"Europahäuser" statt eigener Botschaften

Außenminister Spindelegger will Zahl der Auslandsvertretungen drastisch reduzieren

Wien - Vizekanzler und Außenminister Michael Spindelegger (ÖVP) will in seinem Ressort weiter sparen, nicht unbedingt kurzfristig, aber mittelfristig. Spindelegger denkt daran, die Botschaften im Ausland drastisch zu reduzieren, er will stattdessen auf Gemeinschaftsarbeit mit der Europäischen Union setzen. Die österreichischen Vertretungen könnten künftig in "Europahäusern" aufgehen, erklärt der Außenminister im Standard-Gespräch. Er habe darüber bereits mit der EU-Außenbeauftragten Catherine Ashton Gespräche geführt.

Mehrere europäische Botschaften könnten gemeinsam ein Haus beziehen und gemeinsam für eine Vertretung sorgen. "Man erspart sich, dass man für jede Botschaft ein eigenes Gebäude mit eigener Sicherheit, eigenem Eingangsbereich, eigenem Portier und eigener Vermittlung hat", erklärt Spindelegger. Auch Dienststellen könnte man zusammenlegen. "Es ist die Frage, ob man dort dann eine voll ausgerüstete Botschaft haben muss oder ob es nicht genügt, dass man für die konsularischen Tätigkeiten einen Mitarbeiter hat. Das sind moderne Formen der Zusammenarbeit, die ich mir gut vorstellen kann."

"Servicecharakter"

Wo es viele österreichische Urlauber gibt, sollte es zumindest einen österreichischen Mitarbeiter an einer europäischen Vertretung geben. " Mit europäischen Partnern und dem europäischen auswärtigen Dienst wäre das eine neue Chance, da bin ich sehr dafür", sagt Spindelegger, " besonders dort, wo wir wenig präsent sind. In Afrika etwa und in Südamerika." Eigene Vertretungen gebe es dann nur noch dort, wo es viele Auslandsösterreicher gibt. "Da muss es einen Servicecharakter haben." Eigene Vertretungen müsste es ferner in jenen Ländern geben, in denen Österreich besondere wirtschaftliche Interessen hat.

Die Gefahr, dass Österreich international nicht mehr wahrgenommen würde, wenn es kaum noch eigene Botschaften betreibt, sieht Außenminister Spindelegger nicht. "Das muss man sehr pragmatisch sehen, wir brauchen flexible Instrumente. Ich glaube nicht, dass die Präsenz Österreichs nur von einer Botschaft ausgeht. Das hängt von unserem Auftreten ab." (Michael Völker, DER STANDARD, 19.3.2012)

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