung, die ihren Vater, den Kunstsammler Siegfried Rosengart, und sie mit Picasso verband. Davon zeugt auch ein halbes Dutzend Porträts, die Picasso von der jungen Angela Rosengart anfertigte und ihr schenkte.

Künstler haben Luzern eben schon immer einen speziellen Anstrich gegeben. (Karin Krichmayr/DER STANDARD/Album/17.3.2012)

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