Tagessieg für Koch, Gesamtweltcup für Bardal

Österreichs Top-Flieger gewann abschließenden Bewerb in Planica vor Amann und Kranjec - Bardal genügte Rang 23 für Trophäe

Planica/Slowenien - Anders Bardal und Martin Koch waren die Gewinner der letzten Skiflug-Konkurrenz der Springer-Saison 2011/12. Der 29-Jährige stellte am Sonntag in Planica den Weltcup-Gesamtsieg als erst dritter Norweger und bisher ältester Skispringer mit einem 23. Rang auch theoretisch sicher, der Kärntner (222,5 m) feierte nahe seiner Heimat seinen fünften Weltcupsieg, den vierten der Saison. In der Skiflug-Gesamtwertung belegte Koch den zweiten Rang hinter dem Slowenen Robert Kranjec, dem nach dem Freitag-Sieg der dritte Tages-Rang hinter Simon Ammann (Schweiz) genügte.

Bardals Triumph - 18 Jahre nach Espen Bredesen und 25 nach Vegaard Opaas - hätte vor dem Winter kaum jemand erwartet. Auch nicht sein neuer Tiroler Coach Alexander Stöckl, der gleich in seiner ersten Saison als Cheftrainer einen Gewinner der großen Kristallkugel im Team hatte. "Damit hatte ich zu Saisonbeginn überhaupt nicht gerechnet", erklärte Stöckl. "Es ist super, zu sehen, dass meine Arbeitsweise funktioniert, das Klima in unserem Team ist sehr gut." Bardals beste Gesamtplatzierung war zuvor ein fünfter Rang (2007/08) gewesen, nun genügten ihm drei Siege und neun weitere Podestplätze, um seine schärfsten Verfolger Gregor Schlierenzauer (58 Punkte zurück) und Andreas Kofler (122 zurück), die je fünfmal triumphierten, auf Distanz zu halten. Kofler hatte das gleich zum Auftakt eroberte Gelbe Trikot erst am 12. Februar an Bardal abgeben müssen.

15 ÖSV-Einzelsiege in 26 Bewerben

Der Gesamtsieg ging an Norwegen, den Skiflug-WM-Titel und die Trophäe für den Skiflug-Weltcup holte der Slowene Kranjec, doch der ÖSV stellte einmal mehr das insgesamt stärkste Team. Cheftrainer Alexander Pointner durfte sich über 15 Einzelsiege in 26 Bewerben durch vier Athleten freuen - neben Schlierenzauer, der zudem erstmals die Tournee gewann, und Kofler gewannen auch Koch (4) und Thomas Morgenstern (1) - zudem gab es zum achten Mal in Serie den ersten Platz im Nationencup.

"Das war eine sehr starke Leistung, ich bin stolz auf das Team", betonte Pointner. "Der Dreifach-Sieg bei der Tournee hat aber Kraft gekostet, wir haben nicht so die Konstanz gehabt wie letztes Jahr. Wir müssen uns aber nichts vorwerfen, Bardal hat mit seiner Konstanz gewonnen und wir haben es ihm nicht so schwer gemacht. Das gibt Motivation, in den nächsten Jahren wieder auf die große Kugel loszugehen", meinte der Tiroler.

Koch "Das macht mich stolz"

Koch gestaltete das Finale zu seiner persönlichen Flugshow. Bei schwierigsten Bedingungen und Rückenwind segelte er zur überlegenen Tagesbestweite, nach Absage des 2. Durchgangs wegen des zu starken, drehenden Windes war sein erster Erfolg auf der ehemaligen Weltrekordschanze nach sieben Podestplätzen perfekt. "Ich habe ein super Gefühl gehabt, bin gut rausgekommen und dann fliegt man einfach", sagte der 30-Jährige, dem in dieser Saison immer wieder Rückenprobleme zu schaffen gemacht hatten. "Die letzten Monate waren ganz speziell, so wie ich am Ende dagestanden bin, das macht mich stolz", betonte der Skiflug-WM-Dritte und Holmenkollensieger.

Schlierenzauer, der Weltcupsieger von 2008/09, war auch ohne neuerliche "Kugel" mit der Saison zufrieden. "Das Positive überwiegt. Ich habe bis zum Schluss um den Gesamt-Weltcup gekämpft, obwohl es mir nicht leicht von der Hand gegangen ist", sagte der 22-jährige Schützling von Stützpunkttrainer Markus Maurberger. Der Stubaier musste durch Sturz (Engelberg), kaputten Reißverschluss (Kulm) und nicht gelungenen Materialwechsel bei der Bindung Rückschläge einstecken. Schlierenzauer bezeichnete aber auch eine solche Saison als wertvoll. "Da nimmt man viel mit für die kommenden Jahre."

Bardal feiert, Hautamäki verabschiedet

Anders Bardal freute sich über "einen der schönsten Tage meines Lebens und den schönsten Tag als Skispringer". "Ich bin jetzt wirklich stolz und glücklich. Wenn alles schiefgegangen wäre, hätte Gregor den Titel noch holen können, aber ich war zuversichtlich und gar nicht so nervös", erklärte der Athlet aus Steinkjer in der Nähe von Trondheim. Am Dienstag will er noch in einem Bewerb in seiner Heimat antreten, die norwegische Meisterschaft am Wochenende wird Bardal aber auslassen. Da hat er Wichtigeres vor: "Ich werde in rund zwei Wochen zum zweiten Mal Vater, ich muss mich bereitmachen für die Geburt."

Einer der großen Springer vergangener Jahr hatte sich schon am Samstag verabschiedet. Der 30-jährige Finne Matti Hautamäki, u.a. Olympia-Zweiter 2006, WM-Zweiter und Team-Weltmeister 2003 sowie Gewinner von 16 Weltcup-Bewerben, erklärte in Planica, wo er 2003 mit 231 Metern Weltrekord geflogen war, seinen Rücktritt.  (APA, 18.3.2012)

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