Linux Kernel 3.3 ist da: Neues für Desktop, Server, Android

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Reduzierter Stromverbrauch, Teaming-Treiber fasst Ethernet-Ports zusammen, Android-Entwicklungen fließen zurück

Nach insgesamt sieben Release Candidates hat Linus Torvalds nun eine neue Version des Linux Kernels zum Download freigegeben. Konkret handelt es sich dabei um den Kernel 3.3 - und wie gewohnt bringt die neue Version wieder einige Verbesserungen und Optimierungen mit sich, die sich durchaus auch im Linux-Alltag bemerkbar machen sollten.

Strom sparen

So wird mit Kernel 3.3 nun wieder das Active State Power Management (ASPM) für PCIe-Systeme genutzt, wodurch der Stromverbrauch entsprechender Systeme spürbar gesenkt werden soll. Aufgrund von diversen Fehlern, hatte man diese Funktion bislang deaktiviert. Einen noch deutlicheren Unterschied kann die Nutzung von Intels RC6-Stromspartechnik für aktuelle Grafikchips des Hardwareherstellers machen - drei bis fünf Watt sollen sich hier je nach System einsparen lassen. In der neuen Kernel-Version hat man Probleme im Zusammenspiel von RC6 mit Prozessoren der Sandybridge-Generation beseitigt (bzw. den problematischen RC6p-Modus dort deaktiviert). Wer die Vorteile von RC6 nutzen will, muss dieses aber weiterhin manuell durch die Übergabe des Kernel-Parameters "i915.i915_enable_rc6=" aktivieren, für Kernel 3.4 wollen die EntwicklerInnen den Versuch unternehmen, RC6 von Haus aus zu aktivieren.

Grafik

Apropos Grafiktreiber: Die Aktualisierung der DRM-Bestandteile des Intel-Treibers hat zur Folge, dass aktuelle Intel-Grafikchips laut ersten Benchmarks von Phoronix rund 10-20 Prozent flotter zu Werke gehen sollen. Sowohl die freien Nvidia- als auch die Radeon-Treiber erfreuen sich der Unterstützung von Audio via HDMI, bei beiden ist dies aber nur bei einigen ausgewählten bzw. recht aktuellen Chips möglich. Der in der Vergangenheit immer wieder umstrittene Treiber für die "Poulsbo"-Grafikchips von Intel - die gerade bei Netbooks oft verbaut wurden -  ist mittlerweile in den Hauptzweig des Kernels gewandert.

Netzwerk

Ein weiteres Highlight des Kernel 3.3 ist die Aufnahme eines "Teaming-Treibers", mit dem mehrere physische Ethernet-Ports zu einem virtuellen zusammengefasst werden können. Zudem wurden einige Patches aufgenommen, die das "Bufferbloat-Problem - das Einbrechen der Performance durch die exzessive Nutzung von Puffern - reduzieren sollen. Ebenfalls neu: Linux unterstützt jetzt ACPI 5.0, darüber hinaus sind einige bislang Android-spezifische Patches "zurückgeflossen", womit sich der Android-Kernel langsam wieder dem offiziellen Kernel annähert.

Dateisysteme

Wie gewohnt hat sich auch so manches in Dateisystemfragen getan: So kümmert sich nun der Kernel selbst um Größenveränderungen von ext4-Dateisystemen, was nicht zuletzt in einem ordentlichen Performanceschub für solche Aufgaben resultieren soll. Das noch immer nicht offiziell als stabil bezeichnete btrfs kann jetzt im laufenden Betrieb zwischen unterschiedlichen RAID-Stufen wechseln, eine solche Migration kann dabei auch pausiert oder gar ganz wieder abgebrochen werden.

Download

Der Kernel 3.3 kann ab sofort in Form des Source Codes von der Seite des Projekts heruntergeladen werden. Die neue Version wird in den nächsten Wochen und Monaten in diverse Distributionen einfließen, etwa die Basis von Fedora 17 bilden. Ubuntu 12.04 wird hingegen noch den Kernel 3.2 verwenden. Ausführliche Infos zu allen Neuerungen gibt es unter anderem bei Kernelnewbies oder auch (auf deutsch) im Kernel-Log von heise open. (Andreas Proschofsky, derStandard.at, 19.03.12)

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