Linux Kernel 3.3 ist da: Neues für Desktop, Server, Android

Andreas Proschofsky
19. März 2012, 09:41
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    grafik: linux

Reduzierter Stromverbrauch, Teaming-Treiber fasst Ethernet-Ports zusammen, Android-Entwicklungen fließen zurück

Nach insgesamt sieben Release Candidates hat Linus Torvalds nun eine neue Version des Linux Kernels zum Download freigegeben. Konkret handelt es sich dabei um den Kernel 3.3 - und wie gewohnt bringt die neue Version wieder einige Verbesserungen und Optimierungen mit sich, die sich durchaus auch im Linux-Alltag bemerkbar machen sollten.

Strom sparen

So wird mit Kernel 3.3 nun wieder das Active State Power Management (ASPM) für PCIe-Systeme genutzt, wodurch der Stromverbrauch entsprechender Systeme spürbar gesenkt werden soll. Aufgrund von diversen Fehlern, hatte man diese Funktion bislang deaktiviert. Einen noch deutlicheren Unterschied kann die Nutzung von Intels RC6-Stromspartechnik für aktuelle Grafikchips des Hardwareherstellers machen - drei bis fünf Watt sollen sich hier je nach System einsparen lassen. In der neuen Kernel-Version hat man Probleme im Zusammenspiel von RC6 mit Prozessoren der Sandybridge-Generation beseitigt (bzw. den problematischen RC6p-Modus dort deaktiviert). Wer die Vorteile von RC6 nutzen will, muss dieses aber weiterhin manuell durch die Übergabe des Kernel-Parameters "i915.i915_enable_rc6=" aktivieren, für Kernel 3.4 wollen die EntwicklerInnen den Versuch unternehmen, RC6 von Haus aus zu aktivieren.

Grafik

Apropos Grafiktreiber: Die Aktualisierung der DRM-Bestandteile des Intel-Treibers hat zur Folge, dass aktuelle Intel-Grafikchips laut ersten Benchmarks von Phoronix rund 10-20 Prozent flotter zu Werke gehen sollen. Sowohl die freien Nvidia- als auch die Radeon-Treiber erfreuen sich der Unterstützung von Audio via HDMI, bei beiden ist dies aber nur bei einigen ausgewählten bzw. recht aktuellen Chips möglich. Der in der Vergangenheit immer wieder umstrittene Treiber für die "Poulsbo"-Grafikchips von Intel - die gerade bei Netbooks oft verbaut wurden -  ist mittlerweile in den Hauptzweig des Kernels gewandert.

Netzwerk

Ein weiteres Highlight des Kernel 3.3 ist die Aufnahme eines "Teaming-Treibers", mit dem mehrere physische Ethernet-Ports zu einem virtuellen zusammengefasst werden können. Zudem wurden einige Patches aufgenommen, die das "Bufferbloat-Problem - das Einbrechen der Performance durch die exzessive Nutzung von Puffern - reduzieren sollen. Ebenfalls neu: Linux unterstützt jetzt ACPI 5.0, darüber hinaus sind einige bislang Android-spezifische Patches "zurückgeflossen", womit sich der Android-Kernel langsam wieder dem offiziellen Kernel annähert.

Dateisysteme

Wie gewohnt hat sich auch so manches in Dateisystemfragen getan: So kümmert sich nun der Kernel selbst um Größenveränderungen von ext4-Dateisystemen, was nicht zuletzt in einem ordentlichen Performanceschub für solche Aufgaben resultieren soll. Das noch immer nicht offiziell als stabil bezeichnete btrfs kann jetzt im laufenden Betrieb zwischen unterschiedlichen RAID-Stufen wechseln, eine solche Migration kann dabei auch pausiert oder gar ganz wieder abgebrochen werden.

Download

Der Kernel 3.3 kann ab sofort in Form des Source Codes von der Seite des Projekts heruntergeladen werden. Die neue Version wird in den nächsten Wochen und Monaten in diverse Distributionen einfließen, etwa die Basis von Fedora 17 bilden. Ubuntu 12.04 wird hingegen noch den Kernel 3.2 verwenden. Ausführliche Infos zu allen Neuerungen gibt es unter anderem bei Kernelnewbies oder auch (auf deutsch) im Kernel-Log von heise open. (Andreas Proschofsky, derStandard.at, 19.03.12)

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Teaming driver?

Was kann das "Teaming" mehr/besser als das "Bonding" was es bereits Jahren im Kernel drin ist?

Auszug aus c't ...

Die Kernel-Entwickler haben einen Ethernet-Teaming-Treiber aufgenommen, der mehrere Netzwerk-Ports zu einem virtuellen verbindet (Link Aggregation/802.1AX). Dieses virtuelle Netzwerk-Device kann die Arbeit in einem Round-Robin-Verfahren über mehrere Ports verteilen; alternativ kann ein Port auch als "Active-backup" bereitstehen und einspringen, wenn es Probleme mit dem primär genutzten Netzwerk-Anschluss gibt. Die Entwickler empfehlen den Treiber als sehr schnelle, einfache und gut skalierende Alternative zum Bonding-Treiber, der ähnliches schon länger ermöglicht. Der Team-Treiber macht die Arbeit allerdings nicht komplett alleine, sondern arbeitet mit der Userspace-Bibliothek Libteam zusammen.

Weiß nicht.

codename ist noch immer "Saber-toothed Squirrel" ?

Wird 2012 also das Jahr des Linux Desktops?

Nö, 2012 wird das Jahr von Windows Phone.

http://derstandard.at/133120726... dows-Phone

Nein, dieses Jahr erobert Windows die Serverlandschaft...

Die antwort ist top

Werd sie wohl öfter benutzen wenn die dumme frage kommt :)

Stärkstes Wachstum (nicht Marktanteile) per Jahrzent

90er=Win
00er=OSx
10er=Linux

Nicht auf dem Desktop Sektor.

was ist ein desktop?

die frage wird sich in den kommenden jahren immer mehr stellen.

zählen smartphones?

2012 wird das jahr von win8
wohl nicht aufgepasst die letzten tage

:D

mittlerweile hoffe ich, dass linux nie mainstream wird.

dank android zu spät …

Zweifellos...

wie jedes Jahr seit 2000 :-)

Nein.

Das Jahr 2012 wird das Jahr werden, in dem Desktop anfängt an Bedeutung zu verlieren.

teaming..

...es ist eigentlich ein wahnsinn, dass teaming-ports erst im jahr 2012 bei linux gibt, wo ausgerechnet linux als gutes server-os dasteht. aber von der community wird nur entwickelt was cool ist und nicht was notwendig ist. siehe auch unternehmens-tauglichkeit von FF.

FF wird also von der community entwickelt?

Das liegt wohl daran, dass der bonding-Treiber diese Funktionalität seit Urzeiten abdeckt.

bonding..

...ist nicht f. lossless-ethernet geeignet (voraussetzung f. db-server mit iscsi oder fcoe-datendisks), dafür müsste bonding auch mit den treibern zusammenspielen und nicht erst am interface-layer aufsetzen. hp hat mit ihren teaming-treiber (leider auch nur für win) gezeigt, was echtes teaming ist. ich denke dass das jetzt mit dem neuen kernel auch möglich ist, sonst wäre es ja keine neuerung.

"... lossless-ethernet geeignet (voraussetzung f. db-server mit iscsi oder fcoe-datendisks)"

Aha, du wirfst also der Community vor, dass sie keinen Teaming-Treiber entwickeln, der für derart spezielle Anwendungsbereiche gedacht ist? Ist ja wohl klar, dass solche Features *nur* bestimmte Unternehmen benötigen, und daher diese auch für die Entwicklung wen bezahlen sollten.

btrfs endlich stable? nein?

doch nicht so viel weitergegangen?

Bei Dateisystemen absolut nicht ungewoehnlich. Und auch wenn es im Kernel als stable markiert wird: fuer den Produktiveinsatz bei wirklich kritischen Systemen (also keine Homeserver, etc.) werden danach noch mitunter einige Jahre vergehen.

Ob etwas stable wird hängt doch eher davon ab, wie ausführlich es getestet wurde. Ich denke die Nutzerbasis von btrfs ist derzeit mehr als überschaubar, daher gibt's auch keinen Grund zur Eile.

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