Runter mit dem Dreck und rein in die Panier

  • Mit den warmen Temperaturen kehren die Motorräder auf die Straßen zurück.
    vergrößern 500x317
    foto: ap photo/heribert proepper

    Mit den warmen Temperaturen kehren die Motorräder auf die Straßen zurück.

Das Schönste am Frühjahr ist die erste Runde mit dem Motorrad. Das Schlimmste hingegen ist das Auswintern davor

Die Sonne scheint, die Vögel brüllen von den Bäumen, und die Temperaturen weisen den langen Unterhosen wieder ihren Stammplatz im hintersten Winkel zu. Das heißt aber auch, dass die Eisenrösser wieder an die Luft kommen. Wenn der neue Belcredi das erste Mal 20 Grad verspricht, dann türmen sich in der Redaktion schnell die Leser-E-Mails. Vorwiegend geht es dabei um den richtigen Saisonstart, das Auswintern und heißes Thema wie jedes Jahr: die Reifen.

Wer so wie ich brav eingewintert hat, steht dieser Tage vor einem komplett verdreckten Motorrad, womöglich auch noch mit leerer Batterie. Wer sein Eisen wirklich liebt - oder mehr putzt als fährt, hat die Batterie ausgebaut und braucht sie nach dem Laden nur mehr wieder unters Sitzbankl stecken. Wer sich das Ausbauen im Herbst erspart hat, macht es mit ein bisserl Pech eben jetzt im Frühjahr.

Überblick verschaffen

Das Motorrad einmal gründlich zu reinigen, ist die beste Idee, um in die Saison zu starten. Denn zum einen geht so nicht nur der Dreck runter, man macht sich mit dem Häfen auch gleich wieder ein wenig vertraut und findet womöglich den einen oder anderen Fehler, der sich aufgetan hat, wie eine rinnende Gabel oder ein verschlissenes Kabel. Außerdem: Nach jeder Wäsche kommt das Schmieren des Motorrades - ganz wichtig.

Dabei kann man dann auch gleich einmal grob nachschauen, ob die Flüssigkeitsstände passen und ob überhaupt noch ein Motoröl im Murl ist. Den genauen Ölstand schaut man dann natürlich nach, wenn Motor und Öl warm sind. Supereifrige tauschen das Motoröl gleich.

Die Kette und der Antriebssatz schätzen ein bisserl Aufmerksamkeit auch sehr. Wer nur klebriges Kettenfett nachschmiert, pickt den alten Dreck auf der Kette damit fest, und der nascht dann wie Schmirgelpapier am Antriebssatz. Darum: Kette reinigen - ein altes Zahnbürstel und ein wenig Diesel wirken da Wunder - dann trocknen und nachfetten.

Wer viel im Offroad unterwegs ist, sollte besser mit einem leichten Kriechöl arbeiten, um das Festkleben des Staubs am Antriebssatz zu verhindern, dann aber vor jeder Ausfahrt nachschmieren - so machen das zumindest einige Offroad-Cracks.

Bremsbelag und Reifen

Und wenn wir eh schon mit der Nase auf der Höhe der Radnabe sind, schauen wir gleich, ob noch genug Bremsbelag vorhanden ist. Das lohnt sich übrigens auch, bevor man das Motorrad zum Service oder Pickerlmachen zum Händler stellt. Es wäre nicht das erste Mal, dass uns wer erzählt, dass bei ihm jedes Jahr Scheiben und Bremsbeläge getauscht werden müssen - besonders spannend auf einer kleinen Chopper.

Ganz leicht sieht man das nicht, wie viel Belag noch auf den Packln ist, aber mit ein paar Verrenkungen und notfalls einer Taschenlampe sollte jeder links und recht der Bremsscheibe die -Klötze finden.

Leichter sieht man, wie der Reifen aussieht. Ist er abgefahren oder mehr als fünf Jahre alt, dann runter mit dem Holz und neuen Gummi rauf. Auch wenn das Motorrad mehr steht als fährt, verschwinden nach und nach die Weichmacher, der Reifen wird immer härter und kann keinen Grip mehr aufbauen. Normalerweise sollte aber eh jeder halbwegs ambitionierte Fahrer jedes Jahr im Frühjahr neue Patschen brauchen.

Welche Reifen nun die besten sind, wird Ihnen niemand pauschal beantworten können, wenn er halbwegs seriös ist. Je nach Fahrzeug, Fahrer, Vorlieben und Fahrstil kann für den einen der Reifen X das Himmelreich sein, und für den anderen ist er der größte Krempel. Aufgrund der Bedürfnisse sollte man sich für eine Reifenkategorie entscheiden: Sport, Touren, Stoppler - und dann einfach probieren. Gefällt der Reifen gar nicht, dann wieder runter damit und ins Internet mit ihm. Ein zweiter Satz Reifen kostet dann zwar wieder Geld, doch überlegen Sie selbst: Wollen Sie wegen 300 Euro ein, vielleicht sogar zwei Jahre keinen Spaß beim Motorradfahren haben? Geschweige denn, wenn die Fuhr wegen dem falschen Pneu im Graben landet... Dann wären 300 Euro auf einmal ein Klacks, oder?

Vor der ersten Ausfahrt sollte man auch unbedingt den Luftdruck prüfen - wenn man nicht, wie es sich gehört, das Motorrad aufgebockt und die Patschen ordentlich aufgeblasen hat - und jetzt sowieso Luft ablassen muss.

Motor und Bremsen

Beim ersten Anstarten vergessen Sie nicht, alle Lichter zu checken. Wenn der Motor dabei ein paar Sekunden am Stand lauft, kann man gleich einmal hinhören, ob es ihm eh gut geht. Den Motor aber nicht am Stand warmlaufen lassen, empfiehlt ÖAMTC-Motorrad-Chefinstruktor Georg Scheiblauer, "sondern gleich unter mäßiger, langsam steigender Belastung warm fahren." Die ersten Bremsmanöver sollten ein Test sein, bei dem man überprüft, ob die Bremsen eh noch ordnungsgemäß arbeiten. Tun sie das, würde ich auch dann einmal so in den Anker greifen, dass selbiges auch das ABS beweisen kann. Wer kein ABS hat, lasst die Blockierer am Vorderrad besser aus - außer sie oder er spielt sich gerne damit, aber dann hat sie oder er bis hierher eh nicht gelesen.

Ach ja, ein Fahrtechnik-Kurs schadet im Frühjahr auch nicht. Die sind gar nicht so fad, wie es von Weitem klingt. Bei nicht wenigen dieser Veranstaltungen gibt es nämlich einen Handlingkurs, der ideal zum Einschwingen ist. Und deshalb darf ich heute auch mit einem Zitat des Herrn Doktor enden, nein nicht des Zweirädrigen, dem anderen: "Seids vuasichtig - und lossts eich nix gfoin!"

Share if you care