Österreich gegen Plastiksackerlverbot

Da sich ein EU-weites Verbot des Plastiksackerls aus rechtlichen Gründen nicht durchsetzen lasse, schlagen Experten ein Aus für das Gratissackerl vor

Brüssel/Wien - 500 Plastiksackerln verwendet jeder EU-Bürger im Jahr, meist nur einmal. Dann wandern sie im Bestfall in ein Recyclingsystem - oder finden sich in der Umwelt wieder. Allein im Mittelmeer treiben rund 250 Milliarden Kunststoffteilchen mit einem Gesamtgewicht von 500 Tonnen. Bis zu ihrer Zersetzung könnte es Jahrhunderte dauern. Seit Jahren wird in Europa diskutiert, wie das Plastikmonster an die EU-weite Kandare genommen werden könnte.

Doch zu einem 2011 von EU-Umweltkommissar Janez Potocnik angedachten generellen Verbot von Plastiksackerln wird es wohl nicht kommen. Eine bessere Lösung wäre eine Zwangsabgabe für Kunden, heißt es nun in einem internen Gutachten, aus dem der "Spiegel" in seiner aktuellen Ausgabe zitiert. Denn: Ein grundsätzlicher Bann wirke sich zwar positiv auf die Umwelt aus, stehe aber im Konflikt mit den Regeln des EU-Binnenmarkts und dem internationalen Handelsrecht. Auch sei ein nationales Verbot einzelner Mitgliedstaaten (wie seit 2010 in Frankreich und 2011 in Italien) nicht mit dem EU-Recht vereinbar, weil es "eine ungesetzliche Verzerrung des Markts" darstelle. Ein Verbot würde viele der rund 275 Plastiksackerl-Produzenten mit ihren etwa 17.500 Beschäftigten in ihrer Existenz gefährden.

Keine Gratissackerl mehr

Die Studienautoren sprechen sich dafür aus, die Gratisabgabe der Sackerln zu verbieten. Der Preis sollte so hoch sein, dass er Arbeits- und Umweltkosten trage. Festgelegt werden solle ein europaweites Ziel zur Reduzierung von Plastiksackerln - ählich wie bei der Absenkung des Kohlendioxidausstoßes. Wie schon beim angedachten Verbot stößt auch eine Zwangsabgabe auf Kunststoffsackerln bei der heimischen Wirtschaft auf kein Verständnis. Das sei wie "mit Kanonen auf Spatzen schießen", findet Stephan Schwarzer, Leiter Umwelt- und Energiepolitik der Wirtschaftskammer Österreich. Plastiksackerln stellten nur ein kleines Umweltproblem dar, zudem verfüge Österreich über ein gutes Sammel- und Verwertungsssystem. "Unser Weg ist es vielmehr, Mehrweg-Tragetaschen zu forcieren", sagte er zum Standard.

Die Einführung einer Steuer sei nur "eine neue Möglichkeit, den Bürger auszuquetschen". Dass ein Plastiksackerl-Verbot den Binnenmarkt-Prinzipien widerspreche und handelsrechtlich nicht umsetzbar sei, wird von Greenpeace-Österreich-Experte Steffen Nichtenberger infrage gestellt. Wenn echter politischer Wille vorhanden sei, seien Verbote sehr wohl EU-konform und machbar - und er verweist auf die Gentechnik, wo Ländern individuelles Recht eingeräumt werde. (dpa, kat, DER STANDARD, 19.3.2012)

Wissen: Sackerl-Schwemme

Weltweit werden jährlich mehr als 600 Milliarden Einkaufssackerln aus Kunststofffolien hergestellt. Allein in Österreich werden laut Global 2000 350 Millionen Stück davon verbraucht. Die durchschnittliche Nutzungsdauer liegt bei 25 Minuten. Viele der sich nur langsam zersetzenden Plastikbeutel landen in der Umwelt. In vielen Ländern - wie Bangladesch, China, Tansania, Italien - gibt es bereits Verbote. In Irland wird seit 2002 eine Steuer von 15 Cent pro Einmal-Sackerl erhoben, die den Verbrauch um 90 Prozent gesenkt hat.

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Studienautoren gehen selten einkaufen und wohnen bei Mama wie es scheint

Tatsache ist, dass Plastiksackerl besser für die Umwelt sind als die Papiertüten.

Warum?
Ganz einfach: das für Sackerl verwendete Plastik lässt sich meist schon zu 100% abbauen, auch wenn länger als Papiertüten. Der große Unterschied macht jedoch der Aufdruck. Während Plastiksackerln nur eine sehr dünne Farbschicht benötigen, benötigen Papiersackerl wesentlich mehr umweltunverträgliche Farbe als erstere (wegen der Saugfähigkeit der Papiertüten).

und weil der AUFRDUCK dicker ist sind die sackerl besser?

ja wie wäre es wenn nichts aufgedruckt ist? sind die papiersäcke dann immer noch schlechter? nein?
ja dann ist das kein typenspezifisches problem.
im übrigen würde es mich wundern wenn diese papiersackerl mit tintenstrahldruckern (saugfähgikeit) bedruckt werden.

Es gibt Alternativen zu Papier und das wären die Maisstärke-Sackerln. Sind auch reißfester als Papier.
Plastik ist immer noch umweltschädlicher und enthält auf das Hormon- und Nervensystem giftige Substanzen. Was bei Plastikflaschen umso bedenklicher ist.

nagut aber die Maisstärke-sackerln lösen eher die Plastiksackerl ab. nicht die Papiertüten ;)

Das was zB beim Spar nach Plastiksackerl aussieht ist das Maisstärke-sackerl. Papiersackerln existieren weiterhin. inkl. der vermeintlichen dicken Farbschickt, die ich im obrigen Post angeprangert habe.

nau klar, wo solltens den daun des Schmiergeld transportieren

Und wass ist mit ...

in Plastik verpacktem Wasser für Leute, bei denen das gleiche Wasser zu einem Tausendstel des Preises frei Haus über die Wasserleitung geliefert wird?
Davon 6 Flaschen werden dann noch extra in Plastikfolie verpackt.
Absurder und dümmer geht es wirklich nicht mehr.

Was ist mit den "verstorbenen" Einkaufsnetzerln??

Meist nur einmal?
Das zweifel ich zumindest für Österreich an.Gratissackerl gibt es nirgends für Alltagswaren. Im Supermarkt haben die meisten sowieso eigene Taschen, Rucksäcke etc mit. Ich sehe auch sehr oft die großen orangen Tragtaschen die zum Mülltrennen gedacht und gratis waren, die sind groß und halten viel Gewicht aus.
Wenn schon ein Sackerl gekauft wird, wird es meist wieder verwendet, für den nächsten Einkauf oder für Mull.
Nur die dünnen Obst/Gemüsesackerl sind oft nach 1 x kaputt. Wenn nicht, als Jausenjackerl gut zu gebrauchen.
Mich nervt der ganze Verpackungsmüll viel mehr.

Es wäre so einfach....

man braucht zB. nur einmal nach Irland schauen wie die es dort machen und dann für uns kopieren.
Dort gibt es eine Gebühr auf Plastiksackerl. Im Supermarkt bekommt man keine Gratissackerl mehr, dafür kann man sich eine Mehrweg-Tasche kaufen, die falls sie kaputt geht vom Supermarkt ersetzt wird. Kein Mensch läuft dort noch mit tausenden Sackerl herum.

Es wäre echt keine große Sache, es braucht nur ein bisschen politischen Willen, mehr nicht...

is doch bei uns eh nicht anders, außer dass die supermärkte die mehrwegtaschen nicht ersetzen wenn sie kaputt gehen.

die gratissackerl beim obst....hmmm, da fällt mir keine vernünftige alternative ein, nachdem so ein salathäupl halt auch öfters feucht ist und somit papier keinen sinn macht

und mehrwegsackerl fürs obst.....brrrr

sinnlos hingegen sind die plastiksackerl in der apotheke, bei diversen drogeriemärkten usw., weil das kann man wirklich in papier packen.

dm ersetzt sie

steht bei jeder kasse :)

Doch. Maisstärke. Dann braucht es kein Papier für den Salat.

Papier ist nicht wirklich besser als Kunststoff.

Die Papiererzeugung ist nicht soooooo viel besser und ist ebenfalls mit ziemlichen Umweltbelastungen verbunden - hoher Energiebedarf, Chemikalieneinsatz etc.

aus papier kann man zumindest wieder papier machen! - und das theoretisch unendlich... kunststofffolie wandelt man einmalig in CO2, Asche und Wärme um.
baumwolle und leinen sind da auch ned grade toll wennst auf den wasserverbrauch abzielst, von dem abgesehen das die menge an wasser auf diesem planeten sich nicht wesentlich ändern wird...

für papier brauchst aber auch ne menge wasser...

mein lieber frag mal in nettingsdorf nach oder laakirchen oder bruck an der mur oder gratkorn oder pitten oder oder....und in den guten alten zeiten wurde der dreck noch nächstens verklappt...und schwamm dann stunden später schon stark verdünnt irgendwo...ja ja...papier...

kommt auf die betrachtungsweise an... nur wasser hat einen großen vorteil - es wird einfach nicht weniger!
und bei der papierherstellung wird es nicht anders sein als in allen anderen industriekreisläufen... man nimmt wasser in diesem fall als lösungsmittel und träger und presst und trocknet den zellstoff solange bis eine gewünschte restfeuchte übrig bleibt - dann hat man mal papier, das wasser welches flüssig bleibt wird aufbereitet ggf. ersetzt (somit wieder im nat. kreislauf) und neuerlich eingesetzt, das wasser welches verdunstet ist wieder im natürlichem kreislauf und kann irgendwo anders als regen ausfallen und zb. eine quelle speisen oder eine landwirtschaftliche fläche bewässern...
kann das erdöl auch? - ich glaube nicht

http://www.chemievorlesung.uni-kiel.de/1992_umwe... ecycl3.htm

ok...dann mal ein bisserl nachlesen...unter diesen artikel...wenn es aus meiner feder stammen würde (obwohl mehr als 13 jahre in papier-herstellung tätig) hättest eh kein wort geglaubt...ach ja der durchschnittsbürger verbraucht so an die 250 kg papier im jahr...

und wo steht in dem artikel was negatives? 20.000l sind jetzt nicht wirklich viel, von dem abgesehen das die grafik nicht ganz stimmen kann (zufluss und abfluss können NIE gleich sein) und das mittlerweile schon 22 Jahre (hoffentlich mit einem fortschritt) vergangen sind...
aber egal der westliche mensch wird sich sowieso erst dann einschränken wenns schon zu spät ist...

ok...das lesen ist ein bisserl ein problem...

es geht vor allem um die giftstoffe...die irgendwann wenn auch verdünnt in den natürlichen wasserkreislauf zurückkehren...und bei skrupellosen herstellern halt unverdünnt...je weiter weg von europa desto mehr dreck im abwasser...

Aber die Entsorgung ...

Papier verrottet nach ein paar Monaten, Plastik nach ein paar hundert Jahren noch immer nicht.

Der dm ersetzt die Stofftasche.

Also die Sackerl die man an der Kassa kaufen kann sind eine Sache - da gibts ja einfache Alternativen. Die wenigsten kaufen die sowiso.

Bloss mit "Gratissackerl" gemeint sind ja auch die beim Obst & Gemuese - und da wirds mit der Alternative schwieriger. Oder will der Lebensmittelhandel lieber nur mehr fertig verpacktes verkaufen?

Uebrigens ist vieles aufwendig mit Kunststoff verpackt, das stoert niemanden? Und wie ist das mit den Einwegflaschen, da wird viel mehr Kunststoff verwendet und da gibt es ja die alternative Glas, bloss will die der Handel nicht...

Alles im allem, wieder eine der wirklich tollen Ideen unserer Interessentenvertreter.

Die omnipräsenten kleinen Einwegflaschen nerven mich am meisten.
Mittels massiver Werbung wurde den Leuten eingeredet, daß sie ständig am Fläschchen saugen müssen, damit endlich Schluss ist mit den Millionen auf offener Straße Verdurstenden - war ja echt nicht lustig früher, ständig über die Leichen hinwegzusteigen.

GLAS will der Kunde nicht!

Zu schwer - siehe MilchFLASCHE.

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